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10. Juli 2017

Jury hat entschieden: Miriam Pressler, Schriftstellerin & Übersetzerin, Landshuter Kulturpreisträgerin 2017 3000 €uro Preisgeld. Ehrung durch OB Putz im Herbst

miriam kulturpreisLandshut (10.07.2017) Die 77-jährige Mirjam Pressler, die seit 2007 in Landshut lebt und arbeitet, erhält den Kulturpreis 2017 der Stadt Landshut. Die Entscheidung der Jury fiel heute, Montagnachmittag nach intensiver Diskussion in geheimer Abstimmung im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit.

Mirjam Pressler darf sich nun auf 3.000 Euro Preisgeld freuen, die auch heuer wieder von den Stadtwerken Landshut gesponsert werden. Die feierliche Preisverleihung durch Oberbürgermeister Alexander Putz soll im Herbst stattfinden.

„Mirjam Pressler setzt als Autorin und Übersetzerin wichtige Zeichen und Impulse für Toleranz und ein friedliches Miteinander der Völker, Religionen und auch Generationen“, sagte der Oberbürgermeister unmittelbar im Anschluss an die Jurysitzung.

Die Wahl von Mirjam Pressler ist das Ergebnis des zweistufigen Kulturpreis- Vergabeverfahrens.

In einer ersten Stufe konnten insgesamt sechs Landshuter Kultureinrichtungen und -vereine Anfang des Jahres je einen Kandidaten für den Preis vorschlagen. Diese sechs Einrichtungen, der sogenannte Auswahlausschuss, einigten sich dann auf drei Nominierte, welche nun am Montag der Jury in einer jeweils 15-minütigen Präsentation vorgestellt wurden.

Mirjam Pressler ist die Kandidatin der Stadtbücherei Landshut und wurde in der Jurysitzung von Büchereileiter Ludwig Bichlmaier – mit Erfolg wie das Ergebnis zeigt – vorgestellt.

Die Jurysitzung wurde von Stadtdirektor Andreas Bohmeyer moderiert. Sie setzte sich wie folgt zusammen: Oberbürgermeister Alexander Putz, der Leiter der Stadtwerke, Armin Bardelle, die Kulturbeauftragte der Stadt, Uta Spies, die Stadträte Helmut Radlmeier, Anke Humpeneder-Graf, Maria Haucke, Hermann Metzger, Dr. Maria E. Fick, Robert Mader sowie der Leiter der Museen der Stadt, Dr. Franz Niehoff, Michael Orth von „Dynamo Kurzfilm“, Jörg W. Ludwig vom „Kunstraum LAProjects“, Peter Haarpaintner von „Freunde der Musik Landshut“.

Über Mirjam Pressler

In der Handreichung, die Ludwig Bichlmaier für die Jurymitglieder zusammengestellt hatte, ist über Mirjam Pressler zu lesen: „Sie zählt zu den bedeutendsten Autorinnen und Übersetzerinnen der Gegenwart. Als uneheliches Kind einer jüdischen Mutter wuchs sie bei Pflegeeltern in einem Dorf an der Bergstraße auf. Sie studierte zunächst Malerei an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt und Sprachen in München. Für ein Jahr lebte sie in einem Kibbuz in Israel und heiratete 1964 einen Israeli, brachte drei Töchter zur Welt, trennte sich von ihrem Mann, kehrte nach Deutschland zurück und arbeitete in verschiedenen Jobs. Erst 1979 begann sie mit dem Schrei- ben. Als alleinerziehende Mutter kam sie durch wirtschaftliche Not und die durch ihre Kinder bedingte Bindung ans Haus zum Schreiben, angeregt auch durch die Begeisterung für moderne realistische (insbesondere skandinavische) Jugendbücher, für die sich ihre Töchter interessierten. Sie beginnt, Kinder- und Jugendbücher zu schreiben.

Es folgen Romane zu dem Themenkreis „beschädigte Kindheiten“, die bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Ihre Bücher konfrontieren die Leser mit der Realität von Kindern und Jugendlichen in Gegenwart und Vergangenheit und stellen schwierige Lebenssituationen ins Zentrum. Sie enttäuschen jede Hoffnung auf einfache Lösungen. Am Ende scheint aber oft Zuversicht auf. Biographische, auch autobiographische Elemente fließen zwar oft in ihre Bücher ein, aber sie bilden nur die Basis für die Geschichten.

„Wir brauchen viele Bücher, viele, viele verschiedene Bücher. Viele kleine Gucklöcher in der Wand, die zwischen uns und der oft so unverständlichen Welt steht. Bücher können einen Ausblick geben. Keines kann die ganze Welt zeigen. [...] Ich gebe mich nicht der Illusion hin, Bücher könnten die Welt verändern, aber für einzelne Menschen kann ein bestimmtes Buch eine wichtige, Welt bewegende Bedeutung erlangen.“ (Mirjam Pressler)

Parallel dazu arbeitet Mirjam Pressler bis heute als Übersetzerin, vor allem aus dem Hebräischen, dem Englischen, dem Niederländischen und dem Afrikaans. Anfang der 90er Jahre richtet die Autorin ihre Aufmerksamkeit in besonderem Maße auf die Schicksale jüdischer Kinder während des Holocaust. Vor allem im Leben und Werk der Anne Frank findet sie eine generationsübergreifende Symbolfigur. Immer wieder nutzt sie auch Vorlagen und Stoffe der Weltliteratur wie den Golem oder die Ringparabel in Nathan der Weise, um sich mit schriftstellerischen Mitteln für eine kulturelle Völkerverständigung einzusetzen.

Sie hat – wie Dr. Gabriele von Glasenapp vom Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main – bei der Eröffnung der Landshuter Literaturtage im Jahre 2010 sagte „nicht nur durch ihre sozialkritischen Romane entscheidend zur Erneuerung der deutschen Kinder- und Jugendliteratur der 1980er Jahre beigetragen, sondern auch durch ihre Übersetzungen aus zahlreichen Sprachen, darunter vor allem aus dem Hebräischen, jugendlichen wie erwachsenen Lesern ganz neue Literaturen überhaupt erst zugänglich gemacht.“

Mirjam Pressler ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller und Mitglied im PEN- Zentrum der Bundesrepublik Deutschland. Sie lebt seit 2007 als freie Autorin und Übersetzerin (sie hat über 300 Bücher übersetzt) in Landshut. (...)

Pressler ist vor allem als Autorin von Kinder- und Jugendbüchern bekannt. Außerdem arbeitet sie als Übersetzerin und hat die Tagebücher von Anne Frank aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen.“

Im Bild: Die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler erhält den Kulturpreis 2017 der Stadt Lanshut

 

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