Landshut - pm (29.01.2022) Bei der Fußball-WM gibt es mindestens 80 Millionen „Nationaltrainer“ in Deutschland, die es besser wissen. Aber Trainer für Choreografie und Vorführungen? Das ist eher unbekannt. Die jungen Übungsleiterinnen Tanja Schedlbauer und Stephanie Neupert (li.) führen seit einigen Jahren sehr erfolgreich und mit viel Herzblut das Showteam INTOXICATION des ETSV 09 Landshut.
Im Herbst haben sie den Trainerschein B für diese Sportart abgelegt. Nun starten sie mit neuer Dynamik in das Jahr 2022.
Das Showteam vereint Tanz, Akrobatik und Choreografie zu einem harmonischen Ganzen. Oft erzählen die Aufführungen Geschichten, so wie etwa bei der Vereinsgala, als das Showteam Alice durch das Wunderland begleitete. Der Reiz der Sportart liegt in seiner Vielfalt. Die Mitglieder des Teams kommen meist aus den Sportarten Turnen und Leichtathletik, aber auch aus Handball, Parkour und Kraftsport.
Denn für ein erfolgreiches Showteam werden die unterschiedlichsten Talente und Fähigkeiten gebraucht: Koordination, Ausdauer, Rhythmik, Ausdruck und Kraft und Poesie.
Stephanie Neupert und Tanja Schedlbauer konnten aus der Trainer-Ausbildung wichtige Impulse mitnehmen: So lernten sie z.B., dass es zu bestimmten Zeitpunkten gar nicht die große Artistik sein muss: „Manchmal verkünstelt man sich gerne. Dabei reichen oftmals ganz einfache und kleine Bewegungen und
Aufstellungen aus, um die Aufführung besonders zu machen.“ Wichtig war die Ausbildung auch, um Kontakte zu knüpfen: „Es ist immer gut, wenn man sich ein kleines Netzwerk aufbauen kann.“ Beide sind zuversichtlich, mit den neugewonnen Erkenntnissen nicht nur das Team als Ganzes voranzubringen, sondern auch jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer die Möglichkeit zu bieten, ihr oder sein individuelles Talent weiterzuentwickeln.
Gemeinsam mit dem Team hoffen sie, an die alten Erfolge anknüpfen zu können: Unvergessen ist z.B. die Teilnahme am BLUME-Festival auf Gran Canaria. 2022 soll es zur GYMNAESTRADA nach Finnland gehen. Jugendliche und Kinder, die Lust auf Tanz, Akrobatik und Show haben, sind eingeladen, auf der
Homepage des Showteams INTOXICATION oder ihren Instagram und Facebook-Kanal vorbeizuschauen.
Interview mit Stephanie Neupert und Tanja Schedlbauer,den neuen Trainerinnen des ETSV 09 Landshut
Der Leser und die Leserin würden gerne ein paar „harte Fakten“ wissen: Name, Alter, Beruf.
Tanja Schedlbauer, 26 Jahre. Pädagogische Fachkraft im Kreisjugendring Landshut (Sozialpädagogin), Trainerin Showteam Intoxication
Stephanie Neupert, 28 Jahre, Pädagogische Fachkraft im Stadtjugendring Landshut (Sozialpädagogin),
Trainerin Showteam Intoxication
Welchen Sport treibst du? Warum gerade diesen?
Tanja: Leichtathletik und Turnen: Die Sportarten haben mir bereits im Grundschulalter großen Spaß gemacht. Das Turnen habe ich dabei stets als gute Körperschulung und Grundlage gesehen. Im Leichtathletik dagegen bin ich schnell in den „Leistungssport“ übergegangen und habe meine Erfahrungen im Bereich Wettkampf sammeln können. Heute sehe ich Leichtathletik als gute Möglichkeit, allgemein fit und gesund zu bleiben und sich so richtig auszupowern. Gleichzeitig ist es im Showteam sehr nützlich, wenn es um Kraft und Ausdauertraining geht (*lacht*). Das Turnen habe ich stets zusätzlich betrieben und
besonders im Zusammenhang mit Show und Aufführungen hat mich die Vielfalt des Sportes absolut fasziniert. Ich bin aktuell überwiegend als Trainer und nicht als Sportlerin im Showteam tätig, da es einfach schwierig ist, Choreografien zu verbessern und zu optimieren und gleichzeitig selbst auf der Fläche zu stehen und aktiv mit zu machen.
Steffi: Tanzen: Seit ich klein bin, bin ich im Tanzen und Turnen aktiv. Ich habe schon Jazz getanzt, war über lange Zeit in einer Showtanzgruppe und tanze auch so für mein Leben gerne. Tanzen bedeutet für mich, in eine andere Welt zu entfliehen, die eigenen Sorgen zu vergessen und sich in musikalische Welten begeben. Emotionen spüren und Erleben und mal jemand ganz anderes sein. Das ist Tanzen für mich. Früher habe ich gern alles Mögliche ausprobiert: Basketball, Volleyball, Handball. Mit dem aktiven Turnen musste ich wegen meinem Rücken leider aufhören.
Was war oder ist deine größte sportliche Vision?
Tanja: Schwierige Frage. Meine sportlichen Laufbahn hatte viele Höhen und Tiefen. War und ist geprägt von Erfolgen, Misserfolgen, Ehrgeiz, Verletzungen, aber auch Teamgeist, Zusammenhalt und viel Spaß! In meiner Funktion als Trainer ist es mir nun wichtig, die Vielfalt, den Spaß und die Freude an dem Sport zu vermitteln, aber die Gruppe auch immer wieder zu fordern und dazu zu bringen, über sich selbst herauszuwachsen. Der TeamZusammenhalt, das Vertrauen in sich selbst und in die Teammitglieder sind dabei wichtigste Bausteine.
Steffi: Da stimme ich Tani definitiv zu. Gleichzeitig geht es nicht nur um das gesamte Team, sondern auch um jeden individuell. Was kann man selbst zum Team beitragen? Dabei kann man so viel über sich selbst und die eigenen Stärken lernen. Daher wünsche ich mir, dass wir es als Trainerinnen schaffen, auch die eigene persönliche Entwicklung aller Teilnehmer*innen zu fördern.
Was ist ein „Showteam“?
Ein Showteam ist die Bezeichnung für eine Gruppe, die bei Shows den Rahmen mitgestaltet und selbst Teil der Show ist. In unserem Fall sind wir ein Team, das aus 27 aktiven Sportler*innen besteht und uns beide als Trainerinnen hat. Neben dem Turnen verbinden wir Tanz, Akrobatik und Gymnastik in unseren Shows.
Welche Bedeutung hat die Tätigkeit als Übungsleiterin und Trainerin in deinem Leben?
Steffi: In unserem Leben nimmt die Tätigkeit als Trainerin einen sehr großen Platz ein. Gerade mit dem Showteam sind wir beide mindestens 10 Stunden die Woche beschäftigt. Uns ist es auch wichtig, dass wir die Zeit haben, das neben dem Beruf als Ausgleich so durchziehen zu können. Das Team zu sehen, wie es sich entwickelt hat, wie wir den einzelnen Leuten helfen können, weiter an sich zu wachsen, das macht den Reiz aus und es freut uns natürlich immer, wenn wir als Team noch einen Schritt weiter in eine neue Richtung gehen. Den Teilnehmer*innen diese Möglichkeit geben zu können, erfüllt uns schon mit Stolz und auch mit Neid, denn wir hätten so etwas früher auch richtig gerne gehabt (lacht). Aber die leuchtenden Augen des Teams bei einem Erfolg gleichen das schon wieder aus (grinst).
Was genau ist der Trainerschein?
Ein Trainerschein qualifiziert ehrenamtlich Tätige in einem bestimmten Bereich inhaltlich weiter. Tanja und ich haben den Trainer B Choreografie und Vorführungen im Oktober abgeschlossen. Das beinhaltete ein mehrteiliges inhaltliches Unterrichtsmodul, sowie eine Prüfung, die in unserem Fall das Erstellen einer eigenen Choreografie beinhaltete.
Was erwartest du dir vom Trainerschein?
Tanja: Nun ja, der „Schein“ selber ist nicht das Wesentliche. Aber die Lerninhalte haben uns durchaus noch einmal guten Input gegeben und uns geholfen, neu auf das Erstellen von Choreographien und Shows zu blicken. Manchmal verkünstelt man sich gerne. Dabei reichen oftmals ganz einfache und kleine Bewegungen und Aufstellungen aus, um das Aufführung besonders zu machen.
Steffi: Gleichzeitig waren es auch die neuen oder intensivierten Kontakte beim Lehrgang, die wir definitiv als gewinnbringend sehen. Es ist immer gut, wenn man sich ein kleines Netzwerk aufbauen kann.
Kannst du von Frust und Opfer bei der Tätigkeit als Übungsleiterin berichten?
Tanja: Natürlich gibt es gelegentlich auch nicht so schöne Momente. Manchmal muss man als Trainer einfach Entscheidungen treffen, die vielleicht nicht jedem gefallen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, wer als Ersatz in der nächsten Choreo eingesetzt wird und wer als „Stammakteur“ dabei ist. Der zeitliche Faktor ist natürlich häufig ebenfalls belastend. Besonders da wir beiden unsere Trainertätigkeiten nicht als „nur ein Ehrenamt“ ansehen. Es ist für uns mehr ein Nebenjob, vom zeitlichen Aspekt her gesehen. Wir stecken sehr viel Herzblut rein und möchten unserem Team möglichst viele Erfahrungen und Möglichkeiten bieten, sich auszuprobieren. Das ist oftmals schwierig. Aber das ist es immer wieder wert. Den Spaß, den wir im Team haben, ist einfach wunderbar!
Steffi: An der Stelle kann ich mich nur anschließen. Oft sind es einfach so viele Dinge, die laufen, oder Stunden, die in die Vorbereitung fließen, ohne dass es jemand mitkriegt. Aber wir würden das nicht machen, wenn wir nicht voll dahinter stehen würden, also ist das schon okay. (*grinst*)
Gab oder gibt es Highlights in dieser Tätigkeit?
Steffi: Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Seit wir uns gegründet haben, jagt ein Highlight das nächste. Ich würde sagen, jede Gala ist ein Highlight und dann natürlich der Wettkampf in Schweinfurt auf dem Landesturnfest mit dem anschließenden Gewinn, der Teilnahme am BLUME-Wettbewerb in Gran Canaria. Ebenso die Auszeichnung mit dem Landshuter Jugendpreis für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit 2017. Das war eine große Ehre für mich, für mein Engagement auch noch einen Preis zu erhalten.
Tanja: Da schließe ich mich Steffi an. Wir haben sehr viel in der kurzen Zeit erreicht und da DAS Highlight auszumachen ist schwer. Wir haben das Team so ins Herz geschlossen und wir fühlen uns beide einfach richtig wohl im Bereich Show und Aufführungen. Auch ich durfte mich dann 2020 sehr über die Auszeichnung mit dem Landshuter Jugendpreis für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit freuen.
Was würdest du jungen, sportbegeisterten Menschen, die sich eventuell für die Bereiche Showteam, Akrobatik und Choreografie interessieren, gerne mitteilen?
Steffi: Wenn ihr Lust habt, Teil des Showteams zu werden, schaut euch doch mal unsere Homepage oder unsere Social Media Kanäle (Instagram oder Facebook) an. Dann könnt ihr schon mal schauen, was wir machen. Wenn ihr gerne choreografiert, dann scheut euch nicht davor, das mal mit einer kleinen Gruppe auszuprobieren. Wir beide haben auch im Kindergarten angefangen, uns Aufführungen zu überlegen und vorzuführen und man lernt nie aus.
Tanja: Es gibt so viele Möglichkeiten im Bereich Turnen, Akrobatik und Tanz. Da ist es häufig schwer, sich überhaupt für etwas zu entscheiden! Wenn du Interesse an unserem Showteam hast, ist es nicht verkehrt zumindest gewisse Vorkenntnisse im Bereich, Tanz, Turnen oder Akrobatik zu haben. Aber auch Neulinge
können gerne zum Probetraining kommen. Oftmals hat man versteckte Talente, die nur noch nicht zum Vorschein gekommen sind.

