Landshut - pm (07.06.2020) Am Samstag demonstrierten am Dreifaltigkeitsplatz circa 30 Menschen. Sie widersprachen dem oft zitierten Satz "vor dem Virus sind alle gleich". Denn Menschen, die sich bereits vor dem Ausbruch des Virus in prekären Zuständen befanden, würden durch die Maßnahmen noch stärker getroffen. Stattdessen stand die Demonstration für Solidarität und gerechte Umverteilung.
So wurde von Fridays for Future Landshut ein ökologischer und sozialer Wirtschaftsumbau durch die Konjunkturpakete gefordert. Eine Geflüchtete aus Landshut berichtete über die Situation in der Gemeinschaftsunterkunft, in der Hygienemaßnahmen nicht umsetzbar sind, weshalb alle 400 Personen in der Unterkunft unter Quarantäne gestellt wurden.
Der DGB-Jugendsekretär erklärte die Wichtigkeit von internationaler Solidarität und Seenotrettung und wies gleichzeitig auf die großen
Ungerechtigkeiten von Arbeitsverhältnissen hin - in diesen Tagen seien starke Gewerkschaften wichtiger denn je.
Auch wurde kritisch über andere Corona-Demos in Landshut berichtet. Zwar sind die Besucher*innen sehr bunt zusammengewürfelt. Allerdings wird Rechten und Verschwörungstheoretiker eine Bühne geboten. So verweist man in den Flyern auf KenFM, eine populistische Website, deren Inhalte von Journalisten und Wissenschaftlern als verschwörungstheoretisch eingeordnet werden.
Auch werden Dr. Wolfgang Wodarg und Prof. Dr.Sucharit Bakhdi als renommierte Wissenschaftler dargestellt. Diese haben für das "Compact-Magazin", ein rechtsextremes Medium, Interviews zur Corona-Epidemie gegeben. Hier wird auch gegen Geflüchtete gehetzt und der Holocaust relativiert. Auf Nachfrage wurde bei einer Demonstration unwidersprochen geantwortet: Compact sei nicht rechts. Gleichzeitg zeigen sich im Gespräch einige Mitglieder von Widerstand 2020 als Verfechter von offenen Grenzen und Seenotrettung, was den Widerspruch und den Querfrontgedanken dieser Bewegung aufzeigt. Man macht "böse Mächte" wie Bill Gates für Corona verantwortlich, einige Personen tragen gelbe Sterne mit der Aufschrift "ungeimpft" und setzen damit ihre Situation mit der der Juden im NS gleich.
Auf den Demonstrationen halten sich "Corona-Rebellen" und QAnon-Vertreter auf, die eindeutig verschwörungstheoretische Inhalte vertreten und verbreiten. Für die fehlende Abgrenzung nach rechts außen gibt es zahlreiche weitere Beispiele. Genau diese Abgrenzung von rechten und verschwörungstheoretischen Positionen forderte die Kundgebung am Samstag.
Auch wurde mit einer Schweigeminute an George Flyod und anderer Opfer rassistischer Morde erinnert und gefordert sich gesamtgesellschaftlich gegen Rassismus zu stellen, der verstärkt in der Coronakrise People of Color betrifft.
Am Samstag, 13. Juni findet erneut eine Kundgebung der Aktivist*innen ab 13 Uhr am Dreifaltigkeitsplatz statt.


