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Bis 15. Aug.: "Ein Nachmittag mit Picasso" in der Heiliggeistkirche

Pablo Picasso

Picasso in der Arena von Fréjus 1966 – Museen der Stadt Landshut - Fotos: Hubertus Hierl

Landshut – pm (15.06.2023) Fréjus, 7. August 1966: Ein Zufall, der zum Glücksfall wird. Der junge Fotograf Hubertus Hierl ist an der Côte d‘Azur unterwegs, um das bunte Treiben der jungen Leute einzufangen. Plakate kündigen für Sonntag einen Stierkampf in Fréjus an. Hubertus Hierl will als Fotograf dabei sein. Beim Gang um die Arena entdeckt er plötzlich Pablo Picasso unter den Zuschauern.

Durch ein Zeichen signalisiert er Picasso seinen Wunsch, ihn zu fotografieren. Picasso ist bester Laune, gibt sein Einverständnis und konzentriert sich wieder ganz auf das Geschehen in der Arena. Es bleibt nicht bei einigen wenigen Fotos. Hierls dramatische Aufnahmen verdeutlichen die totale Inbesitznahme Picassos vom Geschehen in der Arena. Sie zeigen Erwartung, Spannung, Angst in seinem Gesicht.

Entstanden ist an diesem Nachmittag die letzte ausführliche Dokumentation Picassos in der Öffentlichkeit mit über 100 Fotografien und zugleich ein Psychogramm des Künstlers. Die Bilder zeigen Picasso in einem Umfeld, das Zeit seines Lebens zu seinen großen Themen gehörte: der Stierkampf. Picassos Leidenschaft für den Stierkampf fand ihren Ausdruck in Hunderten von Bildern, Graphiken und Keramiken. Ihn faszinierten die dramatischen Momente, der Augenblick des Zusammentreffens von Stier und Torero. Auch nach dem Stierkampf begleitet Hubertus Hierl mit seiner Kamera Picasso mit seiner Entourage weiter beim Verlassen der Arena bis zu seiner Abfahrt.

Zum 50. Todestag Pablo Picassos zeigen die Museen der Stadt Landshut in der Heiliggeistkirche eine Auswahl dieser Fotos von Hubertus Hierl.

La Tauromaquia o arte de torear

Dazu zeigt die Ausstellung Picassos Graphik-Zyklus »La Tauromaquia o arte de torear«, der auf Bitten des spanischen Verlegers Gustavo Gili 1957 entstand. Seit seiner frühen Kindheit war Picasso fasziniert vom Stierkampf, jenem traditionellen spanischen Ritual voller Eleganz, Dramatik und Grausamkeit. Für den Künstler wurde die Corrida zu einer seiner wichtigsten Inspirationsquellen, von einer ersten Radierung des 17jährigen bis zu seinem Spätwerk.
Picasso erzählt mit den 27 Aquatinten den idealtypischen Ablauf einer Corrida. Das erste Blatt zeigt die Stiere auf der Weide, dann folgt der Einzug in die Arena, der Kampf und der Tod des Tieres und endet mit dem Auszug der Toreros. Dabei verortet Picasso das Geschehen in der Gegenwart, es ist der Blick eines Zuschauers auf das Geschehen in der Arena.

Die Arbeiten sind geprägt vom eigenen Erleben. Mit seinen zum Teil bis auf Punkte und Linien reduzierten Figuren gelingt es Picasso die Eleganz der Bewegungen, das Spiel von Licht und Schatten einzufangen. Die Stilisierung verdeutlicht zugleich den rituellen Charakter der Choreographie eines Stierkampfes.

ARIAS HEADS PICASSO – jink.one

Ein weiterer Teil der Ausstellung ist der Münchner Künstlerin jink.one in Zusammenhang mit den Autorinnen Melissa Müller und Monika Cernin zu verdanken, die 2001 ein Buch über »Picassos Friseur« Eugenio Arias publizierten. Pablo Picasso und Eugenio Arias waren als Exil-Spanier nicht nur freundschaftlich eng verbunden, sondern teilten auch die Leidenschaft für den Stierkampf. Auch auf den Fotos von Hubertus Hierl ist Eugenio Arias als Begleiter Pablo Picassos bei dem Stierkampf am 7. August 1966 in Fréjus gegenwärtig. Die erste Bekanntschaft der beiden Männer geht auf das Jahr 1945 zurück, als sich ihre Wege in Kreisen der spanischen Widerstandsbewegung gegen den Diktator Francisco Franco kreuzten. 1966 waren Pablo Picasso und Arias einander beinahe zwei Jahrzehnte freundschaftlich verbunden.

Anlässlich der Neuauflage des Buchs in diesem Jahr hat sich Melissa Müller mit der Münchner Künstlerin jink.one zusammengetan, die mit augenzwinkerndem Humor die Rolle von Picassos Friseur besetzt. In spielerischer Form greift die Video-Installation im nördlichen Seitenschiff der Kirche Picassos Freude an Maskerade und Spiel auf, die in einer großen Sammlung an Hüten dinglich Ausdruck fand. Und sie ironisiert Picassos Aberglauben, denn mit den Haaren verband er Macht und ließ sie deshalb in jungen Jahren nur von seinen Lebensgefährtinnen schneiden.

Damit eröffnet sich jenseits der Gemeinsamkeiten von zwei Exil-Spaniern, die beide der kommunistischen Partei angehörten, eine zweite, untergründige Verständnisebene der Freundschaft von Picasso und seinem Friseur: Eugenio Arias nahm eine ganz besondere Vertrauensstellung bei Picasso ein. Die-ser Umstand und Picassos Freude an der Maskerade bildet den Ausgangspunkt für die Video-Installation von jink.one: So wie Picasso mit dem Aufsetzen eines Hutes oder eines anderen Kopfschmucks in eine neue Rolle schlüpfte, so verwandelt jink.one den kahlköpfigen Spanier ausgehend von einer Porträtaufnahme von Hubertus Hierl wechselweise in einen Punk, einen Rastafari, einen Beatnik oder einen Hipster.

Am 5. August laden Melissa Müller und Monika Czernin zu einer Lesung aus »Picassos Friseur« in die Heiliggeistkirche ein.

Zum Fotografen Hubertus Hierl

Hubertus Hierl wurde 1940 in Regensburg geboren und wuchs in Niederleierndorf auf, einem kleinen Dorf zwischen Regensburg und Landshut. Er studierte für das Lehramt in Regensburg und München und ist seit 1975 Herausgeber und Autor für Unterrichtsmedien. Hubertus Hierl lebt in Landshut.

Hubertus Hierl beschäftigt sich mit der Fotografie seit dem 14. Lebensjahr. Sein Hauptinteresse gilt der Life-Fotografie nach Vorbildern wie Cartier-Bresson, Marc Riboud, Eduard Boubat, Werner Bischof oder Ernst Haas. Er war Preisträger bei Jugend Fotografiert auf der Photokina in Köln und veröffentlichte in Büchern, Zeitschriften und Zeitungen. Seine Fotografien wurden in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

Zu den Fotografien von Hubertus Hierl sind zahlreiche Bücher erschienen. Das Buch Picasso beim Stierkampf wurde von der Zeitschrift ART als Buch des Monats ausgezeichnet.

Weitere Informationen zur Ausstellung und dem Begleitprogramm: https://heiliggeistkirche-landshut.de/picasso

Begleitend zur Ausstellung "Ein Nachmittag mit Picasso" laden die Museen der Stadt Landshut zu einem vielseitigen Programm ein mit Künstlerführungen, einer Buchvorstellung mit Lesung sowie einem Interview. Weitere Informationen dazu stellen wir auf der Ausstellungswebsite zur Verfügung.

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