Bayern - pm (21.07.2026) Der Tarifstreit in der bayerischen Milchwirtschaft spitzt sich drastisch zu: Bayern steht eine enorme Warnstreikwelle in Molkereien und Käsereien bevor. „Die Produktion von Milchprodukten wird landesweit in mehreren Betrieben und vor allem auch für längere Zeit zum Stillstand kommen, als das bislang jemals bei Warnstreiks der Fall war. Bayern steht vor einem ‚Milch-Blackout‘“, sagt Mustafa Öz.
Der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagiert damit auf die zum Stillstand geratenen Tarifverhandlungen für die rund 19.000 Beschäftigten in der bayerischen Milchwirtschaft. Die Arbeitgeber hätten in der dritten Verhandlungsrunde ihr ursprüngliches Angebot zurückgezogen: „Das ist eine Rolle rückwärts. Das ist beispiellos. Und das ist eine unglaubliche Provokation – eine knallharte Kampfansage“, so Mustafa Öz.
Der NGG-Landeschef spricht von einem „verantwortungslosen Akt am Tariftisch“. Statt – wie bei Tarifverhandlungen üblich – sich aufeinander zuzubewegen, hätte der Abeitgeberverband der bayerischen Ernährungswirtschaft seine Zusage, den Beschäftigten zwei Entlastungstage zuzugestehen, wieder zurückgenommen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Die Verhandler des Arbeitgeberverbandes brüskieren damit die Beschäftigten der bayerischen Milchwirtschaft und diskreditieren das Arbeitgeberlager. Denn die wichtigste Währung am Tariftisch ist gegenseitiges Vertrauen. Genau das hat der Arbeitgeberverband jetzt aber aufs Spiel gesetzt“, sagt Mustafa Öz.
Die Antwort der Gewerkschaft werde nicht lange auf sich warten lassen: Die NGG steckt nach eigenen Angaben bereits mitten in Streikvorbereitungen. „Es wird der heftigste ‚Milch-Warnstreik‘ werden, den Bayern bislang erlebt hat“, sagt NGG-Landes-Chef Öz. Ziel der Gewerkschaft ist ein Lohn-Plus von 4,1 Prozent für ein Jahr. Azubis sollen 80 Euro pro Monat mehr bekommen. Außerdem will die Gewerkschaft erreichen, dass die Beschäftigten künftig eine zusätzliche Zahlung im Wert von 5 Arbeitstagen zur flexiblen Nutzung erhalten. Die Arbeitgeber haben dagegen nach Angaben der NGG „zuletzt lediglich 2,1 Prozent für 13 Monate“ angeboten. „Sie waren nicht einmal bereit, für ihre Auszubildenden die Übernahme der Fahrkosten zur Berufsschule anzupassen. Insgesamt sind die Arbeitgeber damit auf ihr Einstiegsangebot aus der ersten Verhandlungsrunde am 10.06.2026 zurückgefallen. Es ist eine Tarifverhandlung im Rückwärtsgang: Ein bislang einmaliger skurriler Prozess“, so Mustafa Öz.
Für die NGG Bayern passt das Verhalten der Arbeitgeber nicht zur wirtschaftlichen Situation der Branche: „Die Tonnen an Milch, die in Bayern verarbeitet werden, werden mehr. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Beschäftigten in den meisten Betrieben konstant oder sie sinkt sogar. Das bedeutet für die Beschäftigten mehr Arbeit – und das für viele frühmorgens, spätabends, nachts und auch am Wochenende. Denn die Michverarbeitung läuft im 24-Stunden-Schichtsystem“, sagt Mustafa Öz. Die Mehrbelastung gehe bereits seit Jahren so: Die Arbeitszeitkonten seien „randvoll“.
„Es ist höchste Zeit für den Arbeitgeberverband, zu überlegen, wie die Boomer, die in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden, ersetzt werden können. Ansonsten droht der Milchwirtschaft in Bayern ein erheblicher Fachkräftemangel. Um den zu verhindern, müssen jetzt Lohnanreize gesetzt werden“, so Öz. Die Bilanzen ließen dies schließlich auch zu: Immerhin arbeite die Branche in Bayern hochprofitabel, so die NGG. „Es gibt einen vergleichsweise geringen Lohnkostenanteil. Der liegt in der bayerischen Milchwirtschaft im Schnitt bei lediglich 7 Prozent. In anderen Branchen der Ernährungsindustrie ist er teilweise doppelt so hoch“, sagt Öz.
Da die Arbeitgeber selbst nach zwanzig „effektvollen Warnstreiks“ nicht reagiert hätten, werde die NGG Bayern jetzt „die Zügel anziehen“: „Es wird in den kommenden Wochen ausgeweitete und flächendeckende Warnstreiks in der Milchwirtschaft Bayerns geben“, so der Landesvorsitzende der NGG Bayern. Erst wenn die Arbeitgeber „diese Lektion verstanden haben und mit einem vernünftigen Angebot an den Tariftisch zurückkehren, werden die Milchverarbeitung und die Käseherstellung in Bayern wieder im Normal-Modus laufen“.

