An Herrn Putz, mit allem Respekt

Mit allem Respekt, sehr geehrter Herr Putz: Ich glaube, ich verstehe Sie jetzt besser, meine aber, dass es geradezu andersherum ist. Es findet keine "mehr oder weniger subtile Ideologisierung" statt, sondern das genaue Gegenteil, nämlich der Versuch einer Ent-Ideologisierung. Anders ausgedrückt: Für die möglichen Entwürfe und Ideen, auf denen alles Menschliche gründet (eben auch Bildung, Ökonomie, Technologie, etc.), soll sich gar niemand mehr allzu genau interessieren; sondern könnte er ja hellhörig werden und begründete Gegenpositionen entwickeln. Ironisch ausgedrückt: Mit der Ideologie der "Alternativlosigkeit" soll den Leuten suggeriert werden, wir lebten in der bestmöglichen aller Welten, und die sei von SPDCDUCSU gemacht. Ein- und Widerspruch sinn- und zwecklos! Jeder Streit über die praktischen Folgen von Ideologien soll vermieden werden, weil man sonst viele gegen ihren Willen als Agenten bestimmter Interessen identifizieren könnte. Das erspart den Handelnden die durchaus zumutbaren Begründungen für ihre Taten und Unterlassungen. Und das ist nicht zuletzt die Tragik, die auch Sie als Ingenieur immer wieder erleben dürften, da Sie eben kein unreflektierter Praktiker und Sprücheklopfer sind. Die Ultima Ratio unserer Gesellschaft wird immer offener der Reibach für die Wenigen und die hinterhältige Entmündigung der Vielen (besonders böses neueres Beispiel: der angeblich auf EU-Druck erfolgte Verkauf der GBW-Wohnungen an Spekulanten). Natürlich springen da die "Gesinnungsethiker" ein --- um irgendwelche Meinungen und Gesinnungen von christlich bis anarchistisch zu haben, braucht man sich aber auch nicht groß anzustrengen. Wenn gar nichts richtig anschlägt, diffamiert man die Auffassungen seiner Gegner als "ideologisch" --- vgl. meinen vorigen Beitrag. - gez. Max Geltinger