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21. Juli 2017

Neue Raben-Chefcoach Timo Lippuner im Interview: "Mogens beim Laufen denke ich an Schwerin"

trianer interview neu

Vilsbiburg (21.07.2017) Die neue Saison rückt näher – in knapp zwei Wochen starten die Roten Raben offiziell in ihre Vorbereitung auf die Spielzeit 2017/18. Derzeit weilt der neue Schweizer Cheftrainer Timo Lippuner schon in Vilsbiburg – Gelegenheit also für ein erstes Vor-Ort- Interview mit dem 36-Jährigen, der mit viel Elan an seine neue Aufgabe bei den Roten Raben herangeht, wo er einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat.

Timo, wie sind Ihre ersten Eindrücke von Land und Leuten rund ums Raben-Nest?

Timo Lippuner: Mein Haupteindruck nach den bisherigen Gesprächen und Begegnungen in Vilsbiburg: Hier ist alles sehr professionell, aber zugleich auch familiär und persönlich. So viele motivierte Leute arbeiten für die Roten Raben, das ist eine echte Gemeinschaft. Was die Umgebung betrifft: Ich bin einer, der lieber ein bisschen Ruhe hat, überhaupt nicht der Großstadtmensch. Deswegen passt die Region für mich wunderbar. Das Ländliche gefällt mir sehr gut, und Vilsbiburg hat alles, was ich brauche: eine Volleyballhalle, ein paar Supermärkte und vor allem Internet. Damit sind meine Grundbedürfnisse gedeckt.

Ein kurzer Rückblick: Was hat Sie bewogen, den Schweizer Vizemeister und Pokalfinalisten Sm’Aesch Pfeffingen nach dreieinhalb erfolgreichen Jahren zu verlassen und zu den Roten Raben zu wechseln?

Timo Lippuner: Für mich war immer klar: Ich will ins Ausland. Einfach wegen der Professionalität der großen Ligen, zu denen ich auch die Bundesliga zähle. Das Niveau ist höher, das Zuschauerinteresse größer, die Trainingsgelegenheiten besser. Jetzt war es einfach an der Zeit für mich, den nächsten Schritt zu gehen. Die Bundesliga hat mich sehr gereizt, zumal ich hier mit Co-Trainer Konstantin Bitter einen alten Bekannten treffe, mit dem ich seit unserer gemeinsamen Zeit bei Volero Zürich und Sm’Aesch Pfeffingen stets eng in Kontakt geblieben bin. Vilsbiburg ist eine richtig gute Adresse und für mich eine Riesenchance.

Wie würden Sie Ihre Volleyball-Philosophie beschreiben?

Timo Lippuner: Wenn ich’s kurz und knapp erklären sollte, würde ich drei Aspekte nennen: erstens der Fokus auf individuelles Training, zweitens Idealismus und Aufopferungsbereitschaft, drittens bei alledem eine positive, lockere Atmosphäre: Volleyball ernst nehmen ist eine Sache – aber die andere ist, dass man dabei nicht immer ernst sein muss.

Was waren die Leitlinien bei der Zusammenstellung des neuen Raben-Kaders?

Timo Lippuner: Erste Priorität bei unseren Planungen war, Lena Stigrot in Vilsbiburg zu halten, ihr die gebührende Rolle als Leader im Team zu geben und dann die weiteren Positionen adäquat zu besetzen. Dabei haben wir ein wichtiges Augenmerk darauf gelegt, deutsche Neuzugänge zu verpflichten, was uns mit den beiden Nationalspielerinnen Leonie Schwertmann und Jennifer Pettke auch sehr gut gelungen ist. Und wenn ich an die anderen bisher bekannten Neuzugänge Ilka Van de Vyver aus Belgien, Anja Zdovc aus Slowenien und Laura Künzler, die mit mir aus der Schweiz kommt, denke, dann möchte ich zusammenfassend sagen: Wir holen Spielerinnen mit einer Top-Einstellung, mit hoher Eigenmotivation und ganz viel Leidenschaft. Diese Persönlichkeitsmerkmale versuche ich immer in den Vorgesprächen herauszufiltern. Zudem führe ich seit langem umfangreiche Notizen und Datenbanken über viele Spielerinnen, die ich auch international sehe; auf dieses Material greife ich natürlich bei der Entscheidungsfindung zurück,

Die Roten Raben gehen dieses Mal einen anderen Weg in der Saisonvorbereitung. Die Teilnahme an traditionellen Turnieren wie in Dippoldiswalde entfällt, und generell gibt es keine Testspiele gegen Bundesliga-Konkurrenten. Warum?

Timo Lippuner: Wenn es nicht sein muss, mache ich nie ein Vorbereitungsspiel gegen ein Team aus der eigenen Liga. Da hat man einfach immer die bevorstehende Saison im Hinterkopf, und man möchte vielleicht nicht alles zeigen. Und ich mag nicht diese Turniere, wo man zwei Spiele am Tag hat – erst um 11 Uhr, dann um 15 Uhr und so weiter. Ich halte individuelle Trainingsspiele gegen internationale Gegner für viel sinnvoller. Das bringt uns einfach mehr. Da kann man sagen, heute machen wir vier Sätze oder fünf Sätze, wir spielen so, wie es für uns im jeweiligen Vorbereitungsstadium am meisten Sinn macht. Das können wir bei Turnieren in dieser Form nicht. Ich will aber optimal trainieren und präzise steuern, welches Niveau wir spielen. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wagen wir den Blick über die Vorbereitung hinaus ... auf den Saisonstart: Samstag, 14. Oktober, Ballsporthalle, es ist 18.55 Uhr, in 5 Minuten beginnt das Auftaktmatch gegen Meister Schwerin ... wie fühlt sich das für Sie an?

Timo Lippuner: Genau diese Situation visualisiere ich morgens beim Laufen – genau so: Wie wird das sein? Ich erwarte eine unglaubliche Atmosphäre in der hoffentlich vollen Halle. Dass Schwerin als erster Gegner kommt, ist für uns top, ein echter Kracher. Das wird uns schon in der Vorbereitung antreiben: dass wir an diesem Tag für dieses Spiel gegen den Deutschen Meister bereit sind und den Fans zeigen, wie wir als Mannschaft ticken. Ich freue mich wahnsinnig auf diesen Abend und bin jetzt schon hochmotiviert.

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