Bayern - pm (12.11.2025) Bayern investiert bereits heute knapp sieben Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Bildung. Im kommenden Doppelhaushalt 2026/2027 soll sogar mehr als jeder dritte Euro des Landeshaushalts (rund 35,4 %) in Bildung fließen. Ein großer Erfolg für Staatsministerin Stolz, die gemeinsam mit den Lehrerverbänden – auch der KEG Bayern – in schwierigen Zeiten um jeden Cent gerungen hat.
Sie wollte die gesetzliche Teilzeit mit aller Kraft abwenden und konnte 1.900 zusätzliche Bildungsstellen für September 2027 durchsetzen.
Kritik an unausgewogener Schwerpunktsetzung
Allerdings sind die zusätzlichen 1.500 Stellen (Stellenhebungen) ausschließlich für Gymnasien und FOS/BOS vorgesehen. Die Herausforderungen an Grund- und Mittelschulen bleiben damit bestehen. Hoffnung gibt es durch die angekündigten 400 multiprofessionellen Teams, die insbesondere diese Schularten unterstützen sollen. Jedoch nur wenn diese Stellen nachhaltig gesichert, mit unbefristeten Verträgen versehen und die Menschen fundiert qualifiziert sind.
Enttäuschung über gesetzliche Teilzeiteinschränkung
Die KEG Bayern zeigt sich erschüttert, dass sich die Staatsregierung trotz der gemeinsamen Kraftanstrengungen aller Bildungsverbände, des BBB sowie zahlreicher Gespräche in den vergangenen Wochen für den demotivierenden Schritt der gesetzlichen Teilzeiteinschränkung entschieden hat.
Diese Entscheidung schwächt die Moral der Beschäftigten und mindert die Attraktivität des Lehrerberufs sowie des öffentlichen Dienstes insgesamt erheblich. Auch die Kürzung des Familiengeldes trifft Familien und Kinder stark. Denn Bildung hängt weiterhin stark vom Geldbeutel der Eltern ab – sei es für Schwimmkurse, Sprachförderung oder kreative Angebote.
Was aufgrund von Personalmangel in Kitas und Krippen derzeit ausfällt, müssen Eltern auffangen. Dieses politische Signal ist fatal, denn es trifft letztlich die Kinder – gerade jene, die auf eine Krippe angewiesen sind, die sich nicht jeder leisten kann. Deshalb muss das Geld dringend zielgerichtet in frühkindliche Bildung fließen, um allen Kindern beste Chancen zu ermöglichen.
Verzögerte Besoldungsanpassung schadet Attraktivität des Lehrerberufs
Besorgt zeigt sich die KEG Bayern auch über die Ankündigung von Ministerpräsident Söder, das Ergebnis der kommenden TV-L-Verhandlungen erst sechs Monate später auf die Beamtinnen und Beamten zu übertragen – und das, bevor die Verhandlungen überhaupt begonnen haben. Diese Haltung schadet der Attraktivität des Lehrerberufs gleich doppelt.
Reformen statt Verwaltungsstillstand
Trotz der Freude über die hohen Investitionen bleibt klar: Bayern muss sein Bildungssystem dringend reformieren und effizienter gestalten. Eine Verwaltung des Gestern bereitet Kinder nicht auf das Morgen vor.
Zwar stehen ausreichend Mittel zur Verfügung, doch fließen diese zu häufig in Verwaltung, unbesetzte Stellen und Gebäude – anstatt in Unterrichtsqualität und pädagogische Arbeit in Kitas und Schulen.
KEG Bayern fordert: Effizientere Bildungsausgaben
Die KEG Bayern betont, dass Bildungsausgaben effizienter eingesetzt werden müssen. Nach aktuellen Hochrechnungen werden die Schülerzahlen weiter steigen – das Personal reicht jedoch schon jetzt nicht aus.
„Das Problem ist nicht die Höhe der Ausgaben, sondern wie effektiv diese Mittel eingesetzt werden“, erklärt Martin Goppel, Landesvorsitzender der KEG Bayern.
Zu viel Bürokratie, zu wenig Wirkung
Der Lehrkräftemangel, komplizierte Genehmigungsverfahren und starre Verwaltungsstrukturen bremsen die Bildungsqualität aus. Das Ergebnis: Zeitverlust, Frust, Burn-out und fehlende Flexibilität. Die Einschränkung der gesetzlichen Teilzeit verschärft die Situation zusätzlich.
Fünf Reformschritte für mehr Bildungseffizienz
Die KEG Bayern fordert deshalb dringend:
- Bürokratie abbauen und Verwaltung digitalisieren – Ziel: 10 % der Bildungsausgaben für Reformen freimachen.
- Bessere Arbeitsbedingungen und Aufstiegschancen für Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal – durch Familienfreundlichkeit, faire Arbeitszeiterfassung, konsequente Anpassung und Weiterführung der A13-Hebung, langfristige Verträge und weniger Zeitdruck bzw. realitätsnahe Beurteilungen.
- Mit dem frei gewordenen Budget strukturelle Schul- und Kitareformen – modernisierte Lehrpläne, eine dringende Reform der Mittelschule, neue Prüfkultur, durchlässigere Schularten. Ziel: Jede eingesparte Ausgabe bzw. nicht besetzte Stelle soll direkt in Unterricht, pädagogische Arbeit, Qualität und Reformen fließen.
- Verbindliche Qualitätsstandards, einheitliche Evaluierung und Monitoring – um sicherzustellen, dass jeder Euro den Lernerfolg stärkt. Die datenbasierte Schulleitung und Schulaufsicht müssen eingeführt werden, damit alle Verantwortlichen die Parameter ihres Wirkens sehen.
- Investition in ein attraktives Lehramtsstudium Umsetzung der Empfehlungen der Expertenkommission hin zu einem attraktiven Studium.
Mehr Autonomie, mehr Wirkung
Das bayerische Bildungssystem liefert solide Ergebnisse, hat tolles Personal, leidet aber unter zu langen Entscheidungswegen innerhalb der Politik – gutes Geld verpufft. Kitas sowie Grund- und Mittelschulen könnten mehr qualifiziertes Personal dringend gebrauchen.
Effizienzreformen könnten die Bildungsqualität deutlich steigern – auch ohne zusätzliches Geld.
„Investitionen in Bildung sind keine Ausgabe, sondern die wertvollste Zukunftsinvestition, die Bayern tätigen kann“, betont Goppel. „Jetzt ist der Moment, Bildung neu zu denken – effizienter, moderner und mutiger.“

