Wollen das "Puzzle" CSU wieder erfolgsorientiert zusammensetzen: von links Hans Rampf, Ludwig Zellner, Toni Schöllhorn-Gaar, Eva Maria Laske, Helmut Radlmeier, Maximilian Götzer, Willi Hess.
Landshut (10.01.2017) Paukenschlag-Charakter hatte die Pressekonferenz am Montagnachmitag, 16 Uhr, 77 Tage nach der OB-Wahl. MdL Helmut Radlmeier (50), der die OB-Wahl am 23. Okober gegen den FDP-Kandidaten Alexander Putz mit 37:63 Prozent verloren hat, kandidiert bei der nächsten Neuwahl der CSU-Vorstandschaft im März oder April nicht mehr für die Position des Vorsitzenden (das ist er seit 2009). Er will jedoch über diese Amtspriode (bis 2018) hinaus Landtagsabgeordneter bleiben. Wer aber soll die Landshuter CSU führen?
Namen von Nachfolgern werden nur unter der Hand gehandelt. Freilich Stadtrat Ludwig Zellner, derzeit einer der vier stellvertretenden Parteivorsitzenden, ließ mit einer couragierten Wortmeldung erkennen, dass er sich dieses Spitzenamt in der Partei durchaus zutraut. Er deutete auch an, wie man die verschiedenen Flügel bzw Gruppierungen wie die Landshuter Mitte und die Junge Liste bzw. Junge Union wieder in die Partei bzw. CSU-Fraktion eingliedern kann.

Helmut Radlmeier will weiterhin Landtagabgeordneter bleiben. Stadtrat Maximilian Götzer lobte die Arbeit von Radlmeier, will aber jetzt nicht Parteichef werden, sondern sein Studium fortsetzen.
Nur als Berater sieht sich dagegen Ex-OB Hans Rampf (68). Freilich wäre er wohl der Favorit der meisten der 700 Landshuter CSU-Mitglieder. Der junge Stadtrat Thomas Haslinger (30) würde auch gern den Parteivorsitz übernehmen. Das hat er schon 2015 mit seiner spontanen Kandidatur probiert. Er konnte damals jedoch Helmut Radlmeier nicht vom Thron stürzen. Nicht in Frage kommt derzeit auch Jung-Stadtrat Maximilian Götzer. "Das Studium geht vor", so seine Erklärung. Zugleich lobte Götzer jun. das große Engagement von Radlmeier für die Partei und auch als OB-Kandidat. Die drastische Wahlniederlage kann man sich immer noch nicht schlüssig erklären. Radlmeier selbst meinte, die Patei und auch die Fraktion habe ihn nicht geschlossen genug unterstützt, zum Teil sogar aus "Neid und Missgunst" bekämft. Die Zerrissenheit der CSU komme beim Wahlvolk nicht gut an. In der Tat engagierte sich vor allem die Junge Union nicht für den CSU-OB-Kandidaten. Auch Haslinger wurde nicht aktiv für OB-Kandidat Radlmeier tätig. Und die Wählerschaft wollte wohl, so Radlmeier, nach zwei CSU-Oberbürgermeistern (Rampf und Deimer) nicht schon wieder einen aus den Reihen der CSU.
Der Name von Thomas Haslinger wurde als potentieller Nachfolger in der heutigen Pressekonfernez nicht genannt. Er ist derzeit auch nicht Mitglied in der CSU-Vorstandschaft. MdL Radlmeier hat mit der Jungen Union (Vors. Ludwig Schnur) und mit den Stadträten der Jungen Liste (Haslinger, Habereder) bereits gute (Rückkehr-)Gespräche geführt. Mit der Landshuter Mitte soll ebenfalls eine Annäherung mit dem Ziel der Wiedervereinigung angestrebt werden. LM-Vorsitzender Prof. Dr. Küffner hat sich am Tag vor der Pressekonferenz gesprächsbereit per Mail erklärt. - 2020 hofft die CSU, mit einer neuen geschlossenen CSU-Kandidatenliste und einem neuen jüngeren OB-Kandidaten in den Wahlkampf ziehen zu können.

Ex-OB Hans Rampf sieht seine künftige Rolle in der Partei als Berater. Stadtrat Ludwig Zellner traut sich wohl den Parteichef-Posten zu.
Die CSU ist immer noch sehr von Männern dominiert. Bei der Pressekonferenz war mit der stellvertretenden Vorsitzenden Ev Maria Laske nur eine einzige Frau vertreten. Seniorensprecher Willi Hess hat für sich bereits recht genaue Vorstellungen bezüglich des neuen Parteichefs. Hans Rampf meinte, der Nachfolger von Radlmeier sollte stadtpolitische Kompetenz haben, als Arbeitskreisleiter oder als Stadtrat. Nun ja, auch Stadtrat Lothar Reichwein, der ehemals auch als potentieller OB-Kandidat gehandelt wurde, käme als neuer Parteichef ebenso in Frage wie auch die fesche presseerfahrene Stadträtin Anke Humpeneder-Graf, Gründerin und Leiterin des Bürgerhauses, womöglich zusammen mit einem jüngeren Partner. Auch eine derartige duale Lösung hätte Charme. Die Grünen in Landshut praktizieren das ja schon seit Jahren.
MdL Radlmeier soll und will auch 2018 wieder der Direktkandidat der CSU für die Landtagswahl werden. Diese Rolle könnte ihm der zum 1.November 2016 neu in den Landtag nachgerückte Abgeordnete Florian Hölzl (30) aus Pfeffenhausen streitig machen. Da kommt es darauf, an, wer die meisten Delegiertenstimmen bekommt. Zum Stimmkreis Landshut gehört neben der Stadt auch fast die Hälfte des Landkreises, vor allem der Landkreisnorden.
Nun ja, die vier CSU-Mitglieder der Landshuter Mitte (LM) sind ja mit über 200 Mitgliedern in einem recht agilen Verein, so Ex-OB Rampf, organisiert. Das sind die Stadträte Prof. Dr. Thomas Küffner (Vorsitzender des Vereins), Hans-Peter Summer (Fraktionschef der CSU) sowie das Duo Claudia Zehentbauer und Tilmann von Kuepach. Die fünfte LM-Stadträtin Dr. Maria Fick ist immer noch FDP-Mitglied. Sie hat im OB-Wahlkampf auch offen Alexander Putz unterstützt. Dazu kommen von der Jungen Liste Stadtrat Thomas Haslinger und seine Gattin Karina Habereder, beide ja ebenfalls CSU-Mitglieder. Insgesamt hat die CSU also 20 Stadträte. Daraus soll wieder eine geeinte, geschlossene und schlagkräftige Fraktion werden, spätestens bei der nächsten Stadtratswahl 2020. Die Listenaufstellung erfolgt ja schon ein Jahr zuvor, im Frühjhr 2019, in zwei Jahren bereits. Alternativ könnte die CSU nochmals wahltaktisch in getrennten Formationen mit entsprechend mehr Kandidaten in den Wahlkampf für die Stadtratswahl im März 2020 ziehen und erst danach eine Wiedervereinigung ins Auge fassen.
Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass sich aus dem bürgerlichen Lager eine weitere neue Gruppe für die nächste Stadtratswahl formiert, inclusiv OB-Kandidat bzw. OB-Kandidatin. /hs


