Energiewende

Sehr geehrter Herr Dr. Gambke, nachdem wir nun seit Jahren mit einer Fülle von einfachen und polarisierenden Aussagen "informiert" werden, wie zum Beispiel "sonst wird die Rechnung der Energiekonzerne aufgehen und sie werden mit Merkel und Seehofer die Wiederauferstehung von Kohle und im schlimmsten Fall sogar der Kernkraftwerke feiern", möchte ich doch ein paar Fragen stellen: 1. Ist es nicht so, daß gerade die Grünen sich bei jedwedem Bauprojekt auch zur Förderung des Umstiegs (Pumpspeicherkraftanlagen, Stromtrassen usw.) populistisch an die Spitze des lokalen Widerstands setzen? Halten Sie diese Widerstände von anderen Parteien oder den Energiekonzernen gesteuert? Bedienen Sie hier nicht ein etwas schlichten Feindbild?

2. Glauben Sie wirklich, daß die Energiekosten hauptsächlich wegen der steigenden Preise für fossile Brennstoffe steigen und nicht wegen der immensen Subventionen (oder wie es Ihr Kollege Steinberger "Umlage" nennt) für die erneuerbaren Energien? Sicher stimmen Sie mit mir überein, daß zur Realisierung eines Vorhabens, wie Sie es gelassen ausgesprochen haben, nämlich den "angebotsabhängigen Verbrauch marktwirtschaftlich zu organisieren" endlich auch Wissenschaftler und Ingenieure mit in die Diskussion einbezogen werden müssen, damit diese nicht nur von Ideologen und Moralisten geführt wird.

3. Was halten Sie im Zusammenhang mit Ihrer Wahlaussage von der Position Ihres Koalitionspartners SPD zu Kohlekraftwerken? Aus der aktuellen FAZ: "SPD fordert acht bis zehn Kohlekraftwerke. 18.04.2011 · Mit Gaskraftwerken und modernen Kohlekraftwerken will die SPD mittelfristige Versorgungssicherheit gewährleisten."

4. Haben Sie nicht auch Verständnis dafür, daß die Landesregierung die Nöte und Ängste von Betroffenen wahrnimmt, denen man den Rest Ihres Lebens riesige Windkraftanlagen vor das Wohnzimmerfenster setzen möchte? Bei anderen Industrie- und Infrastrukturmaßnahmen ist Ihre Toleranzgrenze bekanntermaßen sehr viel niedriger gelegt - mit sofort einhergehenden organisierten Widerständen. Zum Schluß noch ein kleiner Gedanke von mir. Wenn uns die Geschicht etwas lehren kann, dann die Erkenntnis, daß Ideolgie in Verbindung mit Intoleranz und Missionierungswahn immer nur Unglück über die Menschheit gebracht hat. Immer wenn Ideologen die Probleme der Menschheit lösen wollten ist schief gegangen. - gez. Alexander Igl