
Landshut - pm (07.02.2022) Am Samstag (05.02.) gegen 12 Uhr kamen über 160 Menschen zur Kundgebung gegen die Abschiebung nach Sierra Leone in der Altstadt zusammen. Mit dabei waren Betroffene, Aktivist*innen, Kirchen, Stadträt*innen und Parlamentarier*innen aus ganz Bayern. Darunter ein Vertreter der evangelische Kirche Landshut, das Sierra Leone Protestcamp München, der Integrationsbeirat Landshut, Refugee Struggle Bayern, der Sierra Leone Landshut Verein, FridaysforFuture, Seebrücke und viele mehr.
Sie alle forderten unter anderem ein klares Nein gegen die Abschiebung der Landshuter Mitbürger*innen aus Sierra Leone, sowie ein allgemeines Umdenken in der aktuellen Asylpolitik. Warum Landshut gerade auch ein Fokus innerhalb dieser Proteste hat, liegt sowohl an den berichteten schlechten Bedingungen in der Geflüchtetenunterkunft an der alten Kaserne, sowie der Situation um die Sierra Leone Fußballmannschaft aus Landshut. Diese erhielten Ende des Jahres 2021 den niederbayerischen Integrationspreis, doch kurz danach bekamen fast alle der Spieler einen Abschiebebescheid.
Die unmittelbar drohende Abschiebung verzögert sich momentan, wie es scheint. Doch die tägliche Angst der Menschen aus Sierra Leone, dass sie abgeschoben werden, ist ihre ständige Begleiterin. Gleichzeitig berichten die Betroffenen, davon, dass sie trotz deutscher Schul- und Berufsausbildung kein Beschäftigungsrecht bekommen. Für viele ist sogar die Ausbildung selbst nicht gestattet. So wurde auf der Kundgebung am Samstag nicht nur sichere Fluchtwege und ein Bleiberecht, sondern auch ein Ausbildungs- und Beschäftigungsrecht für alle Geflüchteten gefordert. Die Seebrücke Landshut und FridaysforFuture Landshut machten in ihren Reden klar dass Landshut dazu ein sicherer Hafen werden soll. „Die Stadt soll im Namen ihrer Bürger*innen die Entkriminalisierung der Seenotrettung und neue staatliche Rettungsmissionen fordern. Sie heißen Geflüchtete in ihrer Mitte willkommen - und sind bereit, mehr Menschen aufzunehmen, als sie müssten. Gemeinsam bilden die Sicheren Häfen eine starke Gegenstimme zur Abschottungspolitik der Bundesregierung – laut, unbequem und medienwirksam.“, heißt es in den Reden.
Das dies aber nicht nur für die sogenannten „gut integrierten“ Geflüchteten gelten soll machen weitere Redner*innen auch klar. Ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben alle Menschen, nicht nur die, die es unter diesen Bedingungen schaffen eine fremde Sprache zu lernen, oder einen Job zu bekommen. „Wir fordern ein Bleiberecht für alle Menschen, egal ob sie mit einem Integrationspreis ausgezeichnet wurden oder nicht – Landshut muss endlich sicherer Hafen werden!
Der Globale Norden ist verantwortlich für zahlreiche Fluchtursachen, sei es durch jahrhundertelange Unterdrückung, Waffenexporte an Diktaturen, die Verschärfung der Klimakrise oder neokoloniale ausbeuterische Strukturen. Dennoch werden die Geflüchteten häufig selbst für das Elend, dem sie zu entkommen versuchen, verantwortlich gemacht.
Wir fordern Fluchtursachen bekämpfen statt Geflüchtete!“, hallt es durch die Straßen am kühlen, aber schönen Samstag Mittag. Und auch nicht zum letzten Mal.
Die Kundgebung ist erst der Beginn einer Reihe an Protesten, die auch an das, seit letzten Herbst bestehende, Sierra Leone Protest Camp in München, anknüpft. Auch in Landshut wird es weitere Kundgebungen und offene Austauschtreffen geben.

