
v. l.: Anja König, Gerd Steinberger, Gisela Bogner, Gerhard Bogner, Patricia Steinberger und Elisabeth Huber
Landshut – pm (03.02.2026) Am vergangenen Samstag konnte der 1. Vorsitzende des Bürgervereins Achdorf e.V., Gerd Steinberger, zahlreiche Besucherinnen und Besucher zum Vortrag „Achdorf in der Zeit des Nationalsozialismus“ im Pfarrsaal von St. Margaret begrüßen. Auch die Stadträtinnen Patricia Steinberger und Anja König nahmen an der eindrucksvollen geschichtlichen Veranstaltung teil.
Die Vortragenden Gisela und Gerhard Bogner referierten abwechselnd die Einflüsse, denen der Stadtteil Achdorf in der Zeit von den 1920er Jahren bis in die ersten Nachkriegsjahre ausgesetzt war.
Es wurde die Situation in Achdorf in den 1920er und 1930er Jahren dargestellt. Bilder von Kirche und Krankenhaus, von Lebensmittelgeschäften, Gastwirtschaften, dem Ruffinischlösschen und dem ehemaligen Hofmarksschloss untermalten die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der damals noch selbständigen Gemeinde.
Ein chronologischer Überblick über die Ereignisse des Jahres 1933 zeigte eindrucksvoll, wie schnell der Weg von der Demokratie in die Diktatur erfolgte. Anhand von Bildern wurde die Tätigkeit der NSDAP in Landshut-Stadt vorgestellt. Schon 1920 war die NSDAP gegründet worden und Hitlers Besuche in der Stadt sind durch Fotos der Aufmärsche und der Verleihung der Ehrenbürgerschaft gut dokumentiert.
Nach der Selbstauflösung der Parteien und dem Verbot der SPD bestand der Stadtrat ab August 1933 nur mehr aus NSDAP Mitgliedern, die nun "Ratsherren" genannt wurden und nur noch beratende Funktion hatten. Auch aus Achdorf waren Vertreter dabei. Felix Meindl (SPD), der 1919/20 Bürgermeister der Gemeinde Achdorf war, wurde 1928 als Vertreter Achdorfs in den Stadtrat und zum 3. Bürgermeister gewählt, trat aber schon im März zurück und aus dem Stadtrat aus. Trotzdem bekam er den Druck der neuen Herren zu spüren, kam in sogenannte Schutzhaft und sogar für ein paar Tage ins KZ Flossenbürg.
Die Auswirkungen der absoluten Herrschaft der NSDAP waren auch für die Menschen in Achdorf, das als Ortsgruppe Landshut-Süd in Zellen und Blöcke eingeteilt war und von einem Ortsgruppenleiter geführt wurde, zu spüren.
Der Einzug der NS-Ideologie beeinträchtigte auch das kulturelle und sportliche Leben. Viele der 17 Achdorfer Vereine waren danach nicht mehr aktiv, wie das Adressbuch der Stadt von 1936 beweist, oder wurden von "Führern" aus anderen Stadtteilen geleitet.
Informationen aus der Festschrift zur Einweihung der Schule 1954 und aus der Chronik der Pfarrei St. Margaret zeigten, wie die Kriegsereignisse in das Leben der Bevölkerung in Achdorf eingriffen.
So mussten zum Beispiel die Glocken beider Kirchen zum Einschmelzen abgeliefert werden. 174 Achdorfer sind aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zu ihren Familien zurückgekehrt und der Zuhörerschaft wurde durch die Fotos der Sterbebilder klar, wie sehr die NS-Ideologie selbst den Tod für sich ausschlachtete. Die Bombenschäden an der Achdorfer Eisenbahnbrücke und den sie umgebenden Gebäuden beleuchteten nochmals die Brutalität des Krieges.
Wie überall gab es auch in Achdorf, Überwachung und Denunziation - wegen Schwarzhörens, Widerrede gegen die Partei, zu geringer Spende u.v.m. Die menschenverachtende Schonungslosigkeit der NS-Diktatur war auch in Achdorf besonders greifbar, da die Leichen der im KZ Außenlager Dachau Umgekommenen an der Außenmauer des Achdorfer Friedhofs verscharrt wurden. Auf dem Weg dorthin mussten sie über die Neue Bergstraße und die Veldenerstraße gebracht werden. Die Referentin las dazu die eindrucksvolle Erinnerung Dr. Spitzelsbergers vor, der als 14-Jähriger einen Apfel fallen ließ, um den entkräfteten Häftlingen zu helfen. Die Namen der dort Begrabenen sind inzwischen auf einer Tafel am Friedhof verzeichnet.
Abschließend wurden Vorgehensweise und Verlauf der Entnazifizierung am Beispiel des Ortsgruppenleiters nachgezeichnet. Wie schon der zeitgenössische Beobachter der Landshuter Zeitung treffend bemerkte, mussten sich die Schuldigen ihren Taten nun stellen, dies jedoch auf der wiederhergestellten Grundlage der Rechtsstaatlichkeit - ganz anders als das in der NS-Diktatur gewesen sei.
Gerd Steinberger dankte den Referierenden abschließend für ihren äußerst fundierten und eindrucksvollen Vortrag, der eine Zeit beleuchtete, die niemand der Anwesenden jemals wieder erleben möchte.

