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SPD&Linke/mut beantragen Umbenennung der Ina-Seidel-Straße und des Bismarckplatzes

AG SPDLinke mut

Die Mitglieder der Ausschussgemeinschaft aus SPD und Die Linke/mut

Landshut – pm (19.06.2020) Die Mitglieder der Ausschussgemeinschaft SPD&Linke/mut wollen, dass die Ina-Seidel-Straße und der Bismarckplatz umbenannt werden. Hierzu wurden zwei Anträge in den Stadtrat eingebracht. „Bismarck ist derzeit sehr umstritten und das zu Recht.“, moniert Stadtrat Gerd Steinberger:

„Immerhin hat Bismarck 1884 mit der Erklärung der Gebiete in Südwestafrika zum deutschen Schutzgebiet und dem Beginn der deutschen Kolonialherrschaft in Südwestafrika den Grundstein für den späteren Genozid ab 1904 gelegt, den Kaiser Wilhelm II. zu verantworten hat.“

Fraktionsvorsitzende Anja König wehrt sich dagegen, dass als Bismarcks großer Verdienst immer wieder die Einführung der Sozialversicherung erwähnt wird: Das war nur ein Schachzug von Bismarck, um die Widerstände der Arbeiterklasse aufzulösen und die Macht der Parteien zu beseitigen.“ Er selbst hat über die Gründe gesagt: „Mein Gedanke war, die arbeitenden Klassen zu gewinnen, oder soll ich sagen, zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte“ (Otto von Bismarck: Gesammelte Werke (Friedrichsruher Ausgabe) 1924/1935, Band 9, S. 195/196)

Er wollte so „in der großen Masse der Besitzlosen die konservative Gesinnung erzeugen, welche das Gefühl der Pensionsberechtigung mit sich bringt.“ (Zit. nach Loth: Kaiserreich, S. 68) Allerdings waren dann die Menschen erst ab der Vollendung des 70. Lebensjahres Rentenberechtigt, so dass kaum jemand in den Genuss kann. Die Einzahlung in die Sozialkassen war aber Pflicht.

„Weiterhin ist es sehr unangebracht der glühenden Verehrerin Hitlers, Ina Seidel, eine Straße zu widmen. Deshalb haben wir auch hier den Antrag gestellt dies zu ändern.“, so König weiter. „Landshut bekennt sich zu einer offenen und bunten Kultur. Dazu gehört auch, dass wir glühenden Anhänger*innen des Nationalsozialismus nicht auch noch ein falsches Denkmal setzen.“ Man braucht nicht lange im Netz suchen und findet folgende Informationen zu Seidel: Im Oktober 1933 gehörte sie zu jenen 88 Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterschrieben. Am Führerkult um Adolf Hitler beteiligte sie sich mit ihrem Gedicht Lichtdom, das in den Zeilen gipfelt: „Hier stehn wir alle einig um den Einen, und dieser Eine ist des Volkes Herz“.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm Hitler 1944 Seidel in die Gottbegnadeten-Liste (Sonderliste) unter die sechs wichtigsten zeitgenössischen deutschen Schriftsteller auf.

„Stattdessen schlagen wir vor, dass die Straße künftig Miriam-Pressler-Straße heißt.“, fordert Stadträtin Patricia Steinberger. „Miriam Pressler, die zuletzt in Landshut lebte und auch hier verstarb, war eine erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin, die mehrfach ausgezeichnet wurde.“ Pressler genieße in Landshut großes Ansehen und deshalb wäre es eine angemessene Würdigung ihrer Werke und ihres Schaffens durch die Stadt Landshut, wenn der Straßenname Ina Seidel durch Miriam-Pressler-Straße ersetzt wird.

Stadtrat Falk Bräcklein ergänzt: „Damit können wir auch ein deutliches Zeichen für alle setzen, die sich für eine friedliche und freie Gesellschaft stark machen.“ Außerdem sei eine solche Maßnahme 2012 bereits mit dem früheren Max-Dingler-Weg durch den Stadtrat umgesetzt worden.

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