Eine „ziemlich unerwartete Reise“ nennt Emani Sims das, was mit ihrem Leben passiert. Damit meint die amerikanische Mittelblockerin nicht den Aufenthalt in Vilsbiburg, wo sie in der neuen Saison die Roten Raben verstärkt, sondern ganz allgemein die Tatsache, dass sie Profivolleyballerin geworden ist. Denn danach sah es lange Zeit nicht aus – erst „mit 15 oder 16“ begann sie mit dieser Sportart, nachdem sie sich bis dahin dem Basketball und vor allem der Leichtathletik in unterschiedlichen Facetten („Hochsprung, Weitsprung, Sprint – meine Lieblingsdisziplin waren die 200 Meter“) hingegeben hatte.
Spät, aber ganz offensichtlich früh genug schob sich Volleyball als Sportart Nr. 1 ins Leben von Emani Sims, die vor 23 Jahren in Skokie/Illinois geboren wurde, einem Vorort von Chicago mit der ungefähren Einwohnerzahl von Landshut. Sie hatte enormes Talent, wurde in ihren fünf Jahren an der Universität von Miami zielstrebig gefördert und mit Blick auf ihr großes Potenzial ermutigt, eine Profilaufbahn einzuschlagen.
Und so führte die ziemlich unerwartete Reise ihres Lebens Emani Sims nach Vilsbiburg. Nach einer (privaten) Europa-Tour im letzten Jahr mit Abstechern nach England, Frankreich, Holland und Irland setzte sie am 23. Juli bei ihrer Landung am Münchner Flughafen zum ersten Mal einen Fuß auf deutschen Boden – und genießt seitdem den Aufenthalt in good old Germany. „Es ist gut und wichtig“, sagt Emani Sims, „dass man aus seiner Komfortzone rauskommt.“ Wer in der Welt herumkomme, fügt sie hinzu, „lernt viel über andere Länder, über andere Menschen und auch über sich selbst“.
Bei den Roten Raben, sagt sie, gefalle es ihr richtig gut: „Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden, alles ist sehr gut organisiert.“ Das Training sei enorm anspruchsvoll, was gerade ihr als volleyballerischer Spätstarterin zugutekomme: „Ich lerne ja immer noch.“ Dies gilt auch für die neue Sprache – dreimal die Woche sitzt Emani mit Teamkolleginnen im Deutsch-Kurs. Wenn sie darüber hinaus Zeit hat, schreibt sie gern, zum Beispiel einen eigenen Blog. Auch für Mode interessiert sie sich.
Und sie sei ein Familienmensch, erzählt Emani, die einen Bruder und eine Schwester hat, 8 bzw. 16 Jahre älter. Für den Dezember hat sich schon Besuch aus Illinois angekündigt – dann kommen ihre Eltern nach Niederbayern, gemeinsam mit Emanis Oma, die dann nach 82 Jahren zum ersten Mal die USA verlässt, um ein Volleyballspiel ihrer Enkeltochter zu sehen und mit ihr Weihnachten in Vilsbiburg zu feiern. Möglicherweise eine ziemlich unerwartete Reise für die stolze Grandma...

