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"Fliegender Arzt" behandelt Schlaganfall-Patienten im Klinikum LA - Erstmals mit "Tempis Flying Doktors"

arzt fliegend

Drei Fachabteilungen mit einem Ziel: von links Diana Dobos (Pflegekraft Anästhesie), Dr. Tobias Kiel (Chefarzt Anästhesie), Dr. Elena Müller (Assistenzärztin Radiologie), Priv.-Doz. Dr. Hans-Peter Dinkel (Chefarzt Radiologie), Tanja Schuder (MTRA Radiologie), Prof. Dr. Josef Heckmann (Chefarzt Neurologie) und Sandra Zens (MTRA Radiologie). Foto: Klinikum Landshut

Landshut - pm (04.08.2020) Mit einer halbseitigen Lähmung und Bewusstseinsstörungen begann vor einigen Tagen der Schlaganfall eines älteren Mannes. Als erster Patient am Klinikum wurde er von einem „fliegenden Arzt“ der „TEMPiS Flying Doctors“ behandelt – erfolgreich.

Seit wenigen Wochen nimmt das Klinikum an diesem Pilotprojekt teil, bei dem der Patient nicht mehr zum Spezialisten gefahren wird, sondern der Spezialist eingeflogen wird. Das spart Zeit – und kann bei einem Schlaganfall lebensrettend sein.
Drei Fachabteilungen mit einem Ziel: v.l. Diana Dobos (Pflegekraft Anästhesie), Dr. Tobias Kiel (Chefarzt Anästhesie), Dr.
Elena Müller (Assistenzärztin Radiologie), Priv.-Doz. Dr. Hans-Peter Dinkel (Chefarzt Radiologie), Tanja Schuder (MTRA
Radiologie), Prof. Dr. Josef Heckmann (Chefarzt Neurologie) und Sandra Zens (MTRA Radiologie). Foto: Klinikum
Landshut
Der ältere Mann hatte gegen 18 Uhr eine komplette Lähmung der linken Körperhälfte erlitten, dazu kamen Sprechstörungen und Schläfrigkeit. Kurz danach wird er in der Notaufnahme des Klinikums als potentieller Schlaganfall-Patient angekündigt. „Schon diese erste Phase bei einem Schlaganfall ist
entscheidend: Wie lange dauert es, bis der Notarzt gerufen wird? Wie viel Zeit vergeht, bis der Patient im Klinikum ankommt?“, erklärt Prof. Dr. Josef Heckmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Leiter der Stroke Unit, der Schlaganfallspezialeinheit am Klinikum. Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer plötzlichen Minderdurchblutung des Gehirns. Je schneller hier gehandelt wird, desto weniger Gehirnzellen sterben ab – und desto geringer sind die Folgeschäden. „Beim Schlaganfall zählt jede Minute“, betont Prof. Heckmann. 

Im Klinikum angekommen wird der Patient vom diensthabenden Neurologen sofort untersucht. Er stellt klinische Anzeichen eines möglichen akuten Großgefäßverschlusses fest. Mittels Computertomografie bestätigt die diensthabende Radiologin Dr. Elena Müller um 18.50 Uhr: Die intrakraniellen vorderen Hirngefäße sind komplett verschlossen – diese versorgen zwei Drittel des Gehirns. Es zeichnet sich ein schwerer Schlaganfall ab, die rechte Gehirnhälfte beginnt bereits abzusterben – jetzt muss es schnell gehen. Wenn das verstopfte Hirngefäß innerhalb von vier bis sechs Stunden wieder geöffnet wird, hat der Patient gute Chancen.

Umgehend wird vom diensthabenden Ärzteteam der Neurologie unter der Führung von Oberärztin Iryna Vynogradova ein Medikament verabreicht, das die Auflösung des Blutgerinnsels unterstützen soll, und gleichzeitig das „TEMPiS“- Netzwerk verständigt. An dessen Pilotprojekt „TEMPiS Flying Doctors“ nimmt das Klinikum seit Anfang Juli teil. Ziel ist es, Zeit zu gewinnen, indem ein Interventionsteam zum Patienten fliegt anstatt den Betroffenen für die Behandlung in ein Zentrum zu transportieren. Dies soll sich nachweislich positiv auf die Genesung nach dem Schlaganfall auswirken.

Gegen 19:15 Uhr steht mithilfe des Netzwerks fest: Das ist ein Fall für die fliegenden Ärzte. Der Patient benötigt eine sog. interventionelle Therapie mit Embolusextraktion durch Katheter. Kurz darauf fliegt der Notfallhubschrauber los. Mit an Bord: ein hochspezialisierter Neuroradiologe und seine
medizinisch-technische Radiologie-Assistentin. Etwa 15 bis 20 Minuten braucht der Hubschrauber für die 70 Kilometer vom Klinikum rechts der Isar in München zum Klinikum Landshut.
Bis der Hubschrauber da ist, arbeiten die Teams von Radiologie, Neurologie und Anästhesie am Klinikum Hand in Hand: Die Räumlichkeiten werden für die Katheter-Behandlung vorbereitet, der Patient wird dann in Vollnarkose versetzt. Um 19:50 Uhr liegt der Patient auf dem Angiografie-Tisch, um 20:20 Uhr setzt der Neuroradiologe an der Leiste an. Stück für Stück schiebt er einen dünnen Spezial-Katheter über Haupt- und Halsschlagader vor ins Gehirn. Beim Verschluss angelangt öffnet sich eine Art Stent mit einem Metallgeflecht, worin sich das Gerinnsel verhakt und herausgezogen wird. 20
Minuten nach Beginn ist der Eingriff zu Ende. In weniger als zweieinhalb Stunden nach Symptombeginn ist der Verschluss wieder geöffnet. „Dem Patienten ging es unmittelbar nach der Intervention sofort besser“, so Priv.-Doz. Dr. Hans-Peter Dinkel, Chefarzt der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie. Zusammen mit Chefarzt Prof. Dr. Heckmann dankte er den Beteiligten aus den Fachabteilungen Neurologie, Radiologie und Anästhesiologie für den „perfekten organisatorischen Ablauf“, der für den Patienten lebensrettend war und ihn vor größeren Schäden im Gehirn bewahrt hat. „Eine derartige hochspezialisierte medizinische Leistung ist nur möglich, wenn die medizinischen Strukturen und Abläufe gut vorbereitet werden, alle Beteiligten hochmotiviert sind und vertrauensvoll zusammenarbeiten“, ergänzt Dr. Dinkel.

Das Klinikum Landshut nimmt seit Anfang Juli an „TEMPiS Flying Doctors“ teil, seit Monaten haben sich die Abteilungen intensiv darauf vorbereitet und den hochkomplexen Ablauf organisiert. „Dies ist ein sehr gelungenes Beispiel für optimale Patientenversorgung am Klinikum Landshut“, sind sich die
Chefärzte einig. In wenigen Tagen darf der Patient wieder nach Hause.

Mehr Informationen finden Sie unter www.klinikum-landshut.de

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