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Analog, KI, digital – egal?! - Was ist eigentlich mit dem Wissen und Können, den Fähigkeiten und Fertigkeiten?

böhm jürgenJürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands

pm (27.05.2023) „Kein halbwegs normal denkender Mensch in unserem Land kann sich der digitalen Entwicklung verschließen. Die Digitalisierung schreitet voran und auch die Möglichkeiten der KI machen an den Schultüren nicht Halt. Die Frage des Einsatzes stellt sich nicht. Es geht nicht ums Ob, sondern es geht ums Wie!“, stellt Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR) fest. Noten und KI schließen sich aus? Welche Logik hinter dieser vermeintlichen Feststellung steckt, erschließt sich einem nicht.

Nur, weil bei Prüfungen in Hamburg digitale Endgeräte nicht überprüft wurden, sollen Noten abgeschafft werden? Spätestens seit dem grafikfähigen Taschenrechner liegt es in der Verantwortung der Ministerien und letztlich Lehrkräfte, bei Prüfungen besondere Vorkehrungen zu treffen.

Zur Beherrschung der digitalen Möglichkeiten, zur Durchdringung der KI mit allen Gefahren und tollen Optionen sind jedoch Wissen und Können und damit Kompetenzen gefragt. Grundkompetenzen, wie Sprachverständnis und Sprachbeherrschung, mathematische Kompetenzen und logisches Denken sind nicht abhängig von KI oder digitalen Medien. Es geht um grundlegende Kulturtechniken, die man beherrschen muss. Es geht darum, dass man sich nicht verabschieden kann von den basalen Bildungsanforderungen. Wer nicht lesen und schreiben kann, dem nutzt Digitalisierung und KI gar nichts. Wer nicht grundlegende mathematische Fähigkeiten hat, der kann niemals nachvollziehen warum eine KI etwas wie ausgibt, einschätzen, ob Ergebnisse oder Resultate überhaupt richtig sein können.

Und am Verheerendsten ist: Ohne diese Grundlagen ist das Individuum nicht mehr in der Lage die Welt zu verstehen und wird zum willfährigen Objekt irgendwelcher Algorithmen oder Programme. Böhm weiter: „Letztlich dürfen wir uns als Bildungsnation nicht von der Aufklärung verabschieden. Im Gegenteil: Wir müssen in eine neue Phase der „Digitalen Aufklärung“ eintreten. Wenn 25% der Viertklässler in unserem Land nicht mehr richtig lesen können, dann hängen wir ein Viertel von diesem Aufklärungsprozess ab. Und diese fehlende Sprachbeherrschung wirkt sich weiter aus auf alle Bereiche des Wissens- und Kompetenzerwerbs. Fatal.“

„Wir müssen diese Kulturtechniken einfordern, wir dürfen nicht wegschauen und über ‚leistungsbefreite Bildung‘ fabulieren. Die KI und die Digitalisierung werden es nicht richten. Wir müssen überlegen, wer wann und mit welchen Voraussetzungen in die Grundschule eintreten darf und wer wie in seiner Bildungsbiographe entsprechend gefördert und gefordert wird“, folgert der Bundesvorsitzende.

Die Bildungswege in Deutschland dürften nicht eingeebnet oder vereinheitlicht werden. Es müssten nach der Grundschule vielfältige Bildungswege angeboten werden, die zu differenzierten Abschlüssen führen. Jeder junge Mensch in unserem Land müsse einen dieser allgemeinbildenden Schulabschlüsse erreichen, die gleichwertig und anerkannt nebeneinander stehen müssen. 2,5 Millionen Menschen zwischen 17 und 35 Jahren besitzen in Deutschland keinen Abschluss – das sei ein wirkliches Armutszeugnis verfehlter Bildungspolitik.

„Differenzierung und klare Leistungsanforderungen sind der Schlüssel des Bildungserfolges – dann ist es egal ob dieser Bildungserfolg analog, digital oder mit KI erreicht wurde“, so Böhm abschließend.

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