Die Ukraine und die EU - Fahnenschwenkender Wunsch für ein friedliches, freies und demokratisches Europa. - Fotos: W. Götz
Landshut – gw (01.03.2022) „Salva Ukraini - Слава Україні“, „Frieden und Freiheit für die Ukraine“, „Frieden und Freiheit für Europa“ vor dem historischen Rathaus - „Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung“ bei den Spaziergängern. Die Situation war am gestrigen Montag in der Innenstadt skurril, teilweise an Niveau und Absurdität nicht zu unterbieten.
Vor dem Rathaus versammelten sich 450 Bürger zu einer durch Stadträtin Elke Rümmelein angemeldeten Versammlung, um auf die Lage in der Ukraine hinzuweisen, Putin zum sofortigen Stopp seiner Kampfhandlungen aufzufordern und Solidarität für die Bevölkerung in der Ukraine zu zeigen. Unter ihnen waren auch die Landtagsabgeordneten Ruth Müller, Rosi Steinberger, Bezirksrat Markus Scheuermann sowie die Stadträte Anja König, Hedwig Borgmann und Iris Haas.

Um 18 Uhr startete der Spaziergang am Ländtorplatz, angeführt von einem Transparent zum Grundgesetz.
Gleichzeit formierte sich um 18 Uhr ein erstmals angemeldeter Umzug der Montagsspaziergänger mit rund 2.500 Teilnehmern. Sie forderten Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung“, trugen Schilder mit „No War“, Friedenstauben, „Ukrainekrieg seit 2014“, „Für Wahrheit, Frieden und Freiheit“, „Mit Fakenews aufräumen“, „Weltfrieden“ und weiteren ähnlichen Aufschriften. Selten war auch ein Schild mit einer Ukraineflagge dabei. Ein direkter Bezug auf den Krieg in der Ukraine war bei den Spaziergängern nicht wirklich feststellbar. Sie riefen den aus der Querdenkerszene bekannten Slogan „Friede, Freiheit, Selbstbestimmung“.
Vorne weg marschierten sie mit einem Transparent mit der Aufschrift „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland - Moral ist: das Richtige zu tun, egal was man gesagt bekommt. Gehorsam ist: zu tun, was man gesagt bekommt, egal ob es richtig ist.“

Die Träger des Transparents hielten vor der Kundgebung für die Solidarität mit der Ukraine vor dem Rathaus inne.
Vor dem Rathaus gab es ein lautstarkes Pfeifkonzert der Spaziergänger gegenüber denen, die sich für ein sofortiges Ende des Krieges in der Ukraine einsetzen. Einige von ihnen antworteten mit ausgestreckten Stinkefingern.
Svetlana Shubert sprach vor dem Rathaus über die Lage in der Ukraine, darüber, dass Putins Truppen zivile Ziele angreifen, darüber, dass sich die Lage für die Ukrainer immer weiter verschlechtert, 100.000e Bürger auf der Flucht sind und dass dringend humanitäre, vor allem medizinische Hilfe benötigt wird. Sie danke allen, die sich mit ihrem Heimatland solidarisieren, auch allen Russen und Weißrussen, die sich gegen den Krieg aussprechen. Ihr wichtigstes Anliegen natürlich, dass Putin seinen Angriff schnellst möglich beenden muss.

Die Teilnehmer der Kundgebung vor dem Rathaus zeigten den Spaziergängern die Schulter.
Die Spaziergänger versuchten ihre Worte mit einem Pfeifkonzert zu übertönen, zogen weiter Richtung Heilig-Geist-Brücke über die Mühleninsel zurück in die Altstadt, weiter in die Neustadt, durch die Grasgasse um nochmals am Rathaus die Sprecher mit einem Pfeifkonzert mundtot zu machen.
Für die Grüne Jugend sprach Johannes Hunger, dass es in dieser Zeit wichtig sei, mit der Bevölkerung zusammen zu stehen und ihnen Kraft zu geben. „Denjenigen, die dort in der Ukraine kämpfen, gebührt unser Respekt. Putins Plan geht nicht auf. Er hat gedacht, er kann dieses Land überrennen. Doch diese Rechnung hat er ohne die mutigen Menschen in der Ukraine gemacht. Sie verteidigen Demokratie und Freiheit, die Werte Europas“, so Hunger, dessen Respekt auch allen gilt, die in Russland gegen diesen Krieg auf die Straße gehen. „Das ist Putins Krieg. Ich hoffe für sie, dass sie Putin loswerden und Demokratie und Freiheit auch in Russland Einzug halten.

Verbales Techtelmechtl am Rande des Spaziergangs.
Nebenan unterhielten sich Teilnehmer des Spaziergangs und verbreiteten Fake News per Mund zu Mund Propaganda unter sich. Die Hälfte der Flüchtlinge an der Grenze zu Polen seien „Neger“ und die „Neger“ wollen nun diese Möglichkeit nutzen, illegal nach Deutschland einzureisen.
In einer weiteren Rede vor dem Rathaus ging es um die Energieabhängigkeit Deutschlands durch Russland und dass sich dies nun räche. Daher sei nun wichtiger denn je, die erneuerbaren Ressourcen in Deutschland auszubauen, um von importierten Öl und Gas wegzukommen.

MdL Ruth Müller stellte die Werte der Demokratie in den Mittelpunkt ihrer Rede.
Ruth Müller, Abgeordnete in Bayerischen Landtat, stellte das Wahren und Bewahren der Demokratie in den Mittelpunkt ihrer Worte. Sie erinnerte an die Generation unserer Omas und Opas, Mütter und Väter, die selbst die Diktatur des NS-Regiems in Deutschland erfahren mussten, mit all dem Leid, Verfolgung und einem unbarmherzigen Vernichtungskrieg. Daher muss die gewonnene Demokratie weiterhin obersten Stellenwert behalten und gegen andersdenkende Kräfte verteidigt werden.
Auch ein Redner mit Belarussischer Abstammung trat auf und versicherte, dass sich in seinem Land eine breite Mehrheit gegen Putins Ukrainekrieg ausspreche, sich mit der Bevölkerung in ihrem Nachbarland solidarisiere, dass ihnen jdoch die Hände für einen offenen Protest gebunden sind, da sie sofort mit massiven Repressionen ihres autoritären Machthaber Alexander Lukaschenko rechnen müssen. Auch er wünscht sich für die Ukraine, Belarus und Russland Demokratie für Osteuropa.
„Salva Ukraini – Ruhm der Ukraine“ lautete der allgegenwärtige Wunsch, bevor die Kundgebung vor dem Rathaus mit dem gemeinsamen Singen der Europahymne gegen 19.30 Uhr endete.

Ein Redner äußerte vor den Spaziergängern Verständnis für Russland.
Derweil stoppte der Zug der Spaziergänger in Sichtweite zum Rathaus. Ein Sprecher äußerte dort durchaus Verständnis für Russland, das sich durch die NATO in Bedrängnis fühlen muss und erinnerte an den Ursprung der Bewegung, die Ungerechtigkeiten der Coronamaßnahmen. „Friede, Freiheit, Selbstbestimmung“ riefen die Spaziergänger wiederholt und schlossen ihre Versammlung mit dem Absingen der Deutschlandhymne.
Pressebericht der Polizeiinspektion Landshut zu den Ereignissen:
Versammlungen im Innenstadtbereich
Am gestrigen Montagabend fanden zwei genehmigte Versammlungen in der Innenstadt von Landshut statt. Vor dem Rathaus trafen sich gegen 18 Uhr die Teilnehmer vom Bündnis 90/Die Grünen mit rund 200 Personen. Eine weitere Versammlung durch die Innenstadt fand durch die sogenannten „Spaziergänger“ statt. Diese bewegten sich in einem Aufzug von etwa 1.500 Personen durch die Innenstadt. Es kam zu keinen Zwischenfällen.


