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Auf 612 Beschäftigte kommt ein Einkommensmillionär

Jeder Euro zählt

Die einen müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Die anderen haben Millionen davon. - Foto: Nils Hilebrand

Landshut - pm (22.04.2026) Vor der eigenen Haustür treffen Welten aufeinander: Es gibt 64 Einkommensmillionäre in Landshut. Gleichzeitig haben 39.200 Menschen einen Job – sie arbeiten vor allem im Handwerk, in der Industrie und in der Dienstleistung, um ihr Geld zu verdienen. Damit kommen in Landshut 612 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf einen Menschen, der ein Einkommen von mindestens einer Million Euro pro Jahr hat.

Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Landshut hingewiesen. Die NGG Niederbayern beruft sich dabei auf Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik und der Arbeitsagentur. „So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern in Landshut aus. Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, sagt Kurt Haberl.

Der Geschäftsführer der NGG Niederbayern warnt dabei „vor einer zunehmenden sozialen Schieflage in Landshut“. Die Gesellschaft gerate immer mehr aus den Fugen. „Es geht nicht darum, dass die einen mehr Geld haben als die anderen. Es geht darum, dass wenige im ‚Gold-Statuslevel‘ leben. Und dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen. Von denen, die keine Arbeit haben oder mit Armut im Alter klarkommen müssen, ganz zu schweigen. Das gefährdet am Ende sogar die Demokratie“, sagt Kurt Haberl.

Der Gewerkschafter appelliert jetzt an die Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD aus Landshut und der Region, beim anstehenden Reformpaket der Regierungskoalition „sozialen Kurs zu halten“. Kurt Haberl: „Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast: Lohn- und Mehrwertsteuer drücken enorm.“ Erbschaften und Vermögen würden dagegen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens bringen. Auf keinen Fall dürfe Arbeit stärker besteuert werden als Kapitaleinkommen – also Zinsen, Dividenden von Aktien oder Kursgewinne beim Verkauf von Wertpapieren. Denn dafür falle meistens pauschal nur eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Gerechte Steuern und eine faire Vermögensverteilung seien das A und O der Reformen, die der Bund jetzt anschieben müsse.

„Ein Durchschnittspaar zahlt immerhin 43 Prozent Steuern und Abgaben“, sagt Haberl. Das müsse Schwarz-Rot jetzt ändern. Die heimischen Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD müssten jetzt dafür sorgen, dass „die anstehenden Reformen der Bundesregierung bei Steuern, Rente, Gesundheit & Co. die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen“. Dabei dürften eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz keine Tabus sein. Außerdem fordert die NGG Niederbayern Schwarz-Rot auf, „den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen“. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder.

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