
Sichtlich erleichtert nach dem Petitionsausschuss (v. l.): Der iranische Student (von hinten) mit Gerzens Bürgermeister Johann Luger und den Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Martina Fehlner - Foto: Lisa Schardt
Gerzen/München – pm (25.03.2026) Jahre der Ungewissheit scheinen für einen jungen Iraner aus Gerzen, Landkreis Landshut, ein Ende zu haben. Der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags hat am vergangenen Mittwoch einstimmig dafür gestimmt, dem Medizinstudenten eine langfristige Bleibeperspektive zu ermöglichen. Das Votum schlägt zudem Wellen über Bayern hinaus:
Angesichts der katastrophalen Lage im Iran wird die Bundesregierung beauftragt, für alle Exil-Iraner, die derzeit in der Bundesrepublik leben, klare Regelungen für deren Aufenthalt zu schaffen. „Abschiebungen waren schon vor dem Krieg sehr schwierig und sind nun erst recht nicht mehr möglich“, stellt die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller fest. „In ein Land, das Oppositionelle, junge Demonstrierende und Menschen, die Freiheit wollen, verfolgt und niedermetzelt, können wir niemanden zurückschicken“, so Müller, die 2023 im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz auf der Women-Life-Freedom-Demonstration gesprochen hat.
Seit fast einem Jahr begleitet Müller das Anliegen des Iraners, der aus Angst vor Verfolgung anonym bleiben möchte. Er hatte sich an sie gewandt - als letzte Hoffnung, wie er damals schrieb: Mit seinen Eltern war er 2018 nach Deutschland geflüchtet, die Familie hatte Asyl beantragt und lebt seither in Gerzen. Obwohl sich das Asylverfahren hinzieht, legt er 2024 erfolgreich sein Abitur ab und absolviert eine Ausbildung zum Pflegefachhelfer – immer seinen Traum im Hinterkopf: Medizin zu studieren, um dann als Kardiologe in Deutschland zu arbeiten.
Dafür nimmt er seit Herbst 2026 einen Marathon in Kauf: Da seine Abiturnote nicht den Numerus clausus erfüllt, schrieb er sich im Sommer vergangenen Jahres an der Medizinischen Hochschule in Brandenburg ein und pendelt seither für die Präsenz-Veranstaltungen quer durch Deutschland. Die Studiengebühren an der privaten Hochschule sind hoch, um sie finanzieren zu können, möchte er sich für ein Stipendium bewerben, für das er wiederum einen Aufenthaltstitel benötigt. Als schließlich im Herbst 2025 der Asylantrag der Familie abgelehnt wird und sein Traum zu platzen droht, rät Ruth Müller ihm dazu, eine Petition im Landtag einzureichen. „Allein dieser starke Wille, sein Ziel zu erreichen und alles dafür zu tun, um sich hier eine Existenz aufzubauen, verdient höchsten Respekt“, betont die Landtagsabgeordnete.
Ihre Fraktionskollegin Martina Fehlner, die im Petitionsausschuss seine Eingabe vorgestellt hat, ergänzt: „Das ist wirklich ein überzeugendes Beispiel für eine gelungene Integration, trotz Jahren der Ungewissheit hat sich der junge Mann nicht von seinem Weg abbringen lassen. Er hat sein Abitur gemacht, eine Ausbildung abgeschlossen und kann nun sein Medizinstudium aufnehmen. Ich freue mich, dass wir im Petitionsausschuss einen gangbaren Lösungsweg für ihn finden konnten.“
Mit dem jungen Mann freut sich auch der Gerzener Bürgermeister Johann Luger, der den Iraner am Mittwoch nach München begleitet hat. „Ich würde mich sehr freuen, wenn er seinen Traum verwirklichen und nach der Ausbildung in seiner lieb gewordenen Heimat in Bayern als Arzt einen Platz finden und heimisch werden könnte“, so Johann Luger.

