
Blick in die Menge der Streikenden bei Schaltbau in Velden - Foto: IG Metall
Velden - pm (03.11.2026) Die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie haben am Dienstag die Schaltbau GmbH in Velden erreicht. Rund 110 Beschäftigte aus Produktion und Büro folgten dem Aufruf der IG Metall und legten zeitweise die Arbeit nieder. Nach dem Start der regionalen Warnstreiks am Montag bei SPIE SAG in Ergolding setzte die IG Metall damit ihre Aktionen in der Region fort.
„110 Kolleginnen und Kollegen, die heute hier gemeinsam vor das Tor gehen, sind ein starkes Signal. Die Beschäftigten erwarten nach zwei Verhandlungsrunden endlich ein Angebot, über das man ernsthaft verhandeln kann“, erklärte Manuela Lill, Leiterin der IG Metall-Vertrauensleute bei Schaltbau. Die Beteiligung zeige, dass die Tarifrunde auch in der Belegschaft angekommen sei. „Wir stehen zusammen und wir sind bereit, für unsere Forderungen einzustehen.“
Auch der Betriebsratsvorsitzende Hendrik Beyer unterstrich die Bedeutung des Warnstreiks: „Die Kolleginnen und Kollegen leisten jeden Tag ihren Beitrag im Betrieb. Deshalb erwarten sie zu Recht, dass ihre Arbeit auch im Tarifabschluss Anerkennung findet. Heute zeigen sie gemeinsam, dass ihre Erwartungen nicht einfach vom Tisch gewischt werden können.“
Im Mittelpunkt der Kundgebung stand das Angebot der Arbeitgeber aus der zweiten Tarifverhandlung. Dieses sieht eine Laufzeit von 26 Monaten vor. Erst zum 1. Juli 2028 sollen die Tabellenentgelte um 1,3 Prozent steigen. Zuvor soll es zum 1. Juli 2027 eine Einmalzahlung von rund 664 Euro geben, die zudem differenzierbar sein soll.
Benjamin Freund, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Landshut und Mitglied der Verhandlungskommission, berichtete den Beschäftigten aus den bisherigen Verhandlungen: „20 Monate ohne tabellenwirksame Entgelterhöhung und danach gerade einmal 1,3 Prozent sind keine ernsthafte Antwort auf unsere Forderung. Die Arbeitgeber hatten zwei Verhandlungsrunden Zeit, einen Schritt auf die Beschäftigten zuzugehen. Diese Chance haben sie nicht genutzt. Jetzt erhöhen wir den Druck aus den Betrieben.“
Kritik übte Freund auch an den weiteren Vorstellungen der Arbeitgeber. Diese wollen unter anderem die automatische Differenzierung ausweiten „Wir sind jederzeit bereit, über Investitionen, Beschäftigungssicherung und die Zukunft unserer Standorte zu reden. Aber Zukunftssicherung darf nicht zum Synonym für immer neue Einschnitte bei den Beschäftigten werden“, so Freund.
Bastian Lindemayer von der IG Metall Landshut machte deutlich, dass das Ziel der Gewerkschaft nicht die Warnstreiks selbst, sondern ein tragfähiger Tarifabschluss sei: „Wir wollen eine Lösung am Verhandlungstisch. Dafür braucht es aber Bewegung auf Arbeitgeberseite. Die Beschäftigten zeigen mit ihrer Beteiligung an den Warnstreiks, dass sie hinter unseren Forderungen stehen.“
Die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde 5 Prozent mehr Entgelt, 110 Euro mehr Ausbildungsvergütung je Ausbildungsjahr, eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen sowie Gespräche über eine tarifliche Gewinnbeteiligung und die Sicherung von Beschäftigung und Zukunftsperspektiven.
Für Freund reiht sich der Warnstreik bei Schaltbau in ein deutliches Signal aus den Betrieben der Region ein: „Gestern Ergolding, heute Velden und in den kommenden Tagen weitere Betriebe und Standorte. Die Botschaft ist überall dieselbe: Wir wollen einen vernünftigen Tarifabschluss. Wenn sich am Verhandlungstisch nichts bewegt, sorgen die Beschäftigten in den Betrieben für Bewegung.“

