
Trotz fünf Prozent Rückstand aus der ersten Wahl am 9. Oktober setzen Stadtrat Norbert Hoffmann (li.) und OB-Kandidat Alexander Putz bei der Stichwahl auf Sieg.
Landshut (13.10.2016) Wir fuhren schon 20 Minuten vor 19 Uhr zum Landshuter Hof, weil man befürchten musste, dass die Gaststätte übervoll sein würde. Doch weit gefehlt. Es waren nur 45 Besucher vor Ort und davon kamen noch fünf oder mehr aus Landkreisgemeinden. Also keine Sieger- oder Jubelstimmung. Alexander Putz hielt denn auch nur seine 42 Minuten lange Standardrede. Keine neuen Akzente. Wieder nur Allgemeines, sicher wohl formuliert, aber ohne konkrete Aussagen. Was will der FDP-Kandidat anders, besser machen als vergleichsweise CSU-Kandidat Helmut Radlmeier? Die Wahlprogrogramme sind ja fast identisch.
FDP-Mann Putz will z.B. die Steuereinnahmen der Stadt deutlich verbessern (im übrigen auch Radlmeier) und damit Landshut "enkelfit" machen, also fit für die übernächste Generation, nicht schon für die jetzige oder nächste Generation. Da wird er längst nicht mehr auf dem Chefsessel des Rathauses sitzen. Er will ja vorerst nur drei Jahre und vier Monate (bis Ende April 2020) amtieren und sich dann zur Wiederwahl stellen. Doch das verlangt die Zustimmung der 44 Stadträte. Die bekäme er nach dem Stand der Dinge nicht. Putz müßte sechs Jahre durchregieren, falls er am 23. Oktober tatsächlich zum neuen Oberbürgermeister gewählt wird. Doch noch ist es nicht soweit. Die Wahl am 9. Oktober war in erster Linie eine Goderbauer-Gedächtnis-Wahl, weniger eine Putz- und schon gar keine FDP-Wahl. Die CSU-Anhänger haben sicher verstanden. Sie werden ihren OB-Kandidaten am 23. Oktober nicht mehr in diesem Ausmaß im Stich lassen.
Am Montag werden wir ein ganz anderes Duell der beiden Finalisten um 19.30 Uhr in Sophies's Alm (alter Schlachthof) erleben. Radlmeier muß und wird angreifen. Er wird viele persönliche Fragen stellen: zum Engagemenent von Putz in Sport und Kultur, bei Vereinen oder im Sozialen. Was hat er bishr als FDP-Vorsitzender seit 2013 vorzuweisen? Programmatisch ist ja von beiden so gut wie alles bekannt. Zu 90 Prozent sind die sachpolitischen Aussagen deckungsgleich. Anders verhält es sich zwischen Putz und dem FDP-Stadtrat Hoffmann. Dieser ist gegen die Sanierung des Lehrschwimmbeckens bei der Wolfgangschule und gegen den Moserbräu-Abriss, Putz ist jeweils dafür. Reine Wahltaktik?
Also es bleibt duchaus spannend. Noch hat Radlmeier aus der Wahl vom 9. Oktober einen Vorsprung von knapp fünf Prozent. Weder SPD noch Grüne wollen zu Gunsten eines Kandidaten Wahlempfehlungen aussprechen. Radlmeier muß lediglich jene Landshuter am 23. Oktober zum Wählen bewegen, die aus welchen Gründen auch immer am 9. Oktober gar nicht gewählt haben oder aus nostalgischen Gründen mit Putz eigentlich Goderbauer-Marchner wählen wollten. Bei der CSU stehen die Zeichen jedoch auf Versöhnung der Landshuter Mitte mit der CSU. Hier spielt Oberbürgermeister Hans Rampf eine große Rolle. Er hat schon vor zwei Jahren in einer öffentlichen Versammlung im Gasthaus Hahn (Salzdorf) gefordert, die CSU müsse auf die Landshuter Mitte zugehen, das Gespräch suchen, die Rückkehr und Wiedervereinigung einleiten, denn sachpolitisch trennen ja die CSU- und die LM-Stadträte kaum unüberbrückbare Gegensätze. Viele Anträge wurden die letzten Monate gemeinsam unterzeichnet. /hs

