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Ringgemeinschaft Bayern zur Ferkelkastration: Fristverlängerung notwendig, um Tieren Leid zu ersparen

Bayern - pm (31.10.2018) Es mag paradox erscheinen, jedoch wird somit mehr Tierwohl erreicht! Die Problematik beginnt nicht wie erwartet im Schweinestall, sondern an der Ladentheke von Supermärkten und Metzgereien der Bundesrepublik. Zahlreiche unabhängigen Studien bestätigen, dass in Deutschland weder das Fleisch von Ebern, noch das Fleisch immunokastrierter Tiere vom Endverbraucher gekauft wird. Folglich ist es unvermeidlich, dass die Tiere, die in die Mast gehen, kastriert werden. Nur so kann der unappetitliche Geruch und Geschmack, der von Eberfleisch ausgeht, vermieden werden.

Gerne würden die Ferkelerzeuger ihre Tiere unter Betäubung kastrieren, nur leider ist das ab 01.01.2019 nicht mehr möglich. Die Fristverschiebung dient instrumental dazu, den sogenannten „vierten Weg“, die Kastration unter Lokalanästhesie, zu ermöglichen. Diese Art von Betäubung ist dem Verbraucher keineswegs fremd. Tagtäglich kommt dies in Zahnarztpraxen oder Krankenhäusern zum Einsatz. Warum dem geschulten Landwirt eine Alternative verweigern, die selbst beim Menschen ohne Bedenken angewandt wird?

Was hat das Ganze mit Tierwohl zu tun?

Sollte eine Fristverschiebung nicht zustande kommen, sind fatale Folgen unausweichlich. Alle vorgeschlagenen Alternativen erscheinen zwar auf dem Papier sinnvoll, sind jedoch in der Praxis schlichtweg nicht umsetzbar!

1. Ebermast: Vor fünf Jahren ging man davon aus, dass die Ebermast eine realistische Möglichkeit darstellen könnte und hat deshalb gezielt Forschungen zu dieser Alternative durchgeführt. Leider sprechen heute zu viele Gründe dagegen: Eber sind wegen ihres aggressiven Verhaltens schwieriger zu bewirtschaften und das Eberfleisch ist aufgrund seiner Beschaffenheit für die Verarbeitung ungeeignet.

Wichtiger jedoch ist, dass Schlachtbetriebe Eber nur in sehr geringer Zahl ankaufen können, da das Kaufverhalten der Endverbraucher die Abnahme durch den Lebensmitteleinzelhandel einschränkt. Das Fleisch hat in der Vergangenheit keinen Markt gefunden und die Zukunft wird nichts an diesem Sachverhalt ändern.

2. Immunokastration: Auch für Fleisch immunokastrierter Tiere ist in Deutschland kein Markt vorhanden. Über die Impfung wird eine Immunreaktion hervorgerufen, woraufhin Antikörper gegen ein Hormon gebildet werden, das an der sexuellen Entwicklung beteiligt ist. Über verschiedene Mechanismen wird so die Ausschüttung von Sexualhormonen beeinflusst.
Während der Mast sind zwei Injektionen notwendig um die Bildung von Ebergeruch zu verhindern. Ebenso wie Gentechnik bei Nutzpflanzen missfällt dem Verbraucher eine Einmischung in die biochemische Natur eines Tieres.

3. Vollnarkose mit Isolfluran: Eine Vollnarkose bei einem sehr jungen Tier stellt ein massiv erhöhtes Risiko dar und ist mit erheblichem Stress für die Tiere verbunden. Zusätzlich ist eine Anschaffung der sehr kostspieligen Geräte, die derzeit nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen, bei kleinen bis mittleren Betrieben nicht finanzierbar.

Die Konsequenz ist, dass der deutsche Ferkelerzeuger ab 01.01.2019 keine Möglichkeit mehr haben wird, marktfähige Ferkel zu produzieren, da der Mäster nur kastrierte Tiere ankauft. Doch diese werden ihm auch weiterhin zur Verfügung stehen. Unsere Nachbarländer, in denen sehr hohe Tierwohlkriterien bestehen, belächeln unsere Politik. Sie werden zweifelsohne diese Marktchance ergreifen und sich auf erhöhten Export vorbereiten. In Dänemark beispielsweise werden Ferkel unter Lokalanästhesie kastriert und ebendiese werden bereits heute in weiser Voraussicht dem deutschen Mäster angeboten. Die Ferkel dürfen nämlich weiterhin ungehindert nach Deutschland eingeführt werden. Das bedeutet, wir würden weiterhin Fleisch von Tieren konsumieren, die unter der hier verbotenen Lokalanästhesie kastriert wurden! Zusätzlich kommt auf diese Weise ein enorm weiter Transportweg hinzu, den die Ferkel über sich ergehen lassen müssen! Durch den Wunsch, für höheren Tierschutz zu sorgen, wird aufgrund weitreichender Unwissenheit mehr Schaden als Linderung verursacht!

Sollten wir Regionalität und bäuerliche Familienbetriebe nicht erhalten?

Ebenso widersprüchlich wie inkonsequent ist auch, dass zahlreiche Stimmen gegen die Fristverschiebung schallen, aber ultimativ niemand an der Ladentheke die Konsequenzen tragen will. Die Folge wird sein, dass in nicht allzu ferner Zukunft keine bayerische und deutsche Ferkelproduktion mehr existieren wird und der Verbraucher auf regional erzeugtes Schweinefleisch komplett verzichten muss. Gerade Familienbetriebe würden schnell vor dem finanziellen Abgrund stehen und aufgeben. Regionale Label wie beispielsweise „Geprüfte Qualität Bayern“ wären dann nicht mehr als dunkle Vergangenheit.

Für eine traditionsbewusste, tier- und verbraucherfreundliche Schweinemast und Ferkelerzeugung in Deutschland braucht die Landwirtschaft die Möglichkeit der Kastration unter Lokalanästhesie.

Vogginger

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