
Orange und gelb markierte Flächen gelten als ungeeignet beziehungsweise gering geeignet und werden nicht weiter betrachtet. Nur die türkis markierten Ge-biete werden weiterhin geprüft. - Quelle: BGE-Endlagersuche-Navigator
Freyung/Niederbayern – pm (28.10.2026) Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat einen neuen Arbeitsstand im Standortauswahlverfahren für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle veröffentlicht. Bereits im September 2020 hatte die BGE mit dem Zwischenbericht Teilgebiete große Teile Deutschlands als grundsätzlich geologisch geeignet für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle eingestuft.
Im Zuge der seither durchgeführten Bewertungen wurde die Suche in Niederbayern bereits auf Gebiete im kristallinen Grundgebirge entlang des Bayerischen Waldes eingegrenzt. Ziel des weiteren Auswahlverfahrens ist es, die Suche schrittweise auf diejenigen Gebiete mit den besten geologischen Voraussetzungen zu konzentrieren.
Was hat sich für Niederbayern mit dem neuen Arbeitsstand geändert?
Nach dem aktuellen Arbeitsstand verbleiben weiterhin alle bisher noch betroffenen Regionen Niederbayerns im Auswahlverfahren. Die entsprechenden Flächen sind im Endlagersuche-Navigator der BGE türkis gekennzeichnet (unter https://navigator.bge.de ). Welche dieser Gebiete tatsächlich als Standortregionen vorgeschlagen werden, entscheidet sich erst mit dem nächsten Verfahrensschritt Ende 2027.
Was bedeuten die unterschiedlichen Farben?
Eine besondere Bedeutung kommt der farblichen Darstellung im Endlagersuche-Navigator der BGE zu. Da-bei ist zu beachten, dass nicht nur rot oder orange gekennzeichnete Flächen aus der weiteren Betrachtung herausfallen. Auch hellgrün markierte Gebiete werden von der BGE im weiteren Auswahlprozess nicht mehr
Freyung-Grafenaus Landrat und Sprecher der niederbayerischen Landräte Sebastian Gruber bewertet das Gesamtverfahren sehr kritisch. Teilweise erwecke das Verfahren den Eindruck, dass ein Endlager in einer dünn besiedelten Region, noch dazu in Grenznähe, leichter umsetzbar erscheint. - Foto: Eder
berücksichtigt. Während diese Kategorie in Niederbayern nicht vorkommt, sind in anderen Regionen Deutschlands erstmals hellgrün gekennzeichnete Flächen zu sehen. Diese Gebiete werden zwar grundsätzlich als gut geeignet eingestuft, gehören im Vergleich mit anderen Regionen jedoch nicht zu den Gebieten mit der besten Eignung. Sie werden deshalb nicht für die Erarbeitung des Standortregionenvorschlags weiterverfolgt.
Nur die türkis dargestellten Flächen könnten nach dem aktuellen Arbeitsstand noch für die weitere Auswahl infrage kommen. Dabei ist zu beachten, dass diese Gebiete nicht zwangsläufig eine besonders hohe Eignung aufweisen, sondern sich teilweise auch noch in einem früheren Bearbeitungsstand befinden können, in dem eine abschließende Bewertung und ein möglicher Ausschluss bislang noch nicht erfolgt sind. Eine türkis gekennzeichnete Fläche bedeutet daher ausdrücklich noch nicht, dass dort ein Endlager errichtet werden könnte oder die Region bereits für Erkundungsmaßnahmen feststeht.
Ende 2027 folgt der nächste entscheidende Schritt
Bis Ende 2027 wird die BGE ihre Untersuchungen fortsetzen und die weiterhin infrage kommenden Gebiete weiter eingrenzen. Anschließend soll die BGE dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) einen Vorschlag für diejenigen Standortregionen vorlegen, die in der nächsten Phase des Verfahrens übertägig erkundet werden, beispielsweise durch geophysikalische Untersuchungen und Erkundungsbohrungen. Dieser Vorschlag wird vom BASE geprüft und anschließend entscheidet der Deutsche Bundestag über die verbindliche Festlegung der Standortregionen. In jenen Regionen sind ab 2028 Regionalkonferenzen als gesetzlich vorgesehene Beteiligungsgremien geplant.
Regionale Koordinierungsstelle begleitet das Verfahren
Die Regionale Koordinierungsstelle Niederbayern für die Zwischen- und Endlagerung hochradioaktiver Ab-fälle begleitet den Standortauswahlprozess in den niederbayerischen Landkreisen und Kommunen. Sie wird gemeinsam von allen neun Landkreisen und drei kreisfreien Städten Niederbayerns getragen. Ihr Ziel ist es, die regionalen Interessen zu bündeln, die fachlichen Entwicklungen im Auswahlverfahren zu beobachten und die betroffenen Kommunen frühzeitig zu informieren.
Dabei steht insbesondere die geologische Beschaffenheit des kristallinen Grundgebirges des Bayerischen Waldes im Fokus. Die Voraussetzungen dieser Gesteinsformationen für eine sichere und dauerhafte Endlagerung hochradioaktiver Abfälle werden weiterhin kritisch gesehen. Insbesondere die komplexen und teil-weise nur unzureichend bekannten Kluft- und Störungssysteme im Granit stellen eine wesentliche Unsicherheit dar. Diese können potenzielle Fließwege für Grundwasser bilden und erschweren die Bewertung eines sicheren Einschlusses über einen Zeitraum von einer Million Jahren.
Daniel Lenz, Leiter der Regionalen Koordinierungsstelle Niederbayern weist auf das bestehende Risiko hin-sichtlich der Kluft- und Störungssysteme im kristallinen Grundgebirge des Bayerischen Waldes hin, sie „stellen aus fachlicher Sicht eine besondere Herausforderung dar“. „Insbesondere im Vergleich zu möglichen Endlagersystemen in Salz- oder Tongestein sehen wir hier Nachteile bei der Suche nach einem Endlager als auch beim langfristig sicheren Einschluss radioaktiver Stoffe. Diese geologischen Besonderheiten müssen im weiteren Standortauswahlverfahren sorgfältig geprüft und berücksichtigt werden.“
Auch politisch wird das Standortauswahlverfahren in Niederbayern kritisch begleitet. Dabei steht insbesondere die Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und den betroffenen Kommunen im Vordergrund.
Sebastian Gruber Landrat des Landkreises Freyung-Grafenau und Vorsitzender des Bezirksverbandes Niederbayern im Bayerischen Landkreistag, betont: „Bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle muss die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren – eine ohnehin unvorstellbare Zeitspanne - oberste Priorität haben. An-gesichts der geologischen Besonderheiten und der bestehenden Unsicherheiten im kristallinen
Grundgebirge des Bayerischen Waldes sehen wir unsere Region als einen möglichen Endlagerstandort weiterhin ungeeignet. Die geologischen Voraussetzungen von Granit in unserer Region sind meines Erachtens nach wie vor nicht tauglich, allen voran aufgrund der Zerklüftung des Gesteins sowie möglicher Wasserleiter.
Zudem bewerte ich das Gesamtverfahren sehr kritisch. Es ist hoch komplex und nur bedingt nachvollzieh-bar. Ich bin nach wie vor skeptisch gegenüber den maßgeblichen Akteuren und Stellen, ob hier wirklich alles fair und transparent abläuft. Teilweise erweckt das Verfahren den Eindruck, dass ein Endlager in einer dünn besiedelten Region, noch dazu in Grenznähe, leichter umsetzbar erscheint.
Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die Interessen der niederbayerischen Bevölkerung und unserer Kommunen mit Nachdruck zu vertreten und darauf zu achten, dass alle Bedenken im weiteren Verfahren berücksichtigt werden.“
Die Regionale Koordinierungsstelle Niederbayern wird daher gemeinsam mit den weiteren zuständigen Stellen den Standortauswahlprozess auch künftig kritisch und fachlich fundiert begleiten. Dabei gilt es ins-besondere, die Bewertungen der BGE sorgfältig zu prüfen, bestehende Unsicherheiten aufzuzeigen und die Interessen der niederbayerischen Kommunen und ihrer Bevölkerung zu vertreten.

