Regen - pm (20.04.2026) Die Psychiatrische Institutsambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie (PIA) braucht dringend mehr Platz. Platz, der in den bisher genutzten Räumlichkeiten der Arberlandklinik in Zwiesel nicht vorhanden ist. Der Bezirksausschuss hat daher der Verlagerung der Institutsambulanz nach Regen einstimmig zugestimmt. Die neue Örtlichkeit bringt zahlreiche Vorteile – insbesondere für die jungen Patienten.
Landshut. Der Bedarf an psychologischen und psychiatrischen Behandlungen ist in den letzten Jahren immens angestiegen – auch im Kinder- und Jugendbereich. Als Dezentralisierungsmaßnahme hat der Bezirk Niederbayern daher bereits Ende 2019 mit der PIA in Zwiesel eine Anlaufstelle für junge Menschen bis zum 18. Lebensjahr geschaffen.
„Die Ermächtigung erstreckt sich auf die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung von Patienten, die wegen der Art, der Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung oder wegen zu großer Entfernung zu einem geeigneten niedergelassenen Arzt auf die Behandlung in der Psychiatrischen Institutsambulanz angewiesen sind“, erklärt Stefan Eichmüller, Leiter der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Niederbayern. Der Bezirk konnte somit eine Versorgungslücke schließen.
Grundsätzlich funktioniert die PIA wie eine „gewöhnliche“ Arztpraxis: Anrufen, Termin vereinbaren, vorbeikommen. Ein multidisziplinäres Team aus Ärzten, Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten und Sozialpädagogen arbeitet hier mit den jungen Patienten. Die Schwerpunkte liegen auf der Diagnostik, der Krisenintervention und der Einleitung von weiteren Hilfen. Wenn erforderlich, werden die Patienten auch medikamentös eingestellt und psychotherapeutisch betreut, bis sie einen Therapieplatz gefunden haben. Die Weichen werden also gestellt.
Patienten auf der Warteliste
Doch dafür sind neben der fachlichen Kompetenz die Gegebenheiten vor Ort elementar. Die Räumlichkeiten müssen für die Behandlungen geeignet und gut erreichbar sein, die Privatsphäre muss gewahrt werden. Die Außenstelle der Kinder- und Jugendpsychiatrie Deggendorf erfährt bis heute so großen Zulauf, dass der Platz in Zwiesel mittlerweile nicht mehr ausreicht. „Es gibt eine Warteliste“, sagt Eichmüller.
Die nötigen zusätzlichen Räume kann die Arberlandklinik in Zwiesel nicht bereitstellen. Zudem benötigt sie die von der PIA genutzten Räumlichkeiten selbst. Der Bezirk sah sich daher in Zwiesel nach geeigneten Räumen um. Als man dort nicht fündig wurde, wurde die Suche nach Regen ausgeweitet. Mit Erfolg: Künftig wird die PIA Am Sand 9 in Regen verortet sein. Der Umzug dorthin wurde zum 1. Juli 2026 vom Zulassungsausschuss genehmigt. Nun stimmte auch der Bezirksausschuss in seiner Sitzung vom 15. April der Verlagerung der PIA einstimmig zu.
Neuer Standort bringt zahlreiche Vorteile
Der neue Standort in Regen erfüllt nicht nur die Anforderungen. Er bringt weitere Vorteile – infrastrukturell und medizinisch: Mit seiner zentralen Lage ist die Stadt Regen im Landkreis noch besser erreichbar. Die PIA liegt fußläufig von Bahnhof und Bußbahnhof entfernt, wovon die Patienten, ihre Eltern sowie die PIA-Mitarbeitenden profitieren. Für diejenigen, die mit dem Auto anreisen oder gebracht werden, finden sich ausreichend Parkplätze vor dem Gebäude.
Durch die Vergrößerung können Notfälle besser versorgt und so die Standorte in Deggendorf und Landshut im teilstationären und stationären Bereich entlastet werden. Spezialangebote können weiter ausgebaut werden – zum Beispiel im Bereich von Autismus oder straffälligen Jugendlichen.
Arztpraxis mit im Haus
Mit im Haus befindet sich zudem eine Hausarztpraxis. Sie ist ein strategisch wertvoller Partner bei körperlichen Untersuchungen und senkt die Hemmschwelle für die Kinder und Jugendlichen, weil die Institutsambulanz nicht alleine liegt. Damit ist nicht auf den ersten Blick offensichtlich, dass sie Patient der PIA sind, wenn sie das Gebäude betreten.
„Entscheiden sich Kinder und Jugendliche für den Weg in die PIA, ist das ein für sie großer Schritt, der viel Überwindung und auch Selbsterkenntnis erfordert“, sagt Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich. „Wir müssen ihnen für ihren weiteren Weg in ein gesünderes Leben Privatsphäre und einen geschützten Rahmen bieten. Und dazu gehört auch, dass sie sich möglichst keine Gedanken machen müssen, was Mitmenschen vielleicht über sie denken.“

