Landshut - hs (09.08.2020) Am Freitag, 21. August, findet um 15 Uhr noch eine öffentliche Sitzung des Feriensenats im Rathaus statt. Der danach stets übliche Bieranstich zum Auftakt der Bartlmädult fällt ja heuer Corona-bedingt aus. - Nur noch gut 13 Monate, dann ist bereits Bundestagswahl. Überall wird ja fleißig debattiert, ob erstmals ein Kanzlerkandidat aus Bayern - Markus Söder (53) - eine echte Chance hat, um nach dann 16 Jahren Kanzlerschaft Angela Merkel (66) Bundeskanzler zu werden.
Der Bundeskanzler wird im September 2021 nicht direkt vom Volk gewählt. Direkt gewählt werden lediglich die über 700 Abgeordneten und da ist es vordergründig noch estaunlich ruhig, wer wohl für welche Partei die "Fahrkarte nach Berlin" erobern will.
Bei der CSU ist Florian Oßner (40) bereits die zweite Amtsperiode im Bundestag. Es besteht kaum ein Zweifel, dass der Dipl.-Volkswirt von den Delegierten der Kreisverbände Stadt Landshut sowie der Landkreisverbände Landshut und Kelheim wieder als Bundestagskandidat nomniert wird. Florian Oßner ist auch Kreisrat und in seiner CSU nach allen Seiten bestens vernetzt. Im Frühjahr 2020 wurde der junge Abgeordnete in den wichtigen Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags berufen. In dieser Funktion konnte er für die aktuelle Generalsanierung des Landshuter Eisstadions 2 Milliionen Euro Bundeszuschuss herausholen. Er studierte in Regensburg und auch an der Handelshochschule in Göteborg (Schweden). Beruflch war er vor 2013 im Risikomanagement der Baumaschinenfirma Caterpillar tätig.
Ähnlich dürfte es bei der FDP sein, wo Nicole Bauer (33) - wie Oßner in Velden daheim - seit 2017 Bundestagsabgeordnete ist. Ihr Wahlkreisbüro hat die Dipl.-Wirtschaftsingenieurin in Landshut (Neustadt). Bei der letzten Kreistagswahl wurde sie erstmals auch in das Kreitags-"Parlament" (70 Mitglieder) gewählt. Nicole Bauer ist wie Oßner auch Kreisvorsitzende ihrer Partei. Sie muss wohl keine Konkurrenz bei der Wahl des FDP-Bundestagskandidaten befürchten. Ihre Wahlchancen hängen in erster Linie davon ab, ob sie einen der vorderen Plätze auf der Landesliste bekommt. Im Wahlkreis kann sie zudem auf den Rückenwind von FDP-OB Alexander Putz rechnen.
Bei der SPD ist es noch recht still um das Thema Bundestagswahl. Der letzte SPD-Abgeordnete aus Landshut im Bundestag war Horst Kubatschka von 1990 bis 2005. Corona-bedingt wird wohl die Wahl des Bundestagskandidaten bzw. einer Kandidatin est im Oktober oder gar erst im November erfolgen. 2017 konnte sich die Landshuter Stadträtin Anja König (50) bei den Delegierten auf Bundeswahlkreisebene in einer Kampfabstimmung gegen die damalige Kreisrätin Filiz Cetin durchsetzen. Cetin, damals auch Gemineinderätin in Essenbach, ist mittlerweile aus beruflichen Grünen (AOK) nach Bad Tölz umgezogen, wo sie für die Wahl am 15. März 2020 SPD-Landratskandidatin war. Sie schaffte es jedoch lediglich in den Bad Tölzer Stadtrat.
Bei den Grünen ist seit 2017 der Straubinger Erhard Grundl der einzige niederbayerische Bundestagsabgordnete. Der ausgewiesene Kulturpolitiker, in Straubing selbst auch Stadtrat und besonders als Stadionsprecher des dortigen Eishockey-Erstligisten bekannt, wird wohl erneut Bundestagskandidat werden. Vor ihm war acht Jahre lang der Landshuter Thomas Gambke der einzige Abgeordnete aus Niederbayern im Bundestag. Die Grünen haben ja beständig gute bis sehr gute Umfragewerte, auch in Bayern, da könnten für Niederbayern sogar zwei grüne Bundestagsmandate im September 2021 herausspringen. 2017 kandidierte im hiesigen Bundeswahlkreis Landshut/Kelheim die Altdorfer Kreisrätin Petra Seifert. Das Bundestagsmandat ging jedoch nach Straubing.
Sigi Hagl (53) hat als Spitzenkandidatin bei der jüngsten Stadtratswahl die Grünen erstmals mit elf Sitzen zur stärksten Gruppierung vor der CSU (nur mehr 10 Sitze) gemacht. Sie kam zudem auch gegen den CSU-Mibewerber Dr. Thomas Haslinger in die OB-Stichwahl mit "Titelverteidiger" Alexander Putz (FDP). Somit ist eigentlich davon auszugehen, dass Sigi Hagl als gelernte Politologin das Bundestagsmandat anstrebt. Nicht zuletzt war sie ja auch zwei Amtsperioden lang grüne Landesvorsitzende und gilt als enge Vertraute des Bundesvorsitzenden und potentiellen Kanzlerkandidaten Robert Habeck (50).
Alternativ wird bei den Grünen aber auch die neu in den Landshuter Kreistag gewählte Marlene Schönberger gehandelt, gemeinsam mit Frank Steinberger (Gatte von MdL Rosi Steinberger) das grüne Sprecherduo auf Kreisebene. Im Kreistag ist die Politikwissenschaftlerin A.M. Co-Fraktionschefin der Grünen. Daheim in Adlkofen gehört Marlene Schönberger auch dem Gemeinderat an. Sie gilt als in der Wolle gefärbte Grüne, hat bereits Erfahrung als Landtagskandidatin 2018 im Stimmkreis Dingolfing-Landau-Vilsbiburg und ist in vielen Organisationen engagiert.
Bei der AfD wird Günter Sraßberger, am 15. März erstmals in den Stadtrat gewählt (Fraktionschef) nicht mehr als Bundestagskandidat zur Verfügung stehen. Das ließ er uns auf Anfrage wissen. Es ist davon auszugehen, dass einer der fünf neu in den Landshuter Kreistag gewählten AFD-Kreisräte zum Bundestag kandidiert. Einziger niederbayerischer AfD-Bundestagsabgeordneter ist Stefan Protschka (42), daheim in Mamming (Landkreis-Dingolfing-Landau).
Bei den Linken ist auch noch kein Bundestagskandidat in Sicht. Sie schafften ja zusammen mit der Mut-Partei erstmals ein Landshuter Stadtratsmandat (Falk Präcklein). Wie heute auf allen Kanälen gemeldet wird, streben die Linken bei der Bundestagswahl 2021 zusammen der SPD und den Grünen eine Koalitionsregierung an, wenn es sein muss auch mit einem grünen Bundeskanzler Robert Habeck an der Spitze.

