Ich würde ja Herrn Steinbrück gerne diese Frage stellen: "Sehr geehrter Herr Steinbrück. Wie sehen Sie eigentlich Ihre folgenden Aussagen heute: 1. "Man darf die Starken in ihrer Leistungswilligkeit nicht so provozieren und so verprellen, dass sie den Solidarvertrag aufkündigen."(2011, auf ntv) - 2. "Die SPD muss auch auf die Interessen jener achten, die jeden Tag arbeiten gehen und das erwirtschaften, was verteilt werden kann." (2010, Handelsblatt) - 3. "Ich bin für die Rente mit 67, schlicht, weil es anders nicht geht. Die Demografie lässt sich nicht überlisten." (2011, Deutsche Handwerks Zeitung) - 4. "Im übrigen bin ich skeptisch, was die Einführung eines gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohns angeht. Ich sehe einfach nicht, wie der funktionieren soll." (2006, Bild am Sonntag) - 5. "Zurück zum Mythos der zu geringen Besteuerung der 'Reichen'. Auch er verliert seine Ausstrahlung durch trockene Statistik. Das oberste Einkommensfünftel leistet 68 Prozent aller Steuerzahlungen. Die unteren 50 Prozent aller Einkommensteuerpflichtigen tragen hingegen gerade einmal 6,5 Prozent und die untersten 20 Prozent lediglich 0,1 Prozent zum Steueraufkommen bei. Soll man das einen verteilungspolitischen Skandal nennen?" (2010, Unterm Strich) - 6. "Soziale Gerechtigkeit muss künftig heißen, eine Politik für jene zu machen, die etwas für die Zukunft unseres Landes tun, die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitsplätze schaffen, kurzum, die Leistung für sich und die Gesellschaft erbringen. Um die - und nur um sie - muss sich Politik kümmern." (2003, Die Zeit) - Jedenfalls hat noch kein Politiker innerhalb so weniger Jahre seine wirtschafts- und steuerpolitischen Überzeugungen so über Bord geworfen, wie er. Man findet zwischen den Versionen Steinbrück 1.0 und Steinbrück 2.0 kaum noch Gemeinsamkeiten. - gez. Alexander Putz

