
Das Angebot der Arbeitgeber ist zu wenig, zu spät und zu lang, so die IG Metall beim Warnstreik - Foto: IG Metall
Ergolding – pol (02.11.2026) Mit einem starken Signal der Beschäftigten ist die IG Metall Landshut am Montag in die Warnstreikwoche der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Rund 220 Beschäftigte der SPIE SAG GmbH beteiligten sich am Vormittag am Warnstreik in Ergolding. Zahlreiche Beschäftigte waren dafür von ihren Baustellen zum Unternehmensstandort angereist.
Seit dem Ende der Friedenspflicht ruft die IG Metall die Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie zu Warnstreiks auf. In Ergolding machten die Beschäftigten deutlich, dass sie von den Arbeitgebern bei den weiteren Tarifverhandlungen spürbare Bewegung erwarten.
Johannes Lottner, Betriebsratsvorsitzender und Vertrauenskörperleiter bei der SPIE SAG, zeigte sich mit der Beteiligung hochzufrieden: „220 Kolleginnen und Kollegen hier vor dem Standort sind ein starkes Zeichen. Besonders freut mich, dass viele unserer Monteure teilweise lange Anfahrtswege von ihren Baustellen auf sich genommen haben. Die Belegschaft steht hinter den Forderungen der IG Metall und ist bereit, dafür gemeinsam Druck zu machen.“
Auch Bastian Lindenmayer von der IG Metall Landshut, der als betrieblicher Ansprechpartner die Hauptrede bei der Kundgebung hielt, unterstrich die Bedeutung des Warnstreiks: „Die Beschäftigten erwarten zu Recht einen Tarifabschluss, der ihre Leistung anerkennt und gleichzeitig Kaufkraft sichert. Wer junge Menschen für unsere Industrie gewinnen und Fachkräfte halten will, darf bei Entgelt und Ausbildungsvergütung nicht auf der Bremse stehen. Die Arbeitgeber müssen ihre bisherige Position deutlich korrigieren.“
Benjamin Freund, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Landshut und Mitglied der bayerischen Verhandlungskommission, berichtete den Warnstreikenden aus den ersten beiden Tarifverhandlungen in München und Coburg. Das in der zweiten Verhandlung vorgelegte Arbeitgeberangebot bezeichnete Freund als völlig unzureichend.
„Das Angebot ist zu wenig, zu spät und zu lang. Eine Einmalzahlung von rund 664 Euro ist keine dauerhafte soziale Komponente. Eine tabellenwirksame Erhöhung um lediglich 1,3 Prozent ab Juli 2028 liegt viel zu weit in der Zukunft. Gleichzeitig wollen die Arbeitgeber die automatische Differenzierung ausweiten und dauerhaft festschreiben. Das ist keine Grundlage für einen vernünftigen Tarifabschluss“, erklärte Freund.
Besonders kritisch sieht die IG Metall die Forderung der Arbeitgeber, bestehende Differenzierungsmöglichkeiten auszuweiten und dauerhaft festzuschreiben. Zusätzlich sollen tarifliche Abweichungen ermöglicht werden, um Investitionen und Innovationen in den Betrieben zu finanzieren. Freund kritisiert: „Die Arbeitgeber wollen immer neue Möglichkeiten schaffen, tarifliche Leistungen abzusenken oder für betriebliche Investitionen heranzuziehen. Das lehnen wir ab. Investitionen in die Zukunft sind Aufgabe der Unternehmen und dürfen nicht über die tariflichen Ansprüche der Beschäftigten finanziert werden.“
Auf Unverständnis stößt bei der IG Metall zugleich die ablehnende Haltung der Arbeitgeber zur geforderten Erfolgsbeteiligung in besonders gut laufenden Unternehmen. Freund: „Wenn Unternehmen außergewöhnlich erfolgreich sind, müssen auch die Beschäftigten, die diesen Erfolg erarbeitet haben, angemessen daran beteiligt werden. Dass ausgerechnet das den Flächentarifvertrag gefährden soll, überzeugt uns nicht.“
Die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde 5 Prozent mehr Entgelt sowie 110 Euro mehr Ausbildungsvergütung je Ausbildungsjahr. Zudem fordert sie unter anderem eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen.
In dieser Woche weitet die IG Metall Landshut ihre Warnstreiks in der gesamten Region deutlich aus. Rund 35 Warnstreikaktionen in 14 Betrieben und an verschiedenen Standorten sind geplant. Insgesamt werden rund 9.000 Beschäftigte in der Region zum Warnstreik aufgerufen.
Freund kündigte an, den Druck nun Schritt für Schritt zu erhöhen: „Heute haben die Kolleginnen und Kollegen bei SPIE in Ergolding ein starkes erstes Signal gesetzt. In den kommenden Tagen werden viele weitere Belegschaften folgen. Unsere Botschaft an die Arbeitgeber ist klar: Wenn am Verhandlungstisch keine Bewegung entsteht, sorgen wir vor den Werkstoren für Bewegung.“

