
Landshut (30.10.2016) Die Kirche von St. Jodok war bis auf den letzten Platz gefüllt - eigentlich sogar darüber hinaus - denn die Besucher saßen sogar um den Altar herum. Man hätte meinen können, der Papst höchstpersönlich hätte seinen Besuch angekündigt. Doch es war kein geringerer als der Papstbiograph und Bestsellerautor Andreas Englisch.
Das Christliche Bildungswerk hat ihn gemeinsam mit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung nach Landshut geholt. Der ehemalige Bild-Zeitung Korrespondent beschäftigt sich seit 1987 mit dem Vatikan. Er lebt und arbeitet seitdem mit den Bewohnern des Kirchenstaates - mithin also auch mit den Päpsten - und kennt sie weit besser als nur von kurzen Interviews oder Audienzen.

Die Kirche St. Jodok (Freyung) war am Mittwoch, 26. Okt., übervoll
Von Johannes Paul II. über Benedikt XVI. bis Franziskus begleitete er die Päpste auch auf ihren Reisen und so wusste er auch manche Anekdote zu erzählen. So soll zum Beispiel ein Papst auf die Frage, wie viele Leute denn im Vatikan arbeiten, nachsichtig geantwortet haben: „Vielleicht die Hälfte“. Andreas Englisch macht das immer mit einem Augenzwinkern und nie despektierlich. Manchmal glaubt man sogar eine gewisse Gläubigkeit herauszuhören, mindestens aber eine Hochachtung für die Päpste, die er persönlich kennen und schätzen gelernt hat.
Angefangen hatte alles mit einer Sprachreise nach Rom. Italienisch wollte er lernen, doch vom geplanten Kurztrip kehrte er nie wieder zurück in seine alte Heimat. Er verspürte den Zauber und das Mysterium des Kirchenstaates und so blieb bis heute dort. Andreas Englisch ist verheiratet und hat einen Sohn, der auch Teil einer seiner Geschichten war, weil dieser den Papst einmal gefragt hat, ob seine Heiligkeit ein Handy besäße. So ist Andreas Englisch von einem Bild-Sportreporter ohne jegliche Italienisch-Kenntnisse, mittlerweile zu einem profunden Kenner der Päpste und des Vatikans im Allgemeinen geworden.
Nicht umsonst ist er auch gern gesehener Gast in deutschen Fernseh-Talk-Shows. In St. Jodok ist es ihm mit seinem Vortrag gelungen, seinen einzigartigen Blick mit den vielen Besuchern zu teilen und sie an der Faszination des Kirchenstaates teilhaben zu lassen. Was für Andreas Englisch in den 80er und 90er-Jahren zuerst einfach nur ein Job war, wurde sein Leben. Und das strahlte er mit jedem seiner Sätze und Geschichten auch aus und löste mitreißend und kompetent Heiterkeit aus. Vor allem seine Berichte über die unkonventionelle und bescheidene Art von Papst Franziskus sorgten für so manchen Lacher. Ein Papst, der seine ganzen Besitztümer in zwei Koffern hat, nicht wie alle anderen Päpste der letzten 600 Jahre in den Papstgemächern mit 1997 Zimmern wohnen möchte und sich sein Essen in der Mensa selber in der Mikrowelle warm macht, ist schon etwas ganz Besonderes.
Und Papst Franziskus, berichtete der Korrespondent, käme auch sehr gut ohne Personal aus, denn sein 25 Quadratmeter großes Zimmer saugt er jeden Morgen selber, macht sein Bett und bringt die Schmutzwäsche im Kleiderbeutel zur Wäscherei. Davon dass Papst Franziskus sich damit und mit seiner Einstellung nicht nur Freunde macht, wusste Andreas Englisch mit weiteren Geschichten zu berichten. Am Ende seines Vortrages appellierte er, die deutlich spürbare Aufbruchstimmung an der Basis und damit auch den „Krieg von Papst Franziskus mit der Kurie“ zu unterstützen. „Papst Franziskus ist überzeugt davon, dass die Kirche faul geworden und in ihre Glaubenslehre verliebt ist“, so der Vatikankorrespondent. Abschließend stellte sich Andreas Englisch den Fragen der Besucher und nahm sich auch noch viel Zeit, seine Bücher zu signieren.

