"Den Ball flach halten, bitte", würde ein Fußballexperte sagen. Fußball, also Sport - man denke nur an die Kunstturner - ist im erweiterten Sinne auch Kunst. In Landshut Stadt gibt es auf der Kulturebene eine schon länger anhaltende Rivalität zwischen zwei Ladies, die dadurch sogar überregional für Schlagzeilen (z.B. in der "Süddeutschen") gesorgt haben. Die Rede ist von Stefanje Weinmayr (46), Leiterin des Skulpturenmuseums Fritz König und von Anke Humpeneder-Graf (51), seit März 2013 Stadträtin der CSU und als solche inzwischen sogar so profiliert, dass sie selbst von der Tageszeitung als potentielle OB-Kandidatin gehandelt wird.
Das Wochenblatt hat also heute per Internet - wie angekündigt - kurz nach Mitternacht den Namen der Neu-Stadträtin als Leserbrief-Mitverfasserin in zwei Fällen veröffentlicht. Von diesen beiden - wie Anke Hmpeneder-Graf meint, eher harmlosen Leserbriefen - hat die Betroffene auch im Beisein der Rundschau schon des öfteren an Debattiertischen (z. B. "Dolomiti", "Aran") berichtet. Noch gestern Abend (Donnerstag) hat uns die Stadträtin nach dem Besuch des Burgfestes vor der Eisdiele "Florenz" über diese beiden Briefe, die von ener Frau L. und einem Herrn N. an die Landshuter Zeitung geschickt wurden, berichtet und diese Briefe auch bewertet. Ja, sie habe in diesen beiden Fällen da und dort Formulierungshilfe geleistet. Das sei es aber auch schon gewesen.
Heute titelt die Tageszeitung einen großen Bericht "rund um die Rufmordkampagne gegen Stefanje Weinmayr" mit der Überschrift "Ein unglaublicher Vorwurf". Es geht jedoch schlicht um eine durchaus des öfteren zu hörende "Vermutung", die Rufmordgeschädigte habe die Serie von Briefen an Landshuter Persönlichkeiten, darunter auch an das Kloster Seligental und die Stadtverwaltung womöglich selbst (mit-)verfasst bzw. Inszeniert. Eine "Vermutung", die die Stadträtin am 25. Februar auch bei einer Vernehmung so geäußert hat, um womöglich zu erreichen, dass auch bei Weinmayr selbst der Schriftverkehr geprüft werde.
Nun ja, diese "Vermutung" wird des öfteren von diversen Personen und vermeintlichen Kennern der Rivalitäten zwischen den beiden Kuturschaffenden mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand geäußert. Behauptet hat dies Anke Humpeneder-Graf direkt nie. Sie hat sich die letzten Jahre als Stiftungvorsitzende und als federführende Mitbegründerin für das Bürgerhaus einen besonders guten Namen erworben. Dort war in der erweiterten Vorstandschaft anfangs auch Stefanje Weinmayr mit dabei.
Im Prinzip haben beide sehr unterschiedliche Tätigkeitsfelder. neben dem Bürgerhaus ist die Stadträtin vor allem für Museumsleiter Dr. Niehoff in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Als CSU-Politikerin gehört sie zu den Fleißigsten.
Stefanje Weinmayr ist wohl mit der Leitung des Skulpturenmuseums vollauf beschäftigt. Sie schreibt ja nebenbei auch noch an ihrer Doktorarbeit. Das Museum Fritz König hat einen extrem niedrigen Selbstfinanzierungsgrad (unter 10 %). Entsprechend hoch ist Jahr für Jahr der notwendige städtische Zuschuss. Das führte im Kutursenat wiederholt zu Fragen nach den Besucherzahlen und den Programmangeboten des Museums. Der Ruf wurde laut, dort auch andere Ausstellungen zu zeigen, um eben eine höhere Besucherfrequenz zu erzielen. Sogar die Junge Liste hat sich im Stadtratswahlkampf dafür eingesetzt.
Besoders kritisch wurde in zahlreichen Leserbriefen im letzten Jahr die überwiegend von der Sparkasse gesponserte Skulpturenausstellung von zehn momunentalen Kunstwerken des Bildhauers Robert Schad begleitet.
Die Aufgabenbereiche der beiden Ladies sind prinzipiell recht klar getrennt. Anke Humpeneder-Graf ist obendrein die PR-Chefin für den Verein der "Freunde des Stadtmuseums", der besonders erfolgreich Spenden sammelt.
Oberster Kulturverantwortlicher in Landshut ist Stadtdirektor Andreas Bohmeyer. Die Stadt selbst hat aus Gründen der Sparsamkeit kein direktes Kulturamt, "nur" eine allseits geschätzte Sachbearbeiterin (Uta Spies). Kultur hat dennoch einen sehr hohen Stellenwert in der Stadt.
Dass es jetzt wegen der beiden relativ harmlosen von Humpeneder-Graf mitverfassten Leserbriefen zu einem Erdbeben oder gar zu einem Köpferollen kommt, ist wohl so gut wie ausgeschlossen. In Sachen Kultur läßt sich wie überall trefflich streiten. Das gehört zum Wesen der Kultur. Die Aussagen von Anke Humpeneder-Graf stammen bereits vom 25. Februar. Doch jetzt, wo es auf die heiße Phase des OB-Wahlkampfs zugeht, wird plötzlich die kulturpolitisch profilierteste CSU-Stadträtin indirekt mit der tatsächlichen Rufmordkampagne in Verbindung gebracht. - Da wird bald Gras drüber wachsen. Die von der Stadträtin (ohne Not) geäußerte "Vermutung" ist eben nur eine "Vermutung", so wie es womöglich viele andere Vermutungen für den Rufmord gibt.
Ob die eigentliche Rufmordkampagne gegen Weinmayr jemals aufgeklärt werden kann, ist eine völlig offene Frage. Vielleicht unter einem neuen Oberbürgermeister bzw. einer Oberbürgermeisterin. Der jetzige Amtsinhaber Hans Rampf lobt gelegentlich beide jeweils ausdrücklich.
Die LZ schreibt heute, unter "Hintergründe" dass man davon ausgehen müsse, "dass es sich bei dem oder den Rufmord-Tätern um Insider der Landshuter Kulturszene handeln muß". Man wird also weiterhin bei jeder Kritik aufmerksam hinhorchen. Das spaltet zum Teil das Lager der Kulturinteressierten und auch der Sponsoren. Aber das mit der Spaltung haben wir ja auch auf der rein partei- und lokalpolitischen Schiene. Dafür macht Anke Humpeneder-Graf freilich niemand verantwortlich. /hs

