
Landshut - pm (17.08.2020) Überall ist alles anders. Auch im Hospizverein Landshut. Eigentlich findet die Mitgliederversammlung des Hospizvereins traditionell im Frühjahr statt, doch heuer war der Vorsitzende Kunibert Herzing froh, dass es überhaupt Anfang August noch spontan geklappt hat.
Das wurde druch das großzügige Angebot der Ursulinen-Realschule möglich. Sie stellte dem Verein ihre Turnhalle in der Rochusgasse zur Verfügung. In dem großen Raum fanden alle BesucherInnen inklusive des Ehrengastes Oberbürgermeister Alexander Putz mit dem gehörigen Abstand von 1,5 Meter Platz.
Hart getroffen haben die Lockdown-Regeln die ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen und KoordinatorInnen des Hospizvereins: Denn gerade alte und kranke Menschen, die sie in Heimen, im Hospiz und zu Hause betreuen, wären in diesen schwierigen Zeiten mehr denn je auf Kontakt und Ansprache angewiesen gewesen – doch Corona-geschuldet war das nicht möglich.
Dank eines frühzeitigen und ausgefeilten Hygiene-Konzepts und des großen Engagements der KoordinatorInnen konnte jedoch der Beratungsbetrieb im Büro fast durchgängig aufrechterhalten werden – mit den Ehrenamtlichen als Novum teils auch via Videokonferenz. Und es gelang dem Hospizverein schneller als manch anderer Organisation, zur Normalität zurückzukehren: „Schon ab Mai durften unsere HospizbegleiterInnen wieder zu ihren Besuchsdiensten in die meisten Seniorenheime“, berichtet Vorstand Kunibert Herzing stolz und glücklich.
Rückblick im Schnelldurchlauf
Die jährliche Mitgliederversammlung ist üblicherweise auch ein recht kommunikatives Treffen. Davon war natürlich durch das „Corona-Format“ wenig zu spüren. Dafür gelang eine sehr kompakte und fokussierte Arbeitssitzung, in der die Mitglieder einen Überblick über das laufende Jahr erhielten:
Über 6.000 Stunden wurden 2019 von den aktiven Ehrenamtlichen geleistet. Sie begleiteten rund 500 Menschen in Heimen, ambulant, in Krankenhäusern und im Hospiz, informierten in 225 Gesprächen Interessierte zur Patientenverfügung. Der Höhepunkt des Jahres war der Hospiz- und Palliativtag im Juni 2019, den der Verein als Gastgeber ausrichtete und von allen Besuchern hoch gelobt wurde. Ausgebaut wurde die Trauerarbeit mit mehr Angeboten und auch Betreuung, die von den Betroffenen gut angenommen und sehr positiv bewertet wird.
Solch ein Arbeitspensum kann nur ein Verein leisten, der auf einer gesunden Basis steht: Von zwei RechnungsprüferInnen bestätigt, konnten die Mitglieder den Vorstand auch für das Jahr 2019 wieder mit gutem Gewissen entlasten und sie zeigten sich auch mit den Planzahlen des Schatzmeisters Hans Buck für 2020 voll und ganz einverstanden. Rechnungsprüfer Bernd Heinze scheidet mit dieser letzten Prüfung nach 24 Jahren aus seinem Amt aus; ihm sei herzlich für sein langjähriges Engagement gedankt. Mit Annette Homp und Helga Ruhland wurden zwei geeignete NachfolgerInnen gewählt.
Wegweisende Projekte im Corona-Jahr
Trotz der Hindernisse durch Corona hat sich im Jahr 2020 bereits einiges getan und es wird noch einiges passieren: Im Hospizgespräch am 23. Oktober wird Frau Professor Dr. Diehl-Schmid mit dem wichtigen Thema „Sterben mit und an Demenz“ zu Gast sein. Auf die Trauergruppen warten einige neue besondere Formate. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt für das Jahr 2020 ist das Projekt „Zeitintensive Betreuung“ (ZiB), das heuer durchstartet: Der Hospizverein finanziert für Seniorenheime ein Zeitkontingent explizit für menschliche Zuwendung, die sonst mangels Zeit oft zu kurz kommt. „Es nehmen vier Landshuter Heime an dem Projekt teil und die ersten Rückmeldungen sind großartig“, berichtet Herzing.
Nicht zuletzt ist das Jahr der Vorbereitung des 25. Jubiläums des Vereins im Jahr 2021 gewidmet, so dass sich Landshut wieder auf viele bemerkenswerte Projekte und Aktivitäten freuen kann.
Als gewichtigen Abschluss der Mitgliederversammlung hatte sich der Vorstand entschlossen, das im Februar ergangene Urteil des zum „Assistierten Suizid“ in der Runde mit den Mitgliedern zu diskutieren.
„Am Ende ohne Schmerzen zu sterben zu können, das ist der Wunsch wohl von allen Menschen“ erklärte Herzing zur Einleitung der Diskussion. Ob es dazu der Möglichkeit eines assistierten Suizids oder einer weiteren Verstärkung der hospizlich- palliativen Angebote bedarf, wolle der Hospizverein gerne von seinen Mitgliedern erfahren. Um dieses Thema in breiterer Öffentlichkeit zu diskutieren kündigte Herzing bereits zusätzliche Veranstaltungen im Herbst dieses Jahres an.

