Bayern - pm (27.08.2026) Der Grünen-Abgeordnete Toni Schuberl hat sich mit Max Josef Strauß, dem ältesten Sohn von Franz Josef Strauß, für ein Gespräch getroffen. Daraus sind zwei Videos entstanden. Das Erste haben wir soeben veröffentlicht, das Zweite folgt nächste Woche. Das Video finden Sie hier: https://youtu.be/GXEiGtBxJqc?is=QvV4n0l9A4UuZ0Uu
Auch wenn sich Franz Josef Strauß zur aktuellen Staatsregierung nicht mehr äußern kann, so gibt das Gespräch mit dessen ältesten Sohn doch einige spannende Einblicke in den Politikstil des legendären CSU-Politikers. Gemeinsam versuchen Schuberl und Max Josef Strauß sich der Frage anzunähern, was FJS zu Markus Söder, der heutigen CSU und angesichts der Probleme im Land sagen und tun würde.
Schuberls Fazit: „Ich bin kein Fan von Franz Josef Strauß, aber über das Gespräch mit Max Josef Strauß habe ich mich sehr gefreut. Es ist doch spannend, dass auch ihm die oberflächliche Politik von Markus Söder stört und dass er glaubt, dass sein Vater es ganz anders machen würde. Da lohnt sich schon ein Blick in die Vergangenheit, um zu lernen, was wir in der Zukunft wieder besser machen können.“
Auf folgende Zitate aus dem Video möchten wir Sie besonders aufmerksam machen:
Max Josef Strauß (ab 00:09:36):
"Schönstes Beispiel: 'Söder frisst'. [...] Wir versuchen derzeit den Bürger mit Nettigkeiten zu überzeugen anstelle mit Inhalten. Also früher zu Vaters Zeiten hat es die Homestorys gegeben. Heute ist Facebook eine permanente Homestory."
Max Josef Strauß (ab 00:10:13):
"Die CSU ist jetzt [...] nach dieser katastrophalen Wahl nicht in der Lage, einfach mal kritisch zu sagen: 'So, okay, das haben wir falsch gemacht', sondern generell: 'Wir müssen fester zusammenhalten.' [...] 'Mia san mia, wir sind die Größten, wir sind auch so erfolgreich.' [...] Das hat mein Vater nie gesagt."
Toni Schuberl (ab 00:16:54):
Max Josef Strauß:
"Ich war ja zu Beginn meiner Tätigkeit im Landtag eigentlich fast ein Fan von Söder.Weil der Dinge angesprochen hat, die ich für richtig gehalten habe. Bis ich gemerkt habe, dass er das nur sagt, aber nicht tut. Und bis ich gemerkt habe, dass er nur das tut, was die Umfragen sagen.“
"Genau. Wissen Sie, wie das bei meinem Vater mit Umfragen war? Die hat er sich kurz angeschaut und die lagen irgendwo bei uns in der Wohnung rum. Deswegen kenne ich sie ja. Das war für ihn ein gewisser Hinweis. Aber mehr nicht."
Max Josef Strauß (ab 22:04):
Toni Schuberl:
Max Josef Strauß:
"Was mein Vater nicht weitergegeben hat, war die Schule, nach der er regiert hat. Und das ist heute völlig anders, ja. [...] Und das ist das, was heute seine Legende ausmacht, ja. Weil er unmittelbar zugepackt hat. Und wenn er von irgendeinem Bürger gehört hat, da passiert was, was nicht in Ordnung ist, dann ist der dem nach. Ja, und zwar in jedem einzelnen Fall.
"Und was würde Ihr Vater über die Politik in Bayern heute sagen?" [...]
"Ich glaube sozusagen, dass er das ganz stark vermissen würde, dass man sich mit den Problemen im Einzelnen befasst und genau ist. Weil er war de facto eigentlich, solange ich ihn kannte, auch Regierungschef in Bayern."
Max Josef Strauß (ab 00:52:27):
"Weil wir müssen ja schauen, dass die Automobilindustrie bestehen bleibt. Wäre mein Vater Ministerpräsident, würde ich stark vermuten, dass es eine Gesprächsrunde in der Staatskanzlei gäbe. Mit genau diesem Inhalt: Was können wir überhaupt tun? Und ich glaube auch, dass mein Vater in Einzelfällen das Telefon nehmen würde und den Chef von BMW anrufen würde. [...] Also ich höre bei Herrn Aiwanger ja, dass er intensiv um die Hirschbrunft und ums Gendern besorgt ist. Und bei der Automobilindustrie höre ich immer wieder, dass der Bund schuld sei.“
Max Josef Strauß (ab 00:27:01):
"Also Abschiebung von Ausländern, nur um des Abschiebens willen, selbst wenn die bei uns gut integriert sind, da sage ich nein. [...] Und mein Vater hat [...] sich massiv für die Flüchtlinge eingesetzt. [...] Also das heißt, eine unmenschliche Politik gegenüber Flüchtlingen würde mein Vater nie mitmachen. Ginge vom Grundsatz her nicht. Und deswegen: Er wäre garantiert gegen die AfD. Also wie die vor Putin kriechen, also das geht überhaupt nicht."
Max Josef Strauß (ab 00:03:31):
"Ich stelle fest, dass das gesamte Betriebssystem der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr funktioniert. Wir haben Systeme aus den 90ern und wir machen jetzt auch Reformen, wie man sie in den 90ern gemacht hat. [...] Ich könnte den jetzt vorgeschlagenen Reformen als Christ und CSU-Politiker nicht zustimmen. Wenn wir die beitragsfreie Versicherung von Kindern und Ehefrauen in der gesetzlichen Sozialversicherung, also bei den gesetzlichen Krankenkassen, wenn wir das aufheben, hauen wir mit einem Schlag diesen Familien eine große Kostenbelastung drauf. Und klar gesagt, da geht es bei mir an die Grenze."
Max Josef Strauß (ab 01:03:57):
"Und deswegen, ich sage ja, die Bundesrepublik Deutschland, da stimmt das Betriebssystem nicht mehr. Das gleiche können Sie in der Sozial- und Gesundheitspolitik sagen. Da macht man jetzt wieder Rasenmäherstreichung. Da genügt der Gärtner, da brauche ich keinen Politiker. Dann setze ich einen Beamten hin und sage: ‚Wir machen jetzt einfach bei jedem 10% weniger.‘ Also das ist dann der Verzicht auf Politik."

