
Die Stadtwerke ließen sogar eine Akzeptanz-Umfrage durchführen.
Der neue Landrat Peter Dreier erteilte der 1. Landshuter Windparkgesellschaft Verwaltung mbH heute, Freitag, 27. Juni, den Genehmigungsbescheid zur Errichtung einer Windkraftanlage bei Weihbüchl. Diese topaktuelle Nachricht überbrachte Stadtwerke-Leiter Armin Bardelle heute um 15 Uhr den Stadträten während der öffentlichen Plenarsitzung des Stadtrats. Das Projekt der 1. Landshuter Windparkgesellschaft läuft unter der Federführung der Stadtwerke Landshut, die an der Gesellschaft neben drei anderen Investoren zu einem Drittel beteiligt sind.

Die erste Landsuter Windkraftanlage soll auf einer Wiese hinter dem Gasthof in Weihbüchl errichtet werden. Im Vordergrund die JVA Landshut-Berggrub.
Der Genehmigungsbescheid des Landratsamts sei mit Auflagen verbunden, die es in den nächsten Wochen zu würdigen gelte. „Mit den weiteren Erkenntnissen aktualisieren wir dann die Wirtschaftlichkeitsberechnung ein weiteres Mal", erklärte Bardelle. Beispielsweise zähle zu den Auflagen, die Anlage während der Nachtzeit von 22 bis 6 Uhr im schallreduzierten Betriebsmodus zu betreiben sowie ein so genanntes Gondelmonitoring im gleichen Zeitraum an zwei aufeinanderfolgenden Jahren zur Betrachtung der Fledermausaktivitäten durchzuführen. „Wenn das Ergebnis des Monitorings ergibt, dass in der relevanten Höhe sehr viele Fledermäuse fliegen, könnte das zu einem weiteren Abschaltalgorithmus führen", sagte der Werkleiter. Sobald die Ergebnisse der aktualisierten Betrachtungen vorliegen, in die dann auch das reformierte EEG mit einfließt, möchte Bardelle sie den Stadträten präsentieren. Auch eine öffentliche Infoveranstaltung könne er sich im Anschluss vorstellen.
Stadträte stimmten 2013 über Grundsatzbeschluss ab
Ende Juli 2013 hatte das Plenum mit 29:7 Stimmen für einen Grundsatzbeschluss zum Bau einer Windkraftanlage bei Weihbüchl gestimmt. Mit diesem Votum konnten die Stadtwerke die Planungen weiter konkretisieren, bis sie schließlich im November den Antrag zur Errichtung einer Windkraftanlage beim Landratsamt Landshut einreichten. Der Standort für das Windrad befindet sich an der Stadtgrenze und größtenteils auf dem Gemeindegebiet Kumhausen. Die Regierung von Niederbayern teilte die Zuständigkeit für das Genehmigungsverfahren dem Landratsamt zu.
Im Vorfeld dieses Grundsatzbeschlusses hatten die Stadtwerke neben der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung auch untersucht, welchen Einfluss das Windrad auf das Landschaftsbild hat und wie die Landshuter einer Windkraftanlage in der Region gegenüberstehen.
Keine erhebliche Beeinträchtigung von Baudenkmälern und Stadtansicht
Um herauszufinden, inwieweit sich ein Windrad mit rund 140 Metern Nabenhöhe auf die historische Stadtkulisse und die Umgebung auswirkt, ließen die Stadtwerke im April 2013 einen CargoLifter-Ballon auf 140 Meter steigen. Die acht Meter Durchmesser des Ballons entsprechen der Größe der Kanzel einer solchen Anlage. Der Ballon schwebte ein ganzes Wochenende am geplanten Standort, so dass sich die Bürger ein Bild machen konnten, aus welchen Perspektiven das Windrad zu sehen ist. Die Stadtwerke fotografierten den Ballon aus den wichtigsten Perspektiven ringsum und fertigten maßstabsgetreue Fotomontagen an, mit denen auch die 60 Meter langen Rotorblätter visualisiert werden konnten.
Die Genehmigungsbehörde kam laut Bescheid zu dem Ergebnis, dass im Rahmen der gebotenen Abwägung Baudenkmäler und die Stadtansicht Landshuts nicht erheblich beeinträchtigt werden.
Umweltfreundliche Energieerzeugung entspricht Wünschen der Bürger
Des Weiteren war den Stadtwerken wichtig, ein repräsentatives Meinungsbild der Bürgerschaft einzuholen. Sie beauftragten das unabhängige Marktforschungsinstitut „mindline energy" aus Nürnberg mit einer repräsentativen Untersuchung. 402 Landshuter (bevölkerungsrepräsentativ gewichtet) wurden telefonisch befragt. Die zentrale Frage: Wie hoch ist die Akzeptanz für ein Windrad bei Weihbüchl innerhalb der Landshuter Bevölkerung? Das Ergebnis überzeugte: 60 Prozent der Landshuter würde es gut bzw. sehr gut gefallen, wenn an der Stadtgrenze ein Windrad errichtet würde. 21 Prozent
würden teils/teils daran Gefallen finden und 16 Prozent hießen es für weniger oder überhaupt nicht gut. „Die Windkraftanlage bei Weihbüchl wird in Landshut mehrheitlich unterstützt, da diese umweltfreundliche Art der Energieerzeugung vor Ort den Wünschen der meisten Bürger entspricht", stellt das Marktforschungsinstitut zusammenfassend fest.
Hintergrund:
Landshut will bis 2037 bilanziell so viel Energie erzeugen, wie die Stadt verbraucht. Als Treiber der Energiewende vor Ort untersuchen die Stadtwerke Landshut deswegen seit Mitte 2012 die Machbarkeit einer Windkraftanlage. Etwa 5,5 Mio. Euro würde das Windrad mit einer Nabenhöhe von rund 140 Metern und Rotorblättern von etwa 60 Metern Länge kosten. Bei einem jährlichen Ertrag zwischen 6 und 7 Mio. kWh, von dem ausgegangen wird, könnte es beim durchschnittlichen Verbrauch einer Familie von 3.500 kWh rein rechnerisch zwischen 1.700 und 2.000 Haushalte mit regenerativem Strom versorgen.
Bild 1: Hohe Akzeptanz: 60 Prozent der Landshuter würde ein Windrad bei Weihbüchl sehr gut bis gut gefallen. (Foto: © contrastwerkstatt – fotolia.com/Bearbeitung: Stadtwerke Landshut)
Bild 2: Die Genehmigungsbehörde kam zu dem Ergebnis, dass im Rahmen der gebotenen Abwägung Baudenkmäler und die Stadtansicht Landshuts nicht erheblich beeinträchtigt werden. (Bild: Leidorf/Montage: Stadtwerke Landshut)

