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Psychotherapeutische Versorgung: Kritik an geplanten Kürzungen

Psychotherapie

v. l.: Andreas Posel, Patricia Lindberg-Scharf, MdB Marlene Schönberger, Franziska Jell und Mara Geinitz

Berlin/Niederbayern - pm (30.06.2026) Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger hat sich mit vier Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten vergangene Woche in Bad Abbach über die angespannte Lage in der ambulanten Versorgung ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen die bereits vollzogenen Honorarkürzungen in Höhe von 4,5 Prozent sowie eine Verschärfung der Budgetierungsmechanismen - also der gesetzlichen Steuerungsinstrumente der Krankenkassen, die den Leistungsumfang in der Versorgung bestimmen.

Vor dem Hintergrund einer stetig steigenden Nachfrage warnen die Fachleute vor erheblichen Folgen für Patientinnen und Patienten.

Die Psychotherapeutinnen schilderten eine zunehmend angespannte Versorgungssituation, die sich bereits heute in überfüllten Praxen und langen Wartezeiten zeigt. "Ich habe so viele Anfragen, dass meine Warteliste längst geschlossen ist. Weitere Einschränkungen würden dazu führen, dass noch weniger Menschen zeitnah Hilfe bekommen - mit erheblichen individuellen und gesellschaftlichen Folgekosten", berichtet Mara Geinitz.

Auch Patricia Lindberg-Scharf warnt vor den strukturellen Folgen der geplanten Kürzungen: "Es kann dazu kommen, dass Praxen schließen müssen und sich die Wartelisten weiter verlängern. Auch die Kassensitze werden für psychotherapeutischen Nachwuchs deutlich weniger attraktiv." Mit den geplanten neuen Rahmenbedingungen werde das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxiseröffnung zunehmend kritisch bewertet.

Die Grüne Bundestagsfraktion forderte in ihrem Antrag "Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken" eine grundlegende Reform der psychotherapeutischen Versorgung. Die Bedarfsplanung basiert noch immer auf Daten aus den 1990er Jahren und bildet den tatsächlichen Versorgungsbedarf nicht mehr ab. Künftig soll sie sich am realen Bedarf orientieren - insbesondere in unterversorgten Regionen und für vulnerable Gruppen. Für Kinder und Jugendliche soll zudem eine eigenständige Bedarfsplanung eingeführt werden, um eine wohnortnahe Versorgung und eine bessere Vernetzung mit Schulen und sozialen Angeboten zu ermöglichen.

Schönberger kritisierte die Pläne der Bundesregierung deutlich: "Maßnahmen, die die Zahl der Psychotherapieplätze faktisch verringern, sind kurzsichtig und fatal." Sie warnt vor einer Verschärfung sozialer Ungleichheiten im Gesundheitswesen: "Am Ende droht eine weitere Spaltung, wenn Praxen aus der Versorgung der gesetzlich Versicherten aussteigen und zunehmend nur noch Selbstzahlerangebote möglich sind."

Der Psychotherapeut Andreas Posel verwies zudem auf die medizinischen Risiken verzögerter Behandlungen: "Viele psychische Erkrankungen neigen zur Chronifizierung, wenn nicht rechtzeitig therapeutisch gegengesteuert wird." Prävention und frühzeitige Intervention fänden im Gesundheitssystem weiterhin zu wenig Beachtung.

Schönberger betonte darüber hinaus die gesamtgesellschaftliche und ökonomische Bedeutung einer stabilen psychotherapeutischen Versorgung: "Eine wirksame Behandlung reduziert Krankheitsausfälle und stärkt die Erwerbsfähigkeit - das sollte auch wirtschaftspolitisch konsequent mitgedacht werden.

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