
Die Stadt führte Gespräche für einen zweckgebundenen Sonderkredit zur Finanzierung der Theatersanierung, die aber nicht erfolgreich waren. - Fotos: W. Götz
Landshut – gw (26.02.2026) Als am 1. Juni 2014 der letzte Vorhang im Stadttheater im Bernlochner fiel, war die Stimmung noch ganz positiv. Ein Theaterzelt wurde als Interimslösung angeschafft und die schleunige Sanierung des Bernlochners angestrebt. Jetzt, elf Jahre später, herrscht Ernüchterung. Gut 20 Millionen €uro wurden investiert, weitere zwei sollen für Planungen folgen und wann sich der Vorhang an der Isar wieder öffnet, das wissen höchstens die Propheten.
Viel Geld für Was? Für den Ankauf der Immobilien und für die bisherigen Planungen wurde das Stadtsäckl um 20 Millionen €uro erleichtert. Dafür gibt es auf der Habenliste einen denkmalgeschützten, dringest sanierungsbedürftigen dreigeschossigen Massivbau mit Walm- und Satteldächern und spätklassizistischer Fassadengestaltung aus dem Jahr 1841 an der Wittstraße. Für acht Millionen €uro verfügt die Stadt über Planungen zur Sanierung der Theaterstätte samt einem Neubau, was sich minimalistisch ausgedrückt, mit bunten Plänen und einem Holzmodel gegenrechnen lässt.

Der stattliche Bernlochnerkomplex an der Isar wurde im Jahr 1841 eröffnet.
Zum Vergleich: Die DEL-taugliche Sanierung, Renovierung und der Ausbau des Eisstadions am Gutenbergweg kostete 21 Millionen €uro, die Sanierung des 55 Jahre alten Hallenbads wird auf 16 Millionen €uro taxiert und die Sanierung des Josef-Deimer-Tunnels benötigt die Stadt geschätzte 25 Millionen €uro. Die notwenigen Sanierungen der Feuerwehrhäuser am Rennweg, in der Münchnerau und in Frauenberg schlagen in Summe mit 20 Millionen €uro zu Buche und sind auf 2030 und später geparkt.
Was einen Neubau und einer Sanierung des Theaters anbelangt, liegt alles in weiter Ferne. Im aktuellen Haushaltsplan sind die Finanzen dazu auf das Jahr 2030 und später geparkt, genauso, wie beim Josef-Deimer-Tunnel. Auch hier plant die Kämmerei erst im Haushalt 2030 und danach.
Einen Theaterlichtblick gab es im Haushaltsplenum am vergangenen Dienstag. Da der Rechnungsabschluss für die LA-Regio-Kliniken günstiger ausfällt, als erwartet, sind ein paar Millionen extra zu erwarten. Diese sollen in weitere Planungen für das Stadttheater und den Tunnel gesteckt werden. Von zwei Millionen €uro wird im groben gesprochen.
Bei 20 plus zwei Millionen €uro wären es dann insgesamt 22 Millionen €uro für Immobilien und Planungen, die dann eine Höhe von 10 Millionen €uro erreichen. Dafür gibt es neue Architektenentwürfe und sicher wieder ein Holzmodell. Für eine mögliche Realisierung wird es dann abzuwägen sein, welche Projekte den Vorrang bekommen. Das Stadttheater als freiwillige Leistung, der Tunnel und/oder die Feuerwehrgerätehäuser?

Anfang 2019 wurde der Siegesentwurf des Architektenwettbewerbs der Öffentlichkeit präsentiert.
Was den Zustand des Feuerwehrwesens anbelangt, meldete sich im Haushaltschauschuss Ludwig Schnur (CSU) als Veraltungsbeirat der Feuerwehren zu Wort und wies auf den Handlungsbedarf hin, begonnen von den Umkleidemöglichkeiten, bis hin zu den Platzverhältnissen. Für Fahrzeuge müssen bereits externe Unterstellmöglichkeiten angemietet werden. Dafür erntete Feuerwehrfreund Ludwig Schnur den harschen Rüffel von Stefan Gruber (Grüne), er sei ein Theaterfeind.
Noch in der Ägide von Alt-OB Hans Rampf war angedacht, den Bernlochnerkomplex wieder Theaterfit zu machen. Um die 20 Millionen €uro wurden veranschlagt. Doch es wurde schnell klar, dass das nicht funktioniert. Was Orchestergraben, Bühne und Sitzplätze anbelangt, hatten die Ansprüche an ein zeitgemäßes Stadttheater in Landshut schlicht und einfach keinen Platz im Bernlochnerkomplex. Mindestens 350, besser 400 Gäste sollten einen Stuhl finden.
Nun wurde die Idee geboren, die alte Spielstädte mit einem Neubau zu ergänzen. Der Architektenwettbewerb im September 2018 (Kosten knapp 200.000 €uro) brachte einen Siegerentwurf hervor. Aus 43 Bewerbern wurden Anfang 2019 die Entwürfe des Büro bächlemed aus Konstanz auf den ersten Platz gekürt. Veranschlagt wurden für die Sanierung und Erweiterung 40 Millionen €uro. Ein durchaus realistisch finanzierbarer Betrag, hatte doch Ministerpräsident Dr. Markus Söder der Stadt Landshut eine Förderung von 75 Prozent in Aussicht gestellt.

Der ehemalige Stadtkämmerer Ruppert Aigner hatte stets Sorgen, wie die Sanierung und der Neubau finanziert werden sollen.
Nun schreibt der Zahlenstrahl der Theaterpläne das Jahr 2026 und die Realitäten verschoben sich bereits im vergangenen Jahr am 29. September, als ein gemeinsamer Bau- und Kultursenat im neuen Plenarsaal tagte. Die Verwaltung bezifferte die bechlemed Planungen zwischenzeitlich auf 56 bis 57 Millionen €uro für die Sanierung des „alten Hauses“ und auf 88 Millionen €uro für den Neubau. Für die Stadt hätte dies einen Eigenanteil von 57 Millionen €uro zur Folge. Zum Vergleich: Die Generalsanierung der Bestandsbauten und Erweiterung der Grundschule Peter und Paul inklusive Hortbetreuung wird im aktuellen Haushalt mit 42 Millionen €uro berechnet, wobei 20 Millionen €uro in Form von Zuschüssen wieder zurückfließen.
So wurde im Bau- und Kultursenat über Plan B, C und D diskutiert. Plan B sah einen eigenständigen Neubau mit der Möglichkeit einer Nutzung in Kombination mit den Messegebäuden vor. 35 Millionen €uro waren als Investitionssumme bei einem städtischen Eigenanteil von 16 Millionen €uro genannt. Diesem Ansinnen erteilte Oberbürgermeister Alexander Putz eine prompte Absage: „Wir wollen mit dem Theater in der Stadt bleiben“.
Alexander Putz gestand auch ein, dass man bisher auch etwas zu groß gedacht habe und das alles nicht zu finanzieren sei. So kam Plan C ins Spiel mit einer abgespeckten Variante des Neubaus. Diese sieht im zeitlichen Ablauf zuerst einen Neubau vor (33 bis 36 Millionen €uro/Eigenanteil 12 bis 15 Millionen €uro) und dann die Sanierung der Verwaltung und der historischen Spielstätte (gesamt: 36 bis 39 Millionen €uro/Eigenanteil 11 bis 14 Millionen €uro) vor. 17 Ja und vier Nein-Stimmen votierten mehrheitlich für diese Variante.

Immer wieder machten die Theatermacher auf ihre Bedürfnisse an eine zeitgemäße Spielstätte aufmerksam.
Die Idee auf der grünen Wiese zu bauen, wurde somit ad acta gelegt, obwohl es rein rechnerisch die günstigste und schnellste Möglichkeit wäre, eine moderne und zeitgemäße Theaterstätte in der Niederbayerischen Bezirkshauptstadt zu realisieren. Obendrauf wären alle Wünsche von Feuerwehrfreund Ludwig Schnur im realistischen Bereichen abbildbar. Doch dann wären sämtliche bereits ausgegebenen 20 Millionen €uro für Immobilien, Planungen und ein Holzmodell in den Wind geschrieben.
Nun soll auf der Basis - Neubau zuerst - und dann Sanierung weiter geplant werden. Die Zeit drängt zusätzlich. Denn das damals gebraucht gekaufte Theaterzelt hat nun auch seine Mängel und Tücken. Zur Premiere auf dem Messegelände öffnete sich der Vorhang am 13. Juni 2014. Zur Aufführung kam eine Neuproduktion des Landestheaters Niederbayern: „Der verkaufte GroSSvater - Bäuerliche Groteske von Anton Hamik“.
Doch so unverwüstlich wie die Pyramiden von Gizeh und die Chinesische Mauer scheint das Theaterzelt nicht zu sein. Ex-Intendat Stefan Tilch witzelte darüber in einem Beitrag am 13. Mai 2024 in der Abendschau des Bayerischen Rundfunks. Das Zelt kommt nun auch in die Jahre und als sogenannter „fliegender Bau“ benötigt es neue Genehmigungen, was die Sicherheit angelangt.

Das Theaterzelt auf dem Messegelände war als Übergangslösung gedacht und beherbergt das Stadttheater noch heute.
Im Haushaltsauschuss wurde bekannt, dass das Defizit der LA-Regio-Kliniken geringer ausfällt, als gedacht. Konkrete Zahlen dazu gibt es allerding erst nach der Kommunalwahl im März. Ohne zu wissen, wieviel Geld zur Verfügung steht, folgte nun der nächste Beschluss. Zwei Millionen €uro sollen in die Planungen eines abgespeckten Theaterneubaus investiert werden. Vorerst: Denn rund 25 Prozent der Neubaukosten sind Planungskosten. Der Gleiche Zwei-Millionen-€uro-Beschluss wurde auch für die Sanierung des Josef-Deimer-Tunnels gefasst. Wohlgemerkt, ohne konkret zu wissen, wieviel Geld nach dem LA-Regio-Kassensturz tatsächlich zur Verfügung steht.
Sicher wird sein, dass es dann weitere Pläne und ein neues Holzmodell geben wird.
Landshut hat es schon schwer mit dem Erbe des Baumeisters und Theaterunternehmers Johann Baptist Bernlochner (1799 – 1869). 1839 erbaute er das Ottonianum, das der Stadt als Jugendherberge im Unterhalt zu teuer wurde und das die Stadt noch ab diesem Jahr gewinnbringend verkaufen will.

Mit der ehemaligen Jugendherberge, dem Ottonianum, verfügt die Stadt noch über ein weiteres Erbe von Johann Baptist Bernlochner.
Den Stadttheaterkomplexes errichtete Bernlochner multifunktional mit Hotel, Gaststätte, Redoutensaal samt 100 Gasleuchten (ab 1857), Brauerei und Wohnungen. So sehr Johann Baptist Bernlochner damit das gesellschaftliche Leben der damals etwas über 12.000 Einwohner zählenden Stadt Landshut auch prägte, so nahm sein Leben einen jähen Abschied. Er geriet unverschuldet in den Ruin durch die Insolvenz des bayernweit bedeutenden Leihhausbesitzers Johann Kast, dem Bernlochner Geld zur Anlage überlassen hatte. Der Baumeister musste seinen Ruin jedoch nicht mehr erleben. Er verstarb am 8. November 1869 an einem Schlaganfall.
Ein Blick ins Artikelarchiv der landshuter rundschau zum Stadttheater

