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ÖDP kritisiert Komplettversagen bei Kinderarzneien

Reiter WolfgangWolfgang Reiter, Apotheker und gesundheitspolitischer der ÖDP Bayern - Foto: ÖDP Erding

Bayern - pm (12.01.2023) Ibuprofen-Säfte, die von der Firma Menarini ursprünglich für die Belieferung der Ukraine produziert, aber dort nicht gebraucht wurden, werden nach Deutschland geliefert, damit Deutschland seine Kinder wieder versorgen kann! „Das ist der peinliche Höhepunkt der Kinderarzneimittelkrise, ein Komplettversagen der planlosen deutschen Gesundheitspolitik“, sagt der Apotheker Wolfgang Reiter, gesundheitspolitischer Sprecher der bayerischen ÖDP.

Bereits im Oktober hatte Reiter die Gesundheitsminister Karl Lauterbach und Klaus Holetschek angeschrieben, sich endlich um die Bereitstellung von Kinderarzneimitteln zu kümmern, weil ein Versorgungsengpass drohe. Kurz vor Weihnachten waren dann in ganz Deutschland praktisch keine Kinderarzneimittel mehr verfügbar: Sämtliche Kinderantibiotika, sämtliche Fiebermittel mit Paracetamol und Ibuprofen und sämtliche Ambroxol-Hustensäfte waren nicht mehr lieferbar. Nur Apotheken, die frühzeitig begonnen haben, diese Arzneimittel selbst herzustellen oder diese aus dem europäischen Ausland importiert hatten, waren überhaupt noch in der Lage, Kinder zu versorgen.

Erst am 16. Dezember 2022 hatte Bundesgesundheitsminister Lauterbach in einem „Eckpunktepapier“ Maßnahmen definiert, wie diesen Lieferengpässen in Zukunft vorgebeugt werden soll: „Für Kinderarzneimittel sollen die Rabattverträge abgeschafft werden und die sogenannten Festbeträge (Höchstbeträge, was ein Arzneimittel den Krankenkassen kosten darf) angehoben werden.“ Und: „Zur Verbesserung der Versorgungssicherheit soll in Zukunft für rabattierte Arzneimittel vertraglich eine mehrmonatige, versorgungsnahe Lagerhaltung vorgesehen werden.“

Reiter: „Da stellt sich schon die Frage, warum das nicht in den letzten 15 Jahren bereits Bestandteil der Rabattverträge war. Da haben alle deutschen Gesundheitsminister (Philipp Rösler, FDP, Daniel Bahr, FDP, Hermann Gröhe, CDU, Jens Spahn, CDU und Karl Lauterbach, SPD ) komplett versagt“.

Die von Lauterbach nun vorgeschlagenen „Verfahren zur frühen Erkennung von Versorgungslücken“ findet Reiter „zwar löblich“, „doch eigentlich ist das die grundsätzliche Aufgabe eines Bundesgesundheitsministeriums“. Der momentane Versorgungsengpass komme auch nicht völlig überraschend. „In den letzten fünf Jahren wurden Arzneimittel gegen Jahresende immer wieder knapp. Schon im Mai 2022 haben die Kinderärzte bundesweit Alarm geschlagen und auf die dramatische Entwicklung bei den Kinderarzneimitteln hingewiesen. Bereits 2020 wurde vom Apotheker Jürgen Hoffman eine Petition mit 31.000 Unterschriften an den Deutschen Bundestag eingereicht, die die Abschaffung der Rabattverträge, die Rückführung der Produktion nach Deutschland und Europa und eine verpflichtende vorausschauende Lagerhaltung der Pharmaunternehmen forderte, um Lieferengpässen vorzubeugen. Der derzeitige Lieferengpass hätte vermieden werden können, hätte man rechtzeitig auf die Fachleute gehört und nicht erst angefangen zu reagieren, als alles zu spät war“, kritisiert der gesundheitspolitische Sprecher der ÖDP Bayern.

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