
hs (30.08.2020) In der eigenen Homepage der Stadt Landshut präsentiert sich die niederbayerische Bezirkshauptstadt als Boom-Town. "Landshut boomt, da sind sich alle Experten einig," ist da in einem Beitrag der Abteilung städtische Wirtschaftsförderung zu lesen, verbunden mit einer Lageskizze der Stadt inclusive der neun unmittelbar angrenzenden Landkreisgemeinden.
Nun ja, die dort angegebenen Einwohnerzahlen der Gemeinden (von 2015) und von der Stadt Landshut (2016) sind nicht mehr aktuell. 132.030 Einwohner sind das zusammen, das ergäbe eine stattliche Großstadt. Landshut wäre damit fast auf Augenhöhe mit den Großstädten Regensburg oder auch mit Ingolstadt. - Mittlerweile (Stand Ende 2019) sind es zusammen ja bereits 137 340 Einwohner.
Landshut hatte zum 1. Januar 2020 bereits 74.420 Einwohner, ca. 10.000 Einwohner mehr als Ende 2011. Die neun Umlandgemeinden sind in der gleichen Zeit auch alle deutlich gewachsen, zusammen auf 63 340 Einwohner, nur Altdorf hatte Ende 2011 noch 36 Einwohner mehr.
Insgesamt haben die neun Umlandgemeinden seit Ende 2011 lediglich um 3 698 Einwohner zugenommen, während die Stadt Lansshut in der gleichen Zeit um 10 000 Einwohner gewachsen ist, also fast um das Dreifache. Will heißen: Die Umlandgemeinden drosseln gezielt ihr Wachstum durch weniger Baulandausweisung. Das nimmt den Druck, immer mehr Kinderhort- und Kindergartenplätze bauen zu müssen. Gleiches gitl für die Grund- und Mitttelschulen, die Freizeitmöglichkeiten und die Altenheimplätze. Andererseits ist die Baulandausweisung für die Gemeinden durchaus ein lohnendes Geschäft und die Zuzügler sind in der Regel auch sofort für die Gemeinden Steuerzahler (Anteil an der Einkommenssteuer) und sie sind für die Geschäftswelt willkommene Vebraucher.
Hier die Einwohnerzahlen der neun Umlandgemeinden Ende 2019 (in Klammern Ende 2011)
Altdorf 11 178 (11 214) - 36
Ergolding 12 720 (11 905) + 815
Essenbach 11 999 (11 313) + 686
Bruckberg 5 564 (5 030) + 534
Eching 4 142 (3 773) + 371
Tiefenbach 3 859 (3 668) + 191
Kumhausen 5 463 (5 195) + 268
Adlkofen 4 407 (3 847) + 560
Niederviehbach 4 008 (3 697)
In der Homepage der Stadt heißt es weiter: "Wie ein Magnet ziehen die Erfolgsmeldungen aus der Stadt immer mehr Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen an. Daher zählt zu den prädestinierten Aufgaben in der Stadtverwaltung auch die Förderung und Pflege der heimischen Wirtschaft. Vom Kleinunternehmer bis zum Konzern: Das erklärte Ziel ist die Stärkung der hiesigen Wirtschaftskraft, die Verbesserung des Arbeitsplatzangebots und der Ausbau der örtlichen Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen. Die Abgabenpolitik, z.B. bei den Hebesätzen der Gewerbesteuer, gilt weithin als sehr unternehmerfreundlich."
Zum Letzteren ist anzumerken, dass alle neun Umlandgemeinden weitaus günstigere Gewerbesteuerhebesätze (Ergolding z.B. nur 340 Punkte) vorweisen können als die Stadt Landshut (420 Punkte). Wie es ansonsten um die Kindergärten und Horte, die Grund-, Mittel- und weiterführenden Schulen sowie die Freizeiteinrichtungen der Stadt bestellt ist, ist eine andere Frage. Da müssen die nächsten Jahre weit über 100 Millionen Euro investiert werden. Zusätzliche Schulden sind unausweichlich. Ganz zu schweigen von den immensen Kosten für die neuen Bettentrakte des Klinikums.
Sogar die Landshuter Hochschule hat die letzten drei, vier Jahre wieder deutlich an Studierenden verloren. Waren es 2015/16 noch 5480, so sind es aktuell um ca 750 weniger. Eine außerordentliche Herausforderung für den neuen Hochschulpräsidenten Prof. Dr. Pörnbacher.
Corona-bedingt wird die Stadt heuer und wohl auch 2021 mit jeweils deutlich weniger Steuereinnahmen auskommen müssen, Wo und wie die Stadt den Gürtel enger schnallen kann und muss, wird sich noch zeigen. Die letzten sechs Corona-Monate ist die Einwohnerzahl der Stadt um ca 600 auf knapp unter 73 000 gesunken. Der bis zum Jahr 2026 gewählte Landshuter Oberbürgermeister Alexander Putz (57) ist da nicht zu beneiden. Die letzten Wochen und Monate hat er vor allem wichtige Ämter der Stadtverwaltung neu besetzt: Unter anderem für Wirtschaftsförderung (Michael Luger) sowe für Marketing und Tourismus (Michael Bragula). Ausgeschrieben wird demnächst die Leitung des Fritz Koenigmuseums. Der 39-jährige Klaus Peisinger tritt als neuer Stadtkämmerer am Dienstag, 1. September, sein Amt im Rathaus an und zum Jahresende 2020 muss auch die Leitung des Rechtsamts ausgeschrieben werden, weil der langjährig Leitende Rechtsdirektor Harald Hohn in Pension geht.
Ob die neuen beiden 2. und 3. Bürgermeister Dr. Thomas Haslinger (33, CSU) und Jutta Widmann, MdL (57, FW) an der Seite von OB Putz wesentlich neue Akzente setzen können, wird sich noch zeigen.

