Schweinemastanlage wohl nicht aufzuhalten
Obersüßbach: 'Sauerei' mit Segen der Staatsregierung
In Obersüßbach kocht die Volksseele. Auf einer Anhöhe im Gemeindebereich will ein Bauer aus Oberneuhausen eine Schweinemastanlage für rund 1.440 Tiere bauen. Da die Bürger durch die Anlage unmittelbar betroffen wären und eine Zunahme von Gestank und Trinkwasserbelastung befürchten, kämpfen sie gegen das Projekt.
Der vor etwa zwei Jahren beantragte Saustall würde rund 400 Meter vom Obersüßbacher Ortskern entfernt liegen. Bürgermeisterin Helga Kindsmüller hat die Sorge, dass deshalb auch die Ausweisung eines dringend benötigten Baugebietes verhindert werden könnte. Bei einem Ortstermin hat sie am letzten Freitag – gemeinsam mit rund 100 Bürgern aus Obersüßbach – Landrat Peter Dreier über die Sorgen und Ängste ihrer Gemeinde informiert. Dreier schlug sich dabei auf die Seite der Obersüßbacher und kündigte an, den Bau der Schweinemastanlage mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern zu wollen.
mehr Bilder ansehen
Fotostrecke
mit
28 Bildern
Ebenfalls vor Ort waren die Landtagsabgeordneten Johanna Werner-Muggendorfer (SPD) und Rosi Steinberger (Grüne). Bei einer Diskussionsrunde im Bürgersaal, die sich an den Ortstermin unter freiem Himmel anschloss, kündigte Dreier an, dass er alle Fachabteilungen in seinem Haus anweisen werde, bei der Genehmigung des Projekts die „Ermessensspielräume auf Null zu setzen“. Außerdem will er das persönliche Gespräch mit dem Antragsteller suchen und ihn dazu bewegen, die Schweinemastanlage an einem anderen Ort zu errichten.
Hoffnung hängt an schmalem Betonpfad
Zu große Hoffnungen hinsichtlich der Wirkung dieser Maßnahmen wollte Dreier den Obersüßbachern aber nicht machen. „Momentan sieht es sehr schlecht aus“, schätzte der Landrat die Chancen ein, die Schweinemast in Obersüßbach noch abzuwenden. Schließlich sind landwirtschaftliche Bauvorhaben privilegiert. Aus einer Stellungnahme der bayerischen Staatsregierung, die Werner-Muggendorfer im Bürgersaal vortrug, geht dementsprechend auch hervor, dass man der „Sauerei“ in München grünes Licht geben will – sofern die Erschließung gewährleistet ist.
Und genau an diesem Punkt – bei der Erschließung – bietet sich nach Meinung Dreiers noch die verheißungsvollste Möglichkeit, der Schweinemastanlage in Obersüßbach den Garaus zu machen. Denn ob der schmale, teils kaputte Betonpfad, der zum geplanten Saustall führt, tatsächlich für landwirtschaftlichen Verkehr geeignet ist, sei alles andere als sicher.
Sollte jedoch auch dieser „Hebel“ versagen und sollten schließlich alle Fachabteilungen dem Bau des Saustalls zustimmen, werde sich auch Dreier nicht aus persönlicher Überzeugung gegen das Projekt stellen. „Dann würde ich vorsätzlich handeln und persönlich haften, wenn der Antragsteller klagt.“

