Nein, Herr Meindl

Ihre Zustandsbeschreibung ist OK, Herr Meindl. Aber, bei allem Respekt: Dass diese Zustände von Hans Rampf begonnen oder gar verursacht wurden, das halte ich doch für eine falsche und sehr oberflächliche Sicht. Ein späterer Uniprofessor (selber CSU) hat in seiner Habilitationsschrift die CSU identifiziert als eine Agglomeration von Klientelgruppen von zum Teil sehr heterogener Art (Städter, Landleute, Klerikale, Unternehmer, Öffentlicher Dienst, usw.). Das funktionierte so lange, wie es im Prinzip wirtschaftlich stets bergauf ging: Man brauchte nur dafür zu sorgen, dass alle Gruppen vom Zuwachs so viel abbekamen, dass ihre Repräsentanten damit einverstanden sein konnten. Im Übrigen nahm man mancherorts Schulden auf, dass es nur so krachte, und redete sich mit windigen Ausflüchten ein gutes Gewissen ein. Inzwischen ist das alles sehr, sehr viel schwieriger geworden. "Christlich" kann man als Politik-Banner kaum noch verwenden, ein Trend, der z.B. in Frankreich und GB schon längst vollzogen ist. Wer dort mit "christlich" Politik machen will, wird in die parteiinterne Besenkammer gesperrt. "Konservativ" ist in diesem Land längst ein windelweicher Begriff geworden (siehe die Verrenkungen der CDU/CSU bei allen möglichen Themen). Wer aber versucht, den Harten und Autoritären von Anno Dunnemals zu geben, wird sein blaues Wunder erleben, solange die Demokratie noch funktioniert. Kurz und gut: Eine einst durchkorporierte Allethemen- und Alleleute-Abdeckpartei wie die CSU ist in mindestens so großen Schwierigkeiten wie die SPD, auch wenn deren Probleme teilweise anderer Art sind. Wer heute die Wähler nicht mit persönlicher und sachlicher Integrität überzeugen kann bzw. derlei nur vorspielt, der hat es zu Recht ungleich schwerer als seine politischen Ahnen. Und einen schnellen und überzeugenden Ausweg daraus gibt es auch nicht. (Übrigens kann nur ein Narr es für gut halten, wie die CSU sich zur Zeit überall selber zerlegt.) - gez. Max Geltinger