Bayern - pm (04.08.2026) Während Bayern in die Sommerferien startet, bereiten viele Lehrkräfte bereits das kommende Schuljahr vor – oft mit einer entscheidenden Frage: Wer steht im September überhaupt vor der Klasse? Für die KEG Bayern ist klar: Bayerns Lehrkräfte wollen alles dafür tun, damit Kinder und Jugendliche gut auf ihre Zukunft vorbereitet werden. Doch immer häufiger scheitert ihr Engagement an den Rahmenbedingungen.
"Autos müssen regelmäßig zum TÜV. Brücken werden überprüft. Aufzüge gewartet. Unsere Schulen dagegen fahren seit Jahren mit blinkenden Warnleuchten weiter. Personalmangel, marode Gebäude, überbordende Bürokratie, Gewalt an Schulen und immer neue Aufgaben belasten das System. Würden Bayerns Schulen heute beim TÜV vorfahren, bekämen viele wohl keine Plakette", erklärt KEG-Landesvorsitzender Martin Goppel.
Dabei verändert sich die Welt schneller denn je.
Künstliche Intelligenz beantwortet Hausaufgaben innerhalb weniger Sekunden. Roboter übernehmen längst Aufgaben in Industrie, Medizin, Landwirtschaft und Logistik. Kinder werden später Berufe ausüben, die heute teilweise noch gar nicht existieren. Gleichzeitig werden kritisches Denken, Kreativität, Teamfähigkeit, ethisches Urteilsvermögen und ein kompetenter Umgang mit KI zu den entscheidenden Zukunftskompetenzen.
"Unsere Lehrkräfte wollen Kinder auf diese Welt vorbereiten. Doch wer ständig Unterrichtsausfälle organisiert, Vertretungspläne schreibt, Verwaltungsaufgaben übernimmt und den Personalmangel ausgleicht, hat immer weniger Zeit für das Wesentliche: gute Bildung."
Bildungs-TÜV statt Krisenverwaltung
Deshalb fordert die KEG Bayern die Einführung eines jährlichen Bildungs-TÜV für alle bayerischen Schulen.
Ein unabhängiger, transparenter Qualitätsbericht soll den tatsächlichen Zustand jeder Schule sichtbar machen – nicht erst dann, wenn Probleme eskalieren.
Der Bildungs-TÜV soll insbesondere folgende Bereiche bewerten:
- Unterrichtsversorgung und Personalausstattung
- Gesundheit und Arbeitsbelastung der Beschäftigten
- Digitalisierung und KI-Ausstattung
- Sicherheit, Gewaltprävention und Schulsozialarbeit
- Gebäude, Ausstattung und Verwaltungsstrukturen
- Inklusion, Zusammenarbeit mit Jugendhilfe, Schulpsychologie sowie weiteren Unterstützungssystemen
- Förderung von Zukunftskompetenzen sowie Wertebildung und Schöpfungsverantwortung
Die Ergebnisse müssen jährlich veröffentlicht und mit verbindlichen Verbesserungsmaßnahmen verknüpft werden.
"Ein Warnlämpchen im Auto ignoriert niemand. Im Bildungssystem leuchten seit Jahren sämtliche Kontrollanzeigen – und trotzdem fahren wir einfach weiter. Das ist keine nachhaltige Bildungspolitik, sondern Fahren auf Verschleiß."
Die KEG kritisiert, dass Bildungspolitik noch immer häufig erst dann handelt, wenn aus Warnsignalen längst Krisen geworden sind.
"Wer Milliarden in Straßen, Brücken oder Schienen investiert, handelt richtig. Doch die wichtigste Infrastruktur unseres Landes sitzt jeden Morgen im Klassenzimmer. Bildung ist kein Kostenfaktor. Sie ist die Grundlage für den Wohlstand, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunft Bayerns."
Die KEG fordert die Bayerische Staatsregierung auf, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften, Schulleitungen, Kommunen, Wissenschaft und Berufsverbänden einen transparenten Bildungs-TÜV zu entwickeln und jährlich zu veröffentlichen.
Denn eines ist sicher: Ein Auto ohne TÜV darf nicht auf die Straße. Ein Bildungssystem ohne regelmäßige Qualitätskontrolle darf die Zukunft unserer Kinder nicht gefährden. Wer junge Menschen auf die Welt von morgen vorbereiten will, darf Schulen nicht dauerhaft mit den Problemen von gestern alleinlassen.

