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Telefonbetrüger zocken Rentnerin (76) Schmuck und Geld ab

Niederbayern - pol (10.02.2022) Erneut haben Telefonbetrüger in der Region ihr Unwesen getrieben. Nach einer Vielzahl von Anrufen, die gestern (09.02.2022) der Polizeieinsatzzentrale gemeldet worden sind, ist eine Rentnerin auf die Betrüger hereingefallen. Beteiligte: Enkeltochter, Polizeibeamter, Mitarbeiterin eines Gerichtes, Bankmitarbeiter.

Die Maschen der Betrüger scheinen unerschöpflich zu sein. Gestern Nachmittag hatte es gegen 15.30 Uhr eine 76-jährige Rentnerin gleich mit mehreren Anrufern zu tun, die sie letztendlich dazu veranlasst haben, Schmuck im Wert von mehreren zehntausend Euro an eine unbekannte Frau zu übergeben.

Zunächst erhielt die 76-Jährige einen Anruf ihrer angeblichen Enkeltochter, die weinend vorgab, in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt gewesen zu sein. Kurz darauf übernahm ein falscher Polizeibeamter das Gespräch und bekräftigte die Schilderungen der „Enkelin“, dass bei dem Unfall, den diese verursacht habe, eine junge Frau ums Leben gekommen sei.

Wenig später meldete sich eine „Frau Weber“ vom Amtsgericht und forderte einen fünfstelligen Betrag als Kaution. Nachdem die 76-Jährige auf Nachfrage der Anruferin erklärte, lediglich Schmuck zuhause zu haben, erschien bereits kurze Zeit später eine „Frau Roth“ vom Amtsgericht, um den Schmuck entgegenzunehmen.

Schmuck reichte den Betrügern offenbar nicht

Nachdem die Rentnerin den wertvollen Schmuck übergab, vermuteten die Betrüger noch weitere Vermögenswerte oder Geld. Hierzu rief ein angeblicher Bankmitarbeiter erneut bei der Rentnerin an, um die Freigabe von 35.000 Euro zu bestätigen. Diese Vorgehensweise diente allerdings nur dem Zweck, den Kontostand der Rentnerin für weitere Betrugstaten auszuspionieren.

Kriminalpolizei bittet um Zeugenhinweise

Wer gestern im Bereich Passau-Grubweg, Heilikastraße/Abteistraße/Prinz-Eugen-Straße, verdächtige Personen und/oder Fahrzeuge (möglicherweise mit polnischen Kennzeichen) beobachtet hat, wird gebeten, sich mit der Kriminalpolizeiinspektion Passau, Tel. 0851/9511-0, oder jede andere Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

Die Polizei Niederbayern rät in diesem Zusammenhang erneut zur Vorsicht und gibt folgende Tipps:

  • Seien Sie vorsichtig – informieren Sie Ihre Eltern und Großeltern!
  • Die Polizei Niederbayern und die zuständigen Staatsanwaltschaften ermitteln mit Hochdruck an der Aufklärung von Fällen, in denen Callcenter-Betrüger Geld von Rentnerinnen und Rentnern erbeuten wollen.
  • Die Betrüger schaffen es trotz einer Vielzahl an Medienberichten über dieses Phänomen, vor allem ältere Mitmenschen um hohe Vermögenswerte zu bringen. Häufig übergeben die Geschädigten nach nur einem Telefonanruf die gesamten Ersparnisse an die Betrüger.
  • Die Betrüger wenden bei ihren Anrufen verschiedene Varianten an und haben immer ein Ziel: Sie wollen das Geld ihrer Opfer. Die Betrüger gaukeln ihnen vor, dass Verwandte in Zwangslagen sind. Hier stehen die Schilderungen von schweren Verkehrsunfällen oder von Wohnungskäufen im Mittelpunkt. Aber auch Anrufe von falschen Polizeibeamten oder anderen Amtsträgern gehören zu den Maschen.

Seien Sie misstrauisch – Warnsignale am Telefon

  • Der Anrufer beginnt das Gespräch mit einer Art „Ratespiel“ („Rate mal, wer am Telefon ist“).
  • Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten oder dazu auffordern, Geld oder Wertsachen herauszugeben.
  • Der Anrufer benötigt kurzfristig und schnell Hilfe in Form von Bargeld, kann dies aber nicht persönlich abholen.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen und beenden Sie das Gespräch, sobald sich jemand nach Ihren finanziellen Verhältnissen erkundigt.
  • Die Polizei ruft Sie niemals unter der Notrufnummer „110“ an. Sollten Sie bei der Polizei zurückrufen, drücken Sie dabei nicht die „Rückruftaste“, da Sie sonst möglicherweise wieder bei den Betrügern landen. Wählen Sie die Nummer SELBST!
  • Lassen Sie sich nicht weiterverbinden. Bestehen Sie darauf, selbst bei Ihrer zuständigen Polizeiinspektion nachzufragen und wählen Sie die Ihnen bekannte Nummer, nachdem Sie einmal richtig aufgelegt haben.

So können Sie Ihre (Groß-) Eltern und Angehörigen schützen:

  • Helfen Sie Ihren Angehörigen und Bekannten dabei, gegebenenfalls den Vornamen im Telefonbucheintrag abkürzen zu lassen oder entfernen Sie den Eintrag im Telefonbuch vollständig. Die Täter suchen im Telefonbuch nach Vornamen, die überwiegend der älteren Bevölkerungsgruppe zuzuordnen sind.
  • Bestärken Sie Ihre Angehörigen darin, einfach aufzulegen, wenn ein Anruf verdächtig erscheint. Anschließend sollte die Polizei über die Notrufnummer 110 verständigt werden.
  • Wirken Sie darauf hin, dass Ihre Angehörigen keine größeren Geldbeträge oder Wertgegenstände zuhause aufbewahren.
  • Informieren Sie sich über die verschiedenen Betrugsformen (Enkeltrick, falsche Polizeibeamte, Gewinnversprechen usw.).
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